Blood on the Clocktower – Spiel mit uns

Werwolf, Resistance, Avalon, Hail Hydra, Stop the Train, Secret Hitler … – ja, wir lieben sie alle. Zu Gunsten des Gemeinschaftserlebnisses schauen wir auch gern darüber hinweg, dass sie alle für Vielspieler etwas zu viel „social“ und zu wenig „deduction“ enthalten. Vorhang auf für Blood on the Clocktower!

Nach einer mehr als zweijährigen Verspätung soll Blood on the Clocktower nun endlich Ende 2021 physisch erscheinen. Warum ihr hier jetzt schon eine Besprechung findet, fragt ihr? Nun, erstens ist dies keine, sondern ein Aufruf zum Mitspielen. Und zweitens, weil jede Pandemie auch ihre guten Seiten hat und die Truppe vom Pandemonium Institute inzwischen sämtliche Inhalte bereitgestellt hat, so dass das Spiel mittlerweile seit Monaten vor allem im englischen Sprachraum fleissig online gespielt, ausgebaut und fast rituell verehrt wird. Höchste Zeit also, auch den deutschen Sprachraum an diesem Phänomen teilhaben zu lassen.

clocktower bild

Auf den ersten Blick mag sich Blood on the Clocktower nur marginal von seinen Vorgängern unterscheiden – aber der Eindruck täuscht. Dazu trägt insbesondere der Spielleiter bei, der hier  alles andere als lediglich bürokratische Aufgaben zum Spielablauf wahrnimmt, sondern punktuell aktiv (und ausgleichend) ins Spiel eingreift. Auch das mag noch nicht bahnbrechend klingend, aber die Auswirkungen lassen sich beispielhaft (neben vielen höchst unterhaltsamen Videos) an der Rolle des „Betrunkenen“ aufzeigen, der zum guten Team gehört.

Das Setting ist klassisch: Gut gegen Böse! Ein Dämon geht um, unterstützt von seinen Schergen (Minions) – und er führt natürlich nichts Gutes im Schilde. Unter dem Tunichtgut leiden einerseits die Dorfbewohner (Townsfolk), aber auch einige Fremde (Outsiders), die in der Nähe leben. Dorfbewohner und Fremde spielen gemeinsam gegen Schergen und den Dämon. Aber sie alle weisen unterschiedliche Voraussetzungen auf, die sie in einem typischen Nacht-Tag-Zyklus möglichst sinnvoll einsetzen, um das Spiel zu gewinnen.

Der Betrunkene ist ein Fremder, seine Rollenbeschreibung besagt (übersetzt):

drunk

Du weisst nicht, dass du der Betrunkene bist. Du meinst, du wärst ein Dorfbewohner, aber deine Fähigkeit versagt.

 

Mit anderen Worten: Der Spielleiter teilt dem Betrunkenen bei Spielbeginn eine Dorfbewohner-Rolle zu, die allerdings im ganzen Spiel nie richtig funktionieren wird. Der Spielleiter behandelt den Betrunkenen so, als hätte er die zugeteilte Rolle. Sollte er aufgrund der vermeintlichen Rolle irgendwelche Aktionen auslösen, dann funktionieren sie nicht, sollte er Informationen erhalten, dann können diese korrekt oder falsch sein. Als Spielleiter ist es wunderbar mit anzusehen, wie sich im Dorf oft die Meinung ausbreitet, jeder könnte betrunken sein, auch wenn diese Rolle unter Umständen gar nicht im Spiel ist.

Die bösen Pläne des bösen Spielleiters

Natürlich ist die Rolle des Betrunkenen nur die beispielhafte Spitze des Eisbergs, denn die aktive Partizipation des Spielleiters erlaubt Rollen, die in anderen Spielen dieser Art nicht denkbar wären – auch durch das gezielte Streuen von Falschinformationen.

scarlet womanErmöglicht wird dies alles auch dadurch, dass alle Beteiligten (nicht nur einige) eine spezielle Rolle mit besonderen Fähigkeiten erhalten, und dass die möglichen Rollen in einem „Skript“ aufgelistet und allen Teilnehmenden zugänglich sind. Mittlerweile existieren neben den drei „offiziellen“ Skripts hunderte von inoffiziellen – auch dies unterstützt das Pandemonium Institute durch die Bereitstellung eines Skript-Editors.

Aufgrund der verschiedenen Rollen ergibt sich somit in jeder Partie ein Geflecht aus wahren und falschen Informationen, welche es für das gute Team zu entwirren gilt: Ein Rätsel, das gelöst werden muss, um den Dämon zu entlarven.

Trotz einer Häufung bizarrer Todesfälle scheint die Moral im Dorf intakt zu sein

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu den Vorgängern betrifft das Ableben von Spielern. In Blood on the Clocktower schaut niemand vorzeitig zu – alle bleiben bis zum Ende involviert und aktiv. Der Tod eines Charakters bedeutet lediglich, dass die Rolleneigenschaften (meistens) deaktiviert werden (aber habt ihr schon von Zombies gehört?). Unter Umständen kann das eigene Ableben sogar gewünscht sein, wenn das Dorf dadurch wichtige Informationen erhält. Verstorbene Personen können so nicht selten zu regelrechten Informationsdrehscheiben werden, denen man vertraut.

trouble brewingAnfängern ist trotz der grossen Auswahl unbedingt das erste Skript „Trouble Brewing“ zu empfehlen, das noch am ehesten in der Nähe von traditionelleren Spielen dieser Art anzusiedeln ist, aber dennoch die zentralen Besonderheiten auf einfache Art vermittelt. Neue Rollen, Skripts und sonstige Ideen mit noch verrückteren Effekten schiessen unter der elektrischen Spielergemeinschaft mittlerweile fast täglich wie Pilze aus dem Boden.

empathDie „elektrische“ Umsetzung lebt allerdings ebenso vom sozialen Aspekt wie die reale. Zwar wird neben der Videokonferenz eine Online-Plattform benötigt, diese dient allerdings lediglich zum Festhalten von Informationen (es wird also nicht wirklich „am Bildschirm“ gespielt, indem etwa Spielmaterial manipuliert werden muss).

 

Wie ihr in unseren News sehen könnt, sind auch wir momentan vom Virus befallen – und ihr könnt es auch werden. Traut euch, folgt dem Link, meldet euch an und spielt mit uns! Wir spielen auf Deutsch, stellen bei Bedarf sämtliche Übersetzungen bereit (Trouble Brewing deutsch) und erklären Neulingen geduldig das Spiel (einige Tipps von uns findet ihr auch schon hier: BotC – Intro). Aber erwartet nicht, dass der Dämon euch schont…

demon

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