Essenvorschau 2018 – Teil III

Weil in Essen erneut kein Mangel an Neuheiten herrschen wird, präsentieren wir euch auch noch einen dritten Beitrag mit Titeln, die uns besonders in Auge gefallen sind. Neben diesen Spekulationen haben wir mit einigen Neuheiten auch schon praktische Erfahrungen sammeln dürfen – unsere Einschätzungen findet ihr hier.

Mehr als einen zweiten Blick wert scheinen uns…

YDwar7sWinter_3dModelsves: Dwar7s for Winter habe ich vorbestellt. Sehen die kleinen Zwerge nicht niedlich aus? Area Control als Mechanismus? Eben… Darum werde ich es ja auch kaufen. Dieses Auswahlverfahren zeigt, warum meine Liste „der noch ungespielten Staubfänger“ die umfangreichste aller Muwinser ist. Ich werde mich sicher bald bessern, versprochen!

pic4292439Stichspiele gehen immer. Daher landen Crime Hotel und TonTon in meiner blauen Einkaufstasche. Im beschaulichen Hotel „In den Bergen“ wurde ein Tourist grausam ermordet. Der Mörder befindet sich immer noch in einem der Zimmer. Der Täterkreis verkleinert sich mit der Zeit immer mehr! Wer wars? Ein Stichspiel verbunden mit einem Deduktions-Mechanismus? Das verspricht spannende Minuten. TonTon bietet der Verlag Happy Baobab gemeinsam mit dem erstgenannten Spiel an. Ein Stichspiel mit 40 Karten, einfachen Regeln und speziellem Design. Auch das sollte eigentlich passen.


Benjamin: Die Schatzinsel gehörte nach Petzi, Globi und Bussi Bär zu meinen frühesten Berührungspunkten mit Weltliteratur. In Comic-Form zwar, und natürlich blieben mir die Feinheiten der Geschichte damals verschlossen, aber der schwarze Fleck oder Long John Silver hinterliessen bleibende Eindrücke – die spätestens durch die Serie Black Sails wieder Nahrung erhielten. Und nun dürfen wir selber nach dem Schatz suchen… mit Kompass und Sextant… Arrrrrrr you kidding me?
Anmerkung an Matagot: Bringt doch bitte euer Vorbestellungs-System in Ordnung. Dass man von Hand (!) die Postadresse (!) eures Stands in Essen angeben muss, kann doch nur ein Witz sein?

Steigende Flut lässt uns grosse Hoffnungen auch in Pandemic: Fall of Rome setzen! Immerhin ist dafür, nach dem halben Splotter, diesmal kein geringerer als Paolo Mori verantwortlich, der uns schon mit Libertalia und Ethnos begeistert hat. Erstmals wird die Serie so richtig handfest, wir dürfen nämlich, ganz romtypisch, ausgewachsene Legionen ins Feld schicken um die Barbaren an unseren Grenzen zu stoppen. Rom? Legionen? Barbaren? Gekauft!

Senators erscheint 2018 in neuer, luxuriöserer Aufmachung. Da 2017 nur gerade Peter die nötige Geistesgegenwart unter Beweis gestellt hat, erhalte ich dieses Jahr endlich Gelegenheit zur Rehabilitation. Letztes Jahr hat uns das Spiel noch auf der Heimreise von Essen auf den ICE-Tischen derart mit seinen üblen Machenschaften begeistert, dass ich mir auch diesen zweiten Ausflug in römische Gefilde einfach nicht guten Gewissens entgehen lassen kann.

Trotz fortschreitendem Alter: Bunte Klötze sind immer wieder etwas Schönes. Und wenn die dann auch noch Fenster haben und obendrauf ein Dach kriegen, muss man einfach genauer hinschauen. Und wenn man das tut, kommen auf einmal persönliche, geheime Spielziele zum Vorschein und Städtebau und sowieso und ja, ich weiss auch, dass das alles eigentlich auf ein abstraktes Spiel hinausläuft und mit The Estates das Thema für dieses Jahr eigentlich schon abgehakt ist, aber… Städtebau! Dächer! Und Stockwerke mit Fenstern!

