MUWINS-Spielesamstag: Kein Zutritt unter 18 Jahren!

Kurz bevor uns die Neuheitenflut überrollt, haben wir uns noch einmal auf die wahren Werte zurückbesonnen. „Kein Zutritt unter 18 Jahren“! Für die Spiele nämlich. All dieses moderne Gedöns mit einem Jahrgang nach 2000 musste diesmal zuhause bleiben. Ist sowas ratsam? Seht selbst…

6 nimmt

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Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen wurde auch im Oktober noch draussen gespielt. Aber wer guckt beim Spielen schon nach oben…

Benjamin: Obwohl einer der grossen Klassiker schlechthin, befanden sich tatsächlich (noch) 6-nimmt-Jungfrauen unter uns. Das musste sich schleunigst ändern! Nun ja: Yves ist ein begnadeter Wirtschaftsspiel-Zocker, 6 nimmt ist hingegen diverse Ligen zu hoch für ihn. Das zeigte sich spätestens dann, als er vorübergehend weg musste und wir ihn kurzerhand durch den Yves-Bot ersetzten (der seine Karten blind spielte). Yves-Bot hat deutlich (!) weniger Hornvieh kassiert als der echte Yves. Ansonsten ist das Spiel immer noch so gut wie früher, was sich auch darin zeigen sollte, dass es sich als roter Faden durch den Tag zog und bei jeder sich nur andeutenden Zeitüberbrückungsgelegenheit wieder hervorgeholt wurde.

Yves: Leider habe ich den Yves-Bot nicht kennengelernt. Ansonsten wüsste ich, wie man 6 nimmt gewinnt…

Matthias: Ok, ich habe mitgemacht und hatte auch Spass dabei. Das lag aber vor allem an unseren reizenden Mitspieler(innen) und weniger am Spiel selber. Mit anderen Worten: In der richtigen Runde ist jedes Spiel lustig.


Acquire

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Eine der Versionen jenes Spiels, das die Altersbegrenzung enorm locker erfüllt hat!

Benjamin: 18?? pffffffff… Acquire ist 54 und sieht – dank diverser Faceliftings – immer noch frisch aus. Hier konnte sich Yves (der echte) nun rehabilitieren und uns allesamt über den Tisch ziehen. Die Anmerkung unseres Haus-Spieleautors ist dabei nicht ganz falsch: Der Verdacht, dass Acquire möglicherweise ein Problem mit Spielerreihenfolgen hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Und wer über eine ganze Partie auch noch keine einzige Firma selber gründen kann, wird halt letzter. So wie ich. Lustig wars trotzdem.

Yves: Ich habe während der ganzen Partie nur eine einzige Firma gegründet. Diese sogar zweimal… Also gilt Beni’s „Päägg doch“-Argument nicht. Sehr realistisch ist Acquire allemal. Sonst hätte ja nicht ich gewonnen!


Die Fürsten von Florenz

Yves: Ich sage allen Neulingen immer zu Beginn einer Partie: Geld ist nebensächlich! In Florenz sind einzig die Aktionen Mangelware. Denkste!!! Ich musste sogar Punkte opfern, damit ich meinen zweiten See bauen konnte. Das führte dazu, dass ich einen riesigen Swimming Pool mein Eigen nennen durfte. Leider führte dies nicht zum Sieg. Wie immer in der aleanischen Toskana verläuft ein Spiel sehr flüssig und die Gegner liegen mit ihren Punkten sehr nahe beieinander. Jedoch gibt es kaum Interaktionen und die Fürsten gehen meiner Meinung nach viel zu lieb miteinander um…


Mississippi Queen (Black Rose)

Benjamin: Raddampfer sind wunderschön – aber um wirklich effizient vorwärts zu kommen, setzt man sich besser in ein anderes Fortbewegungsmittel. So ähnlich hatte ich auch früher schon Mississippi Queen eingeschätzt. Die schwarze Rose (auch „der Piratendampfer“ genannt) bringt zwar ein wenig mehr Pfeffer ins Spiel, unter dem Strich bleibt dann jedoch ein zwar nettes, aber ziemlich unspektakuläres (und für damalige Zeiten überproduziertes) Rennspiel. Wobei: Wieso „unspektakulär“? Martinas Sieg war durchaus eindrücklich. Wir Jungs fuhren erst ins Ziel, als sich alle von ihr aufgewirbelten Sedimente längst wieder auf dem Grund des Mississippis gesetzt hatten.


