200:1 – Ich hab was, was du nicht hast

*** DIE ABSTIMMUNG IST BEENDET ***

Die Argumente von Peter haben euch am meisten überzeugt. Somit baut der Hobbypsychologe seinen Vorsprung weiter aus. Wenn das so weitergeht, müssen wir ihn wohl oder übel künftig sperren… Dennoch, Gratulation Peter!


Maximal 200 Worte, 1 Thema – das ist die Vorgabe! Die MUWINS duellieren sich für einmal nicht am Spieltisch, sondern über ihre Tastaturen. Unabhängig voneinander verfassen wir eine Stellungnahme zum vorgegebenen Thema, und IHR entscheidet in dieser höchst demokratischen Beitragsreihe, wer euch mehr oder weniger überzeugt hat.


Liebes Dr. Sommer Team

Korsaren der Karibik bei Matthias hat mich überzeugt, sehr sogar, denn zwei Tage später landete es auch in meiner Spielesammlung. Doch bevor ich auf BESTELLEN drückte, wurde ich kurz unsicher: Ist das Matthias gegenüber fair? Wie wird er damit umgehen, und wird er weiterhin mit mir spielen? Wie soll ich ihm das nur erzählen? „Hey Matt, ätsch-bätsch… ich habe das Spiel jetzt auch, denn ich will von dir unabhängig sein und es sowieso nie wieder mit dir spielen!“ oder „Matthias, ich hatte letzthin bei dir solchen Spass, ich hole mir das Spiel auch, obwohl ich es wahrscheinlich nie ohne dich spielen werde!“

Jetzt bin ich so unsicher, wie ich Matthias beim nächsten Treffen begegnen soll, und ich möchte unsere Freundschaft doch nicht auf’s Spiel setzen. Danke für deine Unterstützung. 

Etienne

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Brettspiele in ihrer natürlichen Brutstätte. Jedes von ihnen mit eigener Persönlichkeit – und doch sind sie sich so ähnlich…

Benjamin:

Lieber Etienne

Zunächst einmal herzliche Gratulation, dass Du so zu Deinen Gefühlen stehen kannst. Du solltest zuerst abklären, ob sich Matthias das Spiel selber ausgedacht hat. Falls nicht, hat er nämlich eigentlich keinerlei Besitzanspruch daran und rational weder einen Grund stolz, noch enttäuscht zu sein, wenn du ihm das nächste Mal mit der gleichen Schachtel gegenübertrittst. Gleichzeitig kann es natürlich schon als Statement aufgefasst werden, wenn ihr beide euren offenbar ähnlichen Geschmack der ganzen Welt öffentlich zeigen möchtet. Da wir Menschen soziale Tiere sind, beziehen wir unser Selbstwertgefühl nicht nur aus materiellen Quellen, sondern wachsen auch durch soziale Bestätigung. «Hey du – ich finde das auch gut» schafft eine Art Zusammengehörigkeit und gegenseitige Unterstützung. Falls bei ihm die Unsicherheit, ob Du weiterhin mit ihm spielen wirst, oder ob die neue Konkurrenz zu übermächtig werden könnte, allzu gross sein sollte, dann liegt der eigentliche Grund dafür wohl tiefer. Ich bin aber sicher, wenn du mit Matthias in einer ruhigen Minute offen darüber sprichst, wirst Du seine latenten Ängste zerstreuen können.

Ich wünsche Dir und Matthias für die Zukunft alles Gute – ihr schafft das schon…

Herzlichst

Dr. B


Yves:

Lieber Etienne

Korsaren der Karibik, schreibst du? Das ist doch dieses Spiel, in dem wir als Piraten die Schiffe der Mitspieler entern, versenken und deren Ladungen stibitzen? Dann gibt es noch eine Auswahl von dutzenden grimmigen und fähigen Kapitänen und Kapitäninnen? Eine gefährlicher als der andere? Ist das nicht ausverkauft? Nein? Dann informiere mich gefälligst, wo du dein Exemplar gekauft hast!

Ach… ich bin heute Morgen ein wenig unfokussiert. Komme gerade von einer Karibikreise zurück. Ich bin der Meinung, dass Matthias deinen Kauf sehr gut verstehen wird. Denn somit müsste er seine Box nicht zu dir nach Hause schleppen, kann seinen Rücken schonen und spart Benzinkosten (Gewicht!). Ausserdem munkelt man in der Piratenszene, dass Matthias sehr froh darüber ist, dass du nun Zuhause deine Seglerei und dein Piratendasein verbessern wirst, damit du in Zukunft kompetitiver zocken kannst.

Ich wünsche dir in der Karibik gutes Entern!

Dein Dr. Yves


Matthias:

Lieber Etienne

Es ist schön, dass du dir solche Sorgen um mich machst. Noch schöner ist es, wenn dir ein Spiel bei mir gefallen hat. Dein Einkauf ist nichts anderes als ein Kompliment. Du sagst mir damit nämlich, dass wir den gleichen Spielegeschmack teilen und das ist ähnlich schmeichelhaft, als würdest du nach einem tollen Essen den Koch nach dem Rezept fragen.

Diese Parallelbesitztümer vermögen also die kollektive Spielesammlung nicht zu erweitern und scheinen eher sinnlos, sie sorgen aber für den sozialen Kitt zwischen Menschen unserer Art. Du weisst schon: Das mit den gemeinsamen Interessen und so. Unserer nächsten Partie steht also nichts im Wege!