„Fischen im Golf von Mexiko“ ist im Vergleich zu Städtebau nun nicht unbedingt das Thema, das uns extremst hinter dem Ofen hervor lockt. Aber irgendwie hat sich der wohlklingende Titel Captains of the Gulf in meinem Gehörgang verfangen und wird nun regelmässig wieder an die Oberfläche gespült. Der Verlag Spielworxx lässt uns ja auf jeden Fall einen komplexeren Titel erwarten, und so betrachtet, ist das Thema gerade absurd genug, dass es uns schon wieder interessiert.

Was wir an der Spiel neben den vielen persönlichen Kontakten besonders schätzen ist, dass diverse Aussteller vor Ort sind, zu deren Waren man sonst nur schwer Zugang erhält. Taiwan gehört diesbezüglich definitiv zu den Herkunftsländern, die uns aufmerksam werden lassen. Und dann schaut man sich das wunderbare Design genauer an, informiert sich kurz, wie das Spiel so läuft, sieht grosszügig über die sprachlichen „Besonderheiten“ der Spielanleitung hinweg (die aber dennoch prima verständlich ist), lässt sich gleich mal ein Exemplar beiseite legen und freut sich schon jetzt, in Vita Mors den Pestdoktor geben zu dürfen.


pic4254462.jpgEtienne: Es braucht oftmals gar nicht allzu viel – wie zahlreiche kooperative Partyspiele schon bewiesen haben. Eine Sanduhr, ganz viele Karten, die umhergetauscht werden müssen und ein Code, der geknackt werden will. X-Code klingt nach einem schlanken Spielchen für Zwischendurch, vor allem auch für Gelegenheitsspieler.

pic4278320.jpgUnd dann wird sich in diesem Jahr wohl ein Besuch bei Upper Deck Games & Collectibles lohnen: Legendary Encounters: The X-Files… Wirklich? Muss denn mehr gesagt werden? Obwohl ich tatsächlich selber nicht weiss, ob denn ein zweites Legendary in der Sammlung überhaupt notwendig ist. Sagen wir doch einfach mal ja…?

pic3970699.jpgVor allem gespannt bin ich aber auf Marvel Contest of Champions. Ein King of Tokyo mit Superhelden! Ich hoffe nur, dass die zusätzliche Komplexität nicht allzu unnötig daherkommt und den Witz vollkommen aus dem Spiel prügelt. Sich mit Thor und co. auf den exotisten Planeten auf die Birne zu geben, macht doch in den meisten Farben und Formen Spass. Mein Interesse hat das Spiel.


 

Detectiv clubMatthiasDetective Club: Wer hier an das Lösen von kniffligen Kriminalfällen denkt, liegt falsch. In Wahrheit haben wir es mit dem Kind von Dixit und Dreams zu tun. Es geht darum, Bilder zu bestimmten Begriffen auszulegen, allerdings hat eine Person am Tisch keine Ahnung, welcher Begriff aktuell gemeint ist. Dieser „Verschwörer“ muss möglichst schnell erahnen, worum es geht – ohne dass er selber erwischt wird. Die „Detektive“ versuchen natürlich, den Ahnungslosen am Tisch zu entlarven. Während bei Dreams die Spielrunde manchmal recht Schweigsam ihre Sternbilder baut, darf und soll in Detective Club mehr diskutiert werden. Die Spielenden müssen nämlich die Gründe für das Legen ihrer Karten erklären. Ich höre schon das Gestammel der Verschwörer…

factory funnerFactory Funner scheint mir ein witziges Legespiel zu sein. Es gilt, funktionierende Maschinen zu bauen, die irgendwelche farbige Flüssigkeiten produzieren sollen. Der Witz ist, dass jede Runde eine weitere Maschine in die Bestehende eingebaut werden soll und zwar möglichst ohne allzu viele Rohre bauen zu müssen, diese kosten Geld, was logischerweise ungünstig ist. Die Auswahl der Maschinen erfolgt unter Zeitdruck und gegen unsere Mitspieler. Allerdings werden langsamere (oder geduldigere?) Möchtegerningenieure mit einem Bonus belohnt. Das Spiel ist zwar nicht neu, allerdings ist der Verlag laut deren Aussage zum ersten Mal in Essen und man läuft ihren Spielen hierzulande nicht einfach so über den Weg…. das zählt also als Neuheit.