Big City

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War RICHTIG spassig. Da müssen sich die neuen Städtebauer nächste Woche in Essen mächtig anstrengen.

Benjamin: Das Gerangel um die besten Plätze beim Städtebau wird an der Spiel 2018 wieder ein allgegenwärtiges Thema – und war es auch schon früher. Big City aus dem Jahr 1999 soll 20 Jahre später in Form einer (voraussichtlich demnächst beginnenden) Kickstarterkampagne auferstehen – und das völlig zu recht. Auch wenn diesmal gewisse Leute (Spielautoren) durch erschreckende städteplanerische Inkompetenz aufgefallen sind (und nur deshalb haushoch gewonnen haben), hat Big City überzeugt und Stimmung verbreitet. Kaum etwas ist befriedigender, als den „Moloch“ (eine 2×2 Fabrik) in einen Stadtteil zu knallen, für den man selber keine Baubewilligungen mehr in der Hand hat und sich an den geschockten Gesichtern der übrigen Stadträtinnen und Stadträte zu weiden (wir haben’s natürlich mit der harten Variante gespielt, in der diese Karten nicht automatisch ersetzt werden. Wir heissen schliesslich MUWINS!). Ja, in Big City werden einmal mehr Punkte gesammelt, aber das macht hier richtig Spass!


Modern Art

Matthias: Das Versteigern von Kunstwerken hat mir auch in dieser Runde wieder unglaublich Spass gemacht. Geboten wurde bis zur Schmerzgrenze, Geschenke gab es keine und in Runde zwei hatte ich nicht ein Kunstwerk ergattern können, so sehr hatten meine zalandogeschädigten werten Mitstreiterinnen Gefallen am Einkaufen gefunden. Die neue Auflage von Oink Games ist auch vom Material her super gelungen, was ich vom Original nicht unbedingt behaupten würde. Ein Meisterwerk von Knizia ist Modern Art aber nach wie vor.

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Je später der Abend, desto hölzerner die Tische. Und die Staffeleien.

Die Siedler von Catan

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Im letzten Jahrtausend spielte man noch mit Holz und nicht mit Plastik aus China!

Matthias: Kein Spiel hat wohl die Spieleszene der Neunzigerjahre stärker geprägt als die „Siedler“. Daher war es nur gut und richtig, eine Partie des Klassikers vorzuschlagen. Es gibt wenige Spiele, welche mehr negative Gefühle erzeugen können. Man nervt sich, wenn die Würfel einfach die eigenen Zahlen nicht zeigen. Man nervt sich, wenn einem die Gegner vor die Nase bauen. Man nervt sich, wenn die Sieben kommt und Karten abgeworfen werden müssen. Man nervt sich, wenn einem Karten geklaut werden. Man nervt sich, wenn einem EINE bestimmte Ressource fehlt und niemand tauschen will. Man nervt sich, wenn bei den Entwicklungskarten immer die Sachen gezogen werden, die man im Moment nicht braucht. Man nervt sich, wenn ein Monopol gespielt wird…

Wieso man sich das antut, fragt ihr? Weil man zwischendurch auch mal Glück hat und sich am Gejammer der Mitspieler erfreuen kann. Ich glaube, Die Siedler hat mich zu einem schlechteren Menschen gemacht, da ich mich dabei am Leiden meiner Mitmenschen ergötze – ein Verhalten, welches im normalen Leben ärztlich behandelt werden würde. Packt das Ding schnell wieder weg!


Euphrat & Tigris

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Noch ist alles friedlich. Aber gleich startet Martina diverse Himmelfahrtskommandos.