Ach ja, du weisst sicherlich, dass ich auch die Erweiterung von Korsaren der Karibik besitze…?

Dein Dr. M


Andreas:

Lieber Etienne

Deine Frage zeigt mir, dass sich Dein Sittlichkeitsgefühl erfreulich entwickelt, nachdem ich Dir bei Deiner letzten Anfrage erklärt habe, dass Du nicht bei jeder Gelegenheit mit allem spielen solltest, das Dir gerade Freude bereitet. Bei Korsaren der Karibik hast Du richtig entschieden und Du darfst es auch zu Treffen mitbringen, bei denen zwei Exemplare vor Ort sind. Korsaren der Karibik ist ein Klassiker, der immer und überall angebracht ist. Das ist so, wie wenn Du und ein anderer Mann bei einem Anlass beide Smoking tragen. Das hat Stil. Würdest Du dagegen eine gehypte Spieleneuheit anschleppen, die bereits von einem Trendsetter präsentiert wird, müsste Dir das peinlich sein. Du kannst an einer Veranstaltung auch nicht das gleiche Kleid wie Lady Gaga tragen.

Andere Menschen – darunter sogar solche mit dubiosen Doktortiteln – mögen Dir sagen, dass Du Dir jedes Spiel zulegen und es in jeder Runde auspacken kannst. Pass gut auf, lieber Etienne! Hinter dieser toleranten Haltung versteckt sich purer Eigennutz: Diese Menschen wollen, dass möglichst viele Spiele verkauft werden, damit die Hersteller immer Neues produzieren. Stell Dir vor, was passieren würde, wenn nur jede sechste Person vernünftigerweise ein Sechspersonenspiel kaufen würde?

Herzlich, der wahre Dr. S.


Peter:

Lieber Etienne

Um dir die Nervosität vor deiner nächsten Begegnung mit Matthias zu nehmen, werde ich dir nun erklären, wie du die Situation am besten handhabst.

Zuerst einmal dürfte sich Matthias geschmeichelt fühlen, dass du dir nach einer Partie bei ihm das Spiel auch zugelegt hast – schliesslich bestätigst du ihn damit in seinem guten Geschmack. Dann aber wird sich ein leiser Gedanke von seinem Unter- in sein tatsächliches Bewusstsein bohren: „Etienne besitzt nun ebenfalls Korsaren der Karibik, die Muwins brauchen mich jetzt nicht mehr und ich muss meine Ausgabe für immer im Solomodus spielen!“ Daraufhin wird er unaufhaltsam in eine tiefe Depression fallen, erst seinen Job und dann sein Haus verlieren. Frau und Kinder werden ihn verlassen, weil er ständig nur noch weinend vor seinem Spieleregal sitzt und sehnsüchtig sein Staub ansetzendes Korsaren der Karibik anstarrt. Bald wird er verwahrlost mit der Spielschachtel durch den Stadtpark huschen, die Plastikschiffe durch eine Pfütze bewegen und dabei Wind- und Kanonengeräusche nachahmen.

Ich bin mir sicher, lieber Etienne, dass du es nicht soweit kommen lassen möchtest. Darum sendest du dein neues Spiel am besten einfach an mich – es braucht auch niemand davon zu erfahren.

Alles Gute wünscht dir
Dein Dr. P


Wer hat euch am meisten überzeugt? Gebt ihm eure Stimme bis und mit Sonntag, 27.1.2019. Danach informieren wir hier über das Ergebnis!

Und wie seht ihr das Ganze? Diskutiert mit und hinterlasst doch direkt einen Kommentar!

4 Kommentare

  1. Lieber Dr. X,

    ich finde es sehr löblich, dass es nun endlich eine Anlaufstelle für moralische Grundfragen des Brettspielen gibt. Korsaren der Karibik scheint ein Spiel mit Sprengkraft auch für gefestigte Spielegruppen und Männerfreundschaften zu sein.

    Ich trage seit 6 Wochen ein wirklich schlechtes Gewissen mit mir rum: schlaflose Nächte, Alkoholmissbrauch, exzessives Spielen, um mich abzulenken.
    Ich habe einem Mitglied meiner Spielerunde mein Exemplar „Korsaren der Karibik“ für 20 Liter Fassbier verkauft. Wir haben es seit Jahren nicht mehr gespielt. Überangebot an Alternativen, Spieldauer und der große Einfluss des Zufalls waren die Gründe.
    Erstmal nicht verwerflich. Allerdings weiß ich, dass der Käufer niemand anderen hat als unsere Spielgruppe mit dem er das Spiel spielen kann. Ich habe Platz im Regal geschaffen, Bier abgegriffen und trotzdem keinen Nachteil.

    Eigentlich fühlt es sich doch gar nicht soooo schlecht an. Nur schade, dass das Bier schon alle ist.
    Toll, dass ich das hier mal loswerden konnte.

    Danke

    1. Lieber Axelsohn

      Für deine Brettspielsorgen und -probleme haben wir immer ein offenes Ohr. Schön, dass du nun selbst herausgefunden hast, dass es eigentlich keinen Grund für ein schlechtes Gewissen gibt. Zumindest nicht, solange sich dein Spielrundenkompagnon nicht auf diese Seite verirrt…

      Dein Dr. P

  2. Ja, das ist ein Problem. Vor allem war „Korsaren der Karibik“ nicht das einzige Spiel. Ich bin Wiederholungstäter…
    Aber bei Fassbier hört die Freundschaft auf!

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