Die folgenden Spiele schienen uns vielversprechend, nach einem zweiten (völlig subjektiven) Blick gilt aber: Nein – leider dann doch eher nicht….

Yves: King’s Struggle, Doppelgänger und SEAL Team Flix sehen auf dem ersten Blick alle toll und spannend aus. Unsere Erfahrungen mit den Veröffentlichungen von WizKids zeigen jedoch, dass der Verlag seine Spiele häufig ungeschliffen auf dem Markt bringt: Banishing ist ein spannender Co-Op Dungeon Crawler, das Design ist aber so was von hässlich! Empires ist vielversprechend, kann sich von der Masse nicht abheben (vom Titel spreche ich gar nicht). Tournament at Camelot sieht auf dem ersten Blick phantastisch aus und wartet für das Genre der Stichspiele mit neuen Ideen auf, schlussendlich ist es jedoch zu chaotisch, zu beliebig und grundsätzlich zu langweilig. Diese Erfahrungen haben uns gezeigt, dass der Essen-Besucher mit WizKids vorsichtig sein muss. Daher landen vorerst alle ihrer Veröffentlichungen für die diesjährige Messe auf der „… leider dann doch eher nicht“ Liste.



Benjamin
: Ich will ja in dem ganzen Blackout: Honkong-Mega-Hype niemandem die Vorfreude verderben und gebe gern zu: Das Cover sieht angenehm „erwachsen“ und attraktiv aus. Ausserdem wird niemand abstreiten, dass die Überraschung eines unerwarteten „grossen“ Pfisters gelungen ist und Interesse weckt. Und dann liest man sich in die Spielregel ein und erfährt, dass es diesmal nicht um bunte Kühe, sondern um bunte Klötzchen geht, die verschiedene (auszuwürfelnde) Ressourcen darstellen. Ein wirkliches Thema findet man auch nirgendwo so richtig (warumwiewowas?). Und dann ist man irgendwie enttäuscht. Und ausserdem trägt es im Titel einen Städtenamen

Eigentlich haben wir ja ein überaus grosses Herz für historische Spiele. Und als Protagonisten im amerikanischen Bürgerkrieg haben wir uns schon vor Jahrzehnten mit Sid Meier’s Gettysburg am Compi die Nächte um die Ohren geschlagen, von den ganzen Büchern ganz zu schweigen. Am Thema liegt’s also nicht, an Martin Wallace EIGENTLICH auch nicht – ausser eben in diesem Fall ein klein wenig. Mit dem Verlag PSC haben wir bisher … sagen wir mal äusserst „gemischte“ Erfahrungen gemacht. Und nun bringt der einen Wallace heraus, der auf A few Acres of Snow beruht – von dem sein Papa eingestanden hat, dass es mit dem „Halifax Hammer“ unrettbar „broken“ sei. Laut PSC soll das Problem bei Lincoln behoben sein – nur stammt das Lincoln-Design, laut Aussage von Martin Wallace selber, noch aus der Zeit VOR den verschneiten Ländereien. Ausserdem wurden noch während der Kickstarterei Wege gefunden, wie der Süden im Nullkommanix den Bürgerkrieg gewinnt. Wir trauen der Sache irgendwie nicht so ganz…


EquityMatthias: Equity schien auf den ersten Blick eine Trouvaille abseits des Massenmarkts zu sein. Die Holzbox, das monopolyartige Geld und die Interaktion hätten wunderbar zu einem Spiel rund um den Aktienmarkt gepasst. Bis ich gesehen habe, auf welche Art und Weise die Spieler quasi zu ihren Dividenden kommen: Man würfelt einen D6 und multipliziert die Augenzahl mit seinen Aktien… Vielleicht ist würfeln thematisch passend, wenn es um Aktien geht – spielerisch sehe ich darin den Reiz nicht. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass das Geld über Sieg oder Niederlage entscheidet. Schade.

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2 Kommentare

  1. Hiho, versuche gerade meine Liste wieder etwas einzudampfen. Was eure Vorschläge nicht einfacher machen!
    Liege momentan bei 300 € für die „Must haves“ und dann sind da noch soviele auf „Interessant“ …naja.
    Was bei mir noch in die Tüte kommen wird ist die Erweiterung zu Scythe „The Rise of Fenris“ und „Shadows: Amsterdam“.

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