Benjamin: Zum krönenden Abschluss des Tages (natürlich vor der dann wirklichen Absackerpartie 6 nimmt) durfte ich drei Neulinginnen einen meiner absoluten Lieblings-Klassiker vermitteln. #badteacher zwar, aber in Euphrat & Tigris ist es auch nicht ganz einfach, sich absichtlich zurück zu halten – vor allem, wenn eine gar euphorische Konkurrentin den Erklärbären zu ihrem Lieblingsopfer erkoren hat und sich wieder und wieder in, sagen wir, „extrem“ optimistische Revolutionen und gar ausgewachsene Kriege (deren Differenzierung fällt leichter als „innere“ und „äussere“ Konflikte) gegen ihn stürzt. Sorry, dann gibts halt mal aufs Dach. Und ansonsten: Ein Monument allein macht noch keinen Frühling – Diversifizieren nicht vergessen! Auf hoffentlich bald in der Gegend!


6 nimmt

…muss als roter Faden des Tages hier einfach nochmal erwähnt sein…

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Eine der späten Runden – mit VIEL Frauenpower!

Welche Spiele mit Jahrgang vor 2001 waren bei Euch kürzlich wieder einmal auf dem Tisch?

4 Kommentare

  1. Dass ich mal noch ein spiel gewinne …tsssss 😉
    Da konnte ich es mir doch easy leisten als mississippi queen ein bisschen übermütig zu kriegen… 😣😣 hat spass gemacht… auch wenns auf den deckel gab!

  2. Vor 2 Wochen dachte ich mir ihr wäret doch das Portal in dem auch mal über alte Spiele mit bleibendem Charme und Wiederspielreiz berichtet werden könnte – und prompt dieser Artikel, uff täääh !
    Persönlich würde ich hier gerne „Union Pacific“ ergänzen – Spiel des Jahres 1999!
    Gerade erst gestern mit einem ansonsten Spielerfahrenen aber Neuling dieses Spieles gespielt und super angekommen – direkt zweimal hintereinander gespielt!!
    Eisenbahn/Aktienspiel mit sehr einfachen Mechanismen und einer Spannung die ständig steigt, da man nicht genau wissen kann, wann die letzte Wertung tatsächlich kommt…soll ich nochmal meine bevorzugte Eisenbahnstrecke ausbauen und Aktien ziehen oder lieber doch das, was ich auf der Hand habe, schnell noch in meinen Aktienvorrat legen damit es mit in die Wertung kommt?
    Fingernägelabkauen vorprogrammiert….und massive Flüche, wenn es dann doch schiefgegangen ist.
    Es kam verschlimmbessert als Airlines Europe erst vor kurzem wieder – aber da hat man den ganzen Charme durch aufgesetzte und verkomplizierte Wertungsmechaniken und durch glatt Bügeln des Spielablaufs eliminiert! Pfffffffffff…Luft raus…

    1. Absolut einverstanden mit UP! Deswegen haben wir das (verdientermassen) in unserer Rezi zu Mini Rails auch als wegweisendes Eisenbahnspiel lobend hervorgehoben, während ein anderer, vermeintlich wegweisender Titel dort (ebenso verdientermassen) in die Tonne getreten wurde. Die Airlines habe ich mir zum Glück nie angetan – ich sehe aber, was Du meinst. Fazit: Volle Zustimmung, aber irgendwann muss auch gut sein mit Loben.. 😉

      1. Ach ja .. vermeintlich wegweisende Titel… den erwähnten…hab ich auch nach Anlesen der Regel als nicht meiner Regale würdig befunden. Mal sehen was diesmal nach Essen so alles Hochgelobte flopt.
        Zu ab 18 Nachtrag:
        Habe noch mal meinen Blick über meine alten Schätzchen schweifen lassen und kann jetzt „Condottiere“ nicht noch unerwähnt lassen. 1995 bei Eurogames herausgekommen in einer hauptsächlich mit Luft gefüllten Riesenschachtel mit einer super Metallfigur kam es später in einer Box kleiner als ein Mitbringspiel noch mal mit zusätzlichen Karten heraus. Es hat mir damals sehr viel Spaß gemacht zu bluffen, mich zu ärgern und auch die Atmosphäre die entstand übte grossen Charme auf mich aus.
        Brenne darauf es wieder zu spielen, aber schon damals wollte niemand so recht dran. Das änderte sich jedoch nach ein paar Anfangsrunden, die notwendig sind um die Karten zu kennen und damit zu taktieren. Unbedingt wiederentdecken !!

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