Essenvorschau 2018 – Teil II

Weiter geht es mit Titeln, die uns besonders aufgefallen sind oder beachtenswert erscheinen. Wie immer übernehmen wir keinerlei Garantien – schliesslich gucken wir in vielen Fällen auch nur in die Kristallkugel!

Mehr als einen zweiten Blick wert scheinen uns…

Yves: Es sollte dem Leser längstens bekannt sein, dass ich unsere eigenen Regeln der Top-Listen eher als Guidelines verstehe. Beispielsweise regt sich Beni immer noch auf, wenn er meine Würfel-Auswahl liest…

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In Essen werde ich einen Grossteil meines Budgets für das spektakuläre Warhammer Underworlds: Shadespire ausgegeben. Das Grundspiel, die Schar der Helden, Barbaren, Skelette, Krieger oder was es sonst alles gibt, müssen gekauft wurden. Und da sicher irgendeine Meute erst dieses Jahr in den Krieg gezogen ist und somit als Essen-Neuheit gelistet wird, habe ich nur ganz wenig geschummelt!

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Gib mir gleich alle!

Anfangs war ich skeptisch gegenüber Keyforge. Ein Sammelkartenspiel ohne persönliches Deckbuilding? Die Decks können nicht selber zusammengestellt werden? So ein „Chabis“, denkt sich der langjährige Magic-Zocker. Meine detaillierte Prüfung der Sachlage zeigt jedoch ein anderes Bild: Keyforge wird der Wahnsinn! Ich kaufe mir das Grundspiel und sicher mindestens 5 weitere Decks. Einen Favoriten habe ich schon… Die Aliens muss ich einfach haben. Es kann gut sein, dass hier ein Klassiker das Licht der Welt erblickt. Dies darf ich ja nicht verpassen!

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Champions of Midgard kaufe ich sicher nicht in Essen, das lasse ich mir lieber direkt nach Hause liefern. Ich habe die deutsche Version mitgeschmiedet. Grund war einzig folgender Eindruck: Technisch ähnlich wie Lords of Waterdeep, gespickt mit einem spannenden Thema. LoW brilliert in erster Linie mit seinen sehr verständlichen Mechanismen. Leider liess mich die Geschichte relativ kalt. Ich wandelte einfach orange und violette Würfel in Punkte um. Irgendwie ist das jedoch gleichwohl sehr spannend (warum kann ich kaum erklären, Etienne, hilfst du mir?). Diese tolle Klötzchenschieberei soll nun sogar thematisch rüberkommen? Falls ja, juchze ich voller Freude, falls nein, ist Champions of Midgard schnell wieder verkauft.

GMTournament at Camelot habe ich in diesem Monat, knapp ein Jahr nach Essen 2017, endlich gespielt. Die erste Partie war recht lustig, die zweite sehr öde, gleichzeitig zu chaotisch und zu lang. Hinzu kommt noch, dass man kaum selber Entscheidungen treffen kann. Ich habe das Tournament Peter geschenkt. Der rahmt die schön aussehenden Bilder ein oder klebt sie in sein Tagebuch oder was weiss ich… Warum ich euch diese Geschichte erzähle? Meine Sammlung hat ein Stichspiel verloren. Sowas geht gar nicht. Daher: ToC raus und Gorus Maximus rein. Nach meiner Regelkunde bin ich guten Mutes, dass der Kampf im Kolosseum um einiges spannender wird. Blutig sieht es jedenfalls aus. Das passt also hervorragend zu uns!


Benjamin: Handelt es sich lediglich um einen weiteren Mythos, der im Vorfeld der Spiel durch die sozialen Medien geprügelt wird? Cryptid hat nicht nur mein Aufsehen erregt, sondern ist fast so allgegenwärtig wie seinerzeit Nessie oder Yeti! Auch wenn man das Spielprinzip bereits aus Tobago kennt und sich das originelle Thema (leider) kurz nach dem Öffnen der Schachtel im (für Osprey ausnahmsweise) eher mittelmässig attraktiven Spielmaterial auf Nimmerwiedersehen verabschiedet: Ein gutes Deduktionsspiel ist nie zu verachten – und gut soll Cryptid tatsächlich sein. Aus den kombinierten Informationen aller Kryptozoologen ergibt sich der eindeutige Standort des gejagten Wesens – wer das Vieh findet, darf es behalten.

Rebel Nox ist ein Stichspiel (die gehen eigentlich sowieso fast immer) – mit unsicheren, wechselnden Allianzen. Als Rebellen oder Loyalisten scharen wir möglichst viele Anhänger um uns. Zu Beginn einer Runde stehen wir zwar öffentlich zu unserer Gesinnung, aber erst wenn ein Durchgang endet und alle Stützpunkte erobert wurden, ermitteln wir, ob es unterwegs allenfalls zu Überläufen kam. Danach wird geprüft, ob eines der Teams durch seine kombinierte Anhängerschaft den zum Spielsieg benötigten Rückhalt in der Bevölkerung geniesst. Falls ja: Bravo – andernfalls geht’s in eine neue Runde. Nach 20 bis 30 Minuten soll Schluss sein – genau die richtige Dauer also für einen kleinen, (hoffentlich) cleveren Filler.

Ein Miniaturenspiel von (unter vielen anderen) Brass-Vati Martin Wallace? Und auch noch von einem Verlag (Osprey), der uns ansonsten schon mit ungewöhnichem Material begeistert hat (was bei Cryptid eingespart wurde, liegt offenbar hier einfach so in der Wildnis herum)? Wildlands trifft uns ja eher unerwartet, und auch wenn lange nicht jeder Wallace-Titel ein Volltreffer ist: Irgendwie ungewöhnlich sind sie immer. Passt also. Dann mal her mit den Figürchen!

Eigentlich hab‘ ich ja meine Beobachtungsliste prinzipiell für alle Titel gesperrt, die lediglich als Demo in Essen sein werden. Es ist ja nicht so, dass man mit dem Aussortieren der tatsächlich erhältlichen Spiele extremst unterbeschäftigt wäre. Doch auf einmal kam mein Wegklickautomatismus ins Stocken: Europe Divided (von Phalanx – ja, auf den Einlauf unseres U-Boots warten wir auch schon gespannt, und Hannibal war sowieso prima) beginnt mit dem Ende des kalten Krieges und endet um 2019, behandelt die Beziehungen zwischen Europa und Russland, müsste dabei naturgemäss also zeitgenössische politische Themen aufgreifen (als Eidgenosse hat man da ja quasi den Blick aus der ersten Zuschauerreihe). Noch nicht mal ein Schachtelbild gibt’s, aber spannend klingt’s! Dann gucken wir uns die Demo halt ausnahmsweise mal an…


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Etienne: Wieder einmal ein reines 2er-Spiel. In der postapokalyptischen Welt Ressourcen sammeln, Söldner losschicken und dabei stets den Kraftstofftank des Trucks im Auge behalten – der übrigens eine Sanduhr ist. Kero von Hurrican sieht hübsch aus und macht Lust auf mehr…

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Endlich ist es soweit: UBOOT: The Board Game steht nicht nur zum testen da, sondern bringt auch gleich ein Preisschild mit. Ich hoffe nur, dass das Spielgefühl auch mit dem Material mithalten kann. Denn UBOOT sieht bombastisch aus. Und kooperativ und in Echtzeit ein U-Boot durch die sieben Weltmeere steuern… was will man mehr?

Whuuuuuaaaat!?!?!?! Ultimate Werwolf Legacy… Sign me up please… einfach nur weil ich gespannt bin, wie das funktionieren soll… (ich hoffe nur, dass der Moderator noch irgendwie technisch ersetzt werden kann…)

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Matthias: Dungeoncrawler? „Check“. SciFi-Thema à la Half-Life? „Check“. Alone trifft thematisch meinen Geschmack zu gut, als dass ich einfach vorbeigehen könnte. Gewiss ist das Erlebnis für den Spieler, der alleine gegen die Mächte des Bösen antreten muss, toll. Leichte Zweifel plagen mich noch, ob die „Masterminds“, welche hier für einmal gemeinsame Sache machen, das ganze Theater auf dem Tisch auch lustig finden oder sie nur diejenigen sind, die für die Requisiten und das Hübschmachen der Bühne sorgen.

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Forbidden Sky: Ganz ehrlich: Eine Überraschung erwarte ich hier nicht. Vier Aktionen durchführen und dann die Karten für das Spiel abhandeln. Allerdings gefallen die kooperativen Spiele von Pandemie-Vater Matt Leacock meinem Nachwuchs super und darum wird der neue thematische Aufguss eingepackt. (Falls das Spiel überhaupt nichts taugen sollte, habe ich immerhin Anschauungsmaterial für das Bauen eines elektrischen Schaltkreises.) Blinkblink….


Die folgenden Spiele schienen uns vielversprechend, nach einem zweiten (völlig subjektiven) Blick gilt aber: Nein – leider dann doch eher nicht….

ManitobaYves: Ach, wie habe ich das geliebt. Sonntagnachmittag, gemeinsam mit der Familie die Winnetou-Filme anzuschauen. Ich fand es so was von schade, dass es im Sensebezirk keine Indianer, keine Totempfähle, keine Cowboys und keine wilden Pferde gab. Ich weiss noch wie wütend und traurig ich war, als mein geliebtes Vorbild, unser Winnetou, sich für den langweiligen Old Shatterhand geopfert hat. Mein Herz ist zerbrochen! Als ich vor einigen Tagen das bezaubernde Cover von Manitoba gesehen habe, erstrahlte mein Gesicht! Endlich, nach unzähligen Jahren des Wartens, endlich darf ich meiner Indianer-Bestimmung nachgehen: Ich darf einen grimmigen Krieger, einen weisen Häuptling, eine entdeckungsfreudige Squaw oder einen zielsicheren Bogenschützen verkörpern. Was wurde ich aber enttäuscht! Ein reiner Ressourcensammler! Der Krieger kämpft nicht, sondern begibt sich nur auf dem Pfad ders Krieges… Das können gerne andere Leute kaufen. Ich lasse dies lieber sein und kaufe mir weitere Keyforge-Decks.


Benjamin: Hmmmm… nachdem sