Horrified – Zurück im Village

Erinnert ihr euch an Village, von Inka und Markus Brand? Wo das namensgebende Dorf genau lag, hat man damals nie erfahren, ebensowenig, was aus ihm und all den Handwerkern, erfolgreichen und gescheiterten Klerikern und Politikern, Reisenden und Händlern schlussendlich geworden ist. Aber nun liegt Horrified vor uns auf dem Tisch – und spielt in jenem Ort, der den gleichen Namen trägt: „Village“, nämlich. Zufall? Ich denke nicht…

village
Das „Village“ heute. Offenbar hat es sich seit unserem letzten Besuch im Mittelalter ansehnlich entwickelt. Aber in den nächsten Minuten gehts zünftig abwärts…

Das Dorf hat die Zeit seit den turbulenten Geschehnissen im Pseudo-Mittelalter gut überstanden, mittlerweile findet man hier ein Theater, ein Museum, ein Spital, grössere Anwesen, einen Zeltplatz, ja sogar ein Laboratorium und ein Institut. Was dort genau vor sich geht, weiss niemand so genau, aber dass die beiden letzten direkt neben dem Friedhof stehen, ist bestimmt ein Zufall …

dracula
Hat da was geraschelt? So ein Friedhof mit Blutsauger kann nachts ganz schön aufregend sein …

Das kooperative Horrified (Ravensburger North America, Inc.) würde allerdings einen anderen Namen tragen, wenn wir zu den besten Tagen des Örtchens ins Geschehen eintauchen würden. Stattdessen besuchen wir es zu einem Zeitpunkt, an dem das Dorf arg gebeutelt wird, und zwar nicht von einem, nicht von zwei, sondern von drei Unholden gleichzeitig (wer’s drauf anlegt, darf auch gegen mehr antreten). Die komplette Prominenz des klassischen Universal-Horrorfilms scheint sich gegen die armen Bewohner verschworen zu haben: Dracula, der Unsichtbare, die Mumie, Frankensteins Geschöpf mit Anhang, der Wolfmann, die Kreatur aus dem Sumpf – gegen welche Auswahl wir das Dorf beschützen wollen, ist uns frei gestellt und hat auch tatsächlich deutlichen Einfluss darauf, wie sich Horrified spielt.

monster
Gegen drei (oder gar vier) dieser klassischen Monster ziehen wir ins Getümmel.

Dabei ist das Grundmuster altbekannt. Wir (die Guten) haben eine Anzahl Aktionen zur Verfügung, nach jedem Zug ziehen wir eine Monsterkarte, die uns informiert, was die Bösewichte so treiben. Neben neu erscheinenden Gegenständen hat das oft mit der Jagd auf Dorfbewohner und/oder unsere Helden zu tun, aber nicht immer. Denn nicht nur wie üblich die Helden, auch die Monster verfügen hier über individuelle Sondereigenschaften und zaubern mit unschöner Regelmässigkeit ihre Spezialaktionen aus den modrigen Ärmeln.

helden
Sieben Helden stehen uns zur Auswahl: Wissenschaftler, Forscherin, Krisen-Manager, Betriebsexperte … äääh … sorry, falsches Spiel!

Das ist unschön, denn meistens erschweren es uns diese Sonderaktionen, das Monster zu besiegen. Wie wir die Peiniger loswerden, ist sowieso von Bösewicht zu Unhold unterschiedlich und kann als kleines Mini-Game aufgefasst werden. Um Dracula zur Strecke zu bringen, müssen wir beispielsweise vier Särge in den Ecken des Dorfes neutralisieren, bevor wir es mit dem Blutsauger persönlich aufnehmen können. Frankenstein und dessen Braut müssen wir erstens davon abhalten, sich im Dorf zu treffen, und zweitens beiden menschliches Verhalten näher bringen. Die Kreatur versteckt sich in der Lagune – bevor wir mit dem Boot ihren Unterschlupf ausfindig gemacht haben, ist nichts gegen sie auszurichten …

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Gegenstände existieren in drei Farben und verschiedenen Stärken

Allen Aufgaben ist gemeinsam, dass wir zu Ihrer Erfüllung Gegenstände benötigen, die im Dorf herumliegen. Genauer gesagt: Gegenstände in bestimmten Farben. Dummerweise benötigen wir das Gerümpel aber auch, um uns vor Angriffen der Monster zu schützen, denn die Helden verfügen, wie die Dorfbewohner, über genau einen (1!) Lebenspunkt (warum Leute mit einer derart fragilen Konstitution im monsterverseuchten Dorf unbedingt nachts spazieren gehen müssen, entzieht sich unserer Kenntnis). Jeder abgeworfene Gegenstand neutralisiert einen Treffer – sollte dies einmal nicht möglich sein, sind wir aber nicht tot, sondern erhöhen die Terroranzeige um eine Stufe und finden uns danach im Spital wieder. Getroffene Dorfbewohner hingegen leben direkt ab – erhöhen dabei die Anzeige ebenfalls, und bringen uns so dem definitiven Untergang des Dorfes näher.

Stehen wir bei einem Monsterangriff auf dem gleichen Feld wie ein Zivilist, werfen wir uns todesmutig vor die naiven Nachtspazierfetischisten und wehren den Angriff ab.  Es lohnt sich also, mit möglichst vollen Armen durchs Dorf zu marschieren, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Dennoch sollte man nicht aus den Augen verlieren, wer gerade welche Sorte von Gegenständen am dringendsten benötigt, beziehungsweise am effizientesten einsetzen kann.

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Die weissen Karten erhalten wir, wenn wir Dorfbewohner an ihr Ziel bringen. Die Karte ganz links verspricht uns beispielsweise immerhin eine ruhige Nacht …

Allerdings sind die Dorfbewohner nicht nur Monsterfutter. Bringen wir die Bewohner sicher zu deren Zielen im Dorf, werden wir immerhin mit Karten belohnt, die in anderen Spielen beispielsweise „ruhige Nacht“ oder so ähnlich heissen – und ebenso jederzeit spielbar sind. Das Sammeln dieser Karten ist zwar kein Hauptziel, aber manchmal ist so ein zusätzlicher Effekt schon äusserst nützlich.

zivilist
Dr. Reed will mitten in der Nacht zum Camp. Zum Glück sind wir zur Stelle, um ihn sicher zu geleiten.

Besonders spassig ist es, die Verhaltensweisen der Monster und ihre Interaktionen zu entdecken und unterschiedlich zu kombinieren. Besonders übel ist beispielsweise der Unsichtbare, der immer mal wieder überraschend dort auftaucht, wo die meisten Gegenstände herumliegen – und diese kurzerhand entsorgt.

monsteraktionen
Die Monsterkarten bringen neue Gegenstände ins Dorf, steuern unsere Gegner oder bringen auch mal Zivilisten dazu, ihr mehr oder weniger sicheres Bett zu verlassen und spazieren zu gehen.

Die Mini-Games, die man erfüllen muss, um einen Widersacher überhaupt erst angehen zu können, sind eine sehr nette Idee und bringen die richtige Prise Pepp in die Geschichte. Aber überhaupt ist die Herausforderung nicht ohne – und lässt sich ausserdem praktisch beliebig anpassen, indem man mehr oder weniger Bösewichte bemüht. 

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Um die Mumie zu besiegen, müssen wir zunächst im Museum gelbe Gegenstände abliefern und damit die Skarabäen optimal über die leere Stelle bewegen. Erst wenn alle am richtigen Platz sitzen, dürfen wir der Mumie selber zünftig gegen die Schienbeinbandagen treten.

Horrified erfindet das kooperative Genre nicht neu – hebt sich jedoch durch die abwechslungsreichen Monster, ihre individuellen Fähigkeiten und Mini-Games von ähnlichen Titeln ab. Dracula lockt Helden zu sich, um sich einen Schluck zu genehmigen, der Wolfmann jagt immer wieder einen spezifischen Helden durch die Nacht – und verhält sich auch sonst unangenehm aggressiv, die Mumie vermasselt uns das schon fast gelöst geglaubte Rätsel um die Skarabäen … Horrified lässt bis zu fünf Spieler über rund 60-90 Minuten in ein monstermässiges Alt-Horrorfilm-Feeling eintauchen.

horrified box

One comment

  1. Guten Morgen,

    um sich für Horrified in Stimmung zu bringen kann ich nur Nick Dubronski empfehlen!

    https://www.youtube.com/playlist?list=PL8jUtBGgfAbZpxhq5yHvH3GzFwxU-N6bu

    Eine Amateur-Hörspielreihe aus der Genre Größen wie John Sinclair, Dorian Hunter oder Tony Ballard abgekupfert haben. Die erste Folge war so gruselig, dass sie der Öffentlichkeit vorenthalten wird, damit keine Massenpanik entsteht (s. Krieg der Welten).

    Und wer genau hinhört, erkennt vielleicht auch meine Stimme… oder eher meinen Todesschrei.

    Grüße,

    axelsohn

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