Social game distancing à la Muwins

Aufgrund der Corona-Krise liegen, neben weitgehend jeglicher nationalen wirtschaftlichen Tätigkeit, auch die üblichen Spieleabende und Muwins-Spielesamstage aktuell nicht mehr drin. Lassen wir uns deswegen unterkriegen? Nö. Und wie schaffen wir das? Lest selber…


Peter: Ich bin ja in den letzten Monaten vermehrt auf den Geschmack des Pen & Paper Rollenspiels gekommen und habe vor kurzem sogar einige interessierte und sympathische Menschen gefunden, die gewillt sind, sich mehr oder weniger regelmässig immer mal wieder auf derartige Erzähl-Abenteuer einzulassen. Da ist es umso ärgerlicher, dass die aktuelle Krise uns schon nach der ersten Session einen Strich durch die Rechnung macht – gäbe es da nicht nützliche (und, wie sich herausgestellt hat, höchst praktikable) Onlinelösungen. Mit Discord für den Sprachchat und Roll20 als vielseitig modifizierbarer visuellen Spieltischplattform klappt das nämlich prima. Sowohl das turbulente Erzählspiel Fiasko als auch das von der alten Rollenspiel-Schule geprägte Dungeon Crawl Classics bescherten mir so kürzlich einige vergnügliche Stunden. An das echte, analoge Erlebnis kommt das natürlich nicht ran, aber ich war doch erstaunt und positiv überrascht, wie gut sich so etwas auch online spielen lässt.

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Und so sieht das dann z.B. beim virtuellen Fiasko auf Roll20 aus. Statt der kaleidoskopischen Avatare könnten auch videoübertragene Gesichter zu sehen sein – nötig ist das aber nicht.

Benjamin: Neben dem ausufernden Bemalen von Miniaturen (hat hier jemand Hellenica gesagt?) und den obligatorischen Regel-Lern-Solo-Partien von Titeln, die eh schon lange auf den Tisch gehört hätten, gibts ja zum Glück auch noch die elektrischen Helferlein, um Distanzen zu überbrücken. Die diversen spezialisierten Brettspielseiten dürften in diesen Tagen von Zugriffen geradezu überrollt werden, deshalb weichen wir auch gern auf Alternativen aus. Und weil wir besonders unter den jetzigen Umständen dabei nicht auf grössere Gruppen verzichten wollen, dürfens auch mal lockerere Spielchen sein: Just One funktioniert beispielsweise per Skype ganz wunderbar, Letter Jam kriegt man ebenfalls gut hin, gleiches gilt für Wavelength!

Und dann gibts ja da noch den Tabletop Simulator, unter anderem mit DEM Zeitreise- und Deduktionsspiel überhaupt.

Etienne: Die meiste Zeit verbringe ich momentan alleine in Arkham – oder in Paris und hoffentlich bald im Regenwald von Mexiko. Endlich – ich will in dieser ganzen Krise  positiv bleiben – habe ich Zeit, all die verpassten Geschichten von Arkham Horror: Das Kartenspiel nachzuholen. Zu sagen gibt es eigentlich nicht viel mehr, ausser, dass mir einmal mehr bewusst wird, dass es sich hier um das beste Solo-Spiel handelt… ever.

Auch mit meiner Frau bleibe ich zuletzt öfters in Arkham, oder wir gehen auf Reisen im Zeppelin oder im Zug (das Kreuzfahrtschiff steht noch bevor). Gleich zu Beginn des ganzen Lockdowns haben wir uns die Erweitung Grauenvolle Reisen für Villen des Wahnsinns: Zweite Edition zugelegt. Die Geschichten ausserhalb des gewöhnlichen Settings von Arkham, Dunwich oder Innsmouth sind sehr gelungen, und das Beste: Die drei Szenarien sollen allesamt unter drei Stunden zu spielen sein!!!!!

Aber auch bei mir zu Hause wird in letzter Zeit vermehrt online gespielt (nicht nur auf der Xbox). Zahlreiche Spiele haben sich auf dem Tabletop Simulator neben Warhammer: Underworlds gesellt, das einige von uns ja schon länger regelmässig online spielen. Pandemie: Untergang Roms, Azul und King of Tokyo haben allesamt ganz gut funktioniert, aber auch Star Wars: Outer Rim macht mit etwas Geduld durchaus auch online Spass. (Ich habe auch Arkham Horror: Das Kartenspiel versucht – man könnte enorm sparen. Und obwohl das Spiel exzellent programmiert ist (inklusive Deck-Import, automatisiertem Set-Up usw.), war mir das ganze Kartenlesen am PC leider doch zu viel, und wir sparen ja sonst schon genug im Moment.)

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Willkommen zum Tabletop Simulator. Wollen wir doch mal sehen, ob sich der Untergang Roms noch abwenden lässt…

Matthias: Leider hat mir die Coronaquarantäne nicht zu mehr Brettspielzeit verholfen. Mit den Kindern kommen vor allem kürzere Spiele auf den Tisch. Sehr beliebt sind aktuell Belratti, in welchem wir gemeinsam den fiesen Kunstfälscher entlarven müssen, und der Dauerbrenner Tempel des Schreckens, Discover, Arctic Scavengers und L.A.M.A waren weitere Titel, welche wir in diesen Tagen gemeinsam gespielt haben.

Beim Onlinespielen bin ich vermehrt in die Gamergefilde abgedriftet. Wenn sich plötzlich Jugendfreunde auf Discord bemerkbar machen und gemeinsam gezockt wird, fühlt sich das in diesen Zeiten schon extrem nach sozialer Interaktion an. Apropos Jugendzeit: Age of Empires 2 hat ein neues Remake!

Brettspieltechnisch mag ich den Tabletop Simulator am liebsten. Hier habe ich wirklich das Gefühl am Tisch zu sitzen und kann mit den Spielkomponenten wie in echt interagieren. Der Tableflip kommt da auch nicht so schlecht an wie in echt…

Und hier nochmal eine kleine Übersicht zu den im Beitrag genannten Ressourcen:

Brettspielwelt – browserbasierte Plattform, um Brettspiele online zu spielen; rund 60 Titel sind verfügbar, hauptsächlich „moderne Klassiker“ (7 Wonders, Funkenschlag, San Juan, etc.), aber auch ein paar neuere Titel (Evolution, Die Crew); kostenlos

Discord – Text-, Sprach- und Videochatplattform mit allerlei Extras; gratis; kein Download erforderlich

Roll20 – virtueller Rollenspiel-Spieltisch, der sich praktisch nach Belieben gestalten lässt; unterstützt Sprach- und Videochat; Grundversion gratis, gegen Aufpreis lassen sich vorgefertigte Abenteuer zu diversen Systemen (DnD, Cthulhu, Pathfinder, etc.) spielen

Skype – Sprach- und Videochatprogramm; dürfte mittlerweile wohl allen ein Begriff sein

Tabletop Simulator – Der Name ist Programm: Es wird ein Spieltisch simuliert – mit Zugriff auf Mods, die mit einem Mausklick hunderte, wenn nicht tausende bekannte Brettspiele – von Catan über Warhammer: Underworlds bis hin zu einer hochaktuellen Frosthaven Demo – auf dem virtuellen Tisch aufbauen. Das Spielmaterial ist also da, die Regeln müsst ihr jedoch selbst kennen bzw. lernen sowie anwenden. Aktuell gibt es den TTS bei Steam zum halben Preis, also für 9.50 CHF – oder gleich im Viererpack für 28.- CHF.

Diverse Verlage bieten ausserdem im Moment so einiges im PDF-Format zum Nullpreis an:

Corinth – Von Days of Wonder gibt’s die Print & Play Version ihres letztjährigen Roll & Write Hits hier (Deutsche Regeln hier).

COVID-19: A Pandemic Scenario – Ihr lest richtig, das C3i-Magazine bietet dieses hochaktuelle Szenario (auf Englisch) für Pandemie, u.a. mit „Social Distancing“ als neuer Aktion.

(Call of) Cthulhu – Für den einsteigerfreundlichen Horror-Rollenspielklassiker gibt es bei Pegasus aktuell das Grundregelwerk und das Regelwerk für die Spieler (aka Investigatoren) gratis.

Für Detective, Prêt-à-Porter, Empires of the North und weitere Spiele aus ihrem Programm bietet Portal Games hier gratis Print & Play Szenarien an (leider nur auf Englisch).

Malbücher – Eure Kinder strapazieren eure Nerven beim Home-Office? Dann hat Chaosium etwas, was sie ein paar Stunden beschäftigen dürfte, und zwar jeweils ein Malbuch zu ihren Rollenspielen Runequest sowie Call of Cthulhu.  Netter Nebeneffekt: Die Kleinen tun zugleich auch was für ihre Nerd-Bildung.

Pegasus bietet hier u.a. UNDO – Verbotenes Wissen, Dragon Master und Brains – Schatzkarte (Solospiel) gratis zum Print & Play Download an.

Shadowrun – Euch zieht es rollenspieltechnisch eher in eine futuristische Fantasywelt, in der sich High-Tech und Magie die Klinke reichen, als ins Neuengland der 1920er? Auch da hat Pegasus das kostenlose Grundregelwerk für euch.

Targi-Autor Andreas Steiger hat 6 alternative Randkarten zum selbst ausdrucken entworfen, ihr findet sie hier.

2 Kommentare

  1. Tja, da geht es euch leider nicht besser als uns. Wir haben uns auch online organisiert. Haben uns auf boardgame geeinigt. Da sollte man sich aus Performance-Gründen allerdings einen Premium-Account gönnen für 4€/ Monat. Keyflower, Lords of Xidit und gestern Abend Clans of Caledonia hab ich da mit meiner Runde gespielt.
    Bei dem Wetter sind die Kinder fast nur draußen. So ein Garten ist schon eine gute Erfindung. Wir haben aber auch nach langer Pause mal wieder eine Geschichte vom Herr der Träume gespielt. Und unser Sohn war 3 Tage in dem Spiele-Comic „Ritter – Wie alles begann“ von Pegasus versunken. Ich habe für schlechte Tage noch „Kuala“ gekauft. Auch ein Abenteuerbuch, dass man allerdings zu viert mit unterschiedlichen Charakteren spielen kann. Bin gespannt wie das klappt.
    Aber nicht nur beim Spielen schreitet die Digitaliserung voran. Am Freitag mache ich mein erstes Online-Biertasting. Da werden allen Teilnehmern die Biere nach Hause geschickt und wir treffen uns dann Abends vorm Rechner zum gemeinsamen Zechen….

    1. Danke fürs Erweitern unserer Liste und Teilen deines spielbezogenen Umgangs mit der aktuellen Situation. Es ist spannend, zu erfahren, wie es unseren Lesern damit geht und welche weiteren Tipps sie diesbezüglich haben.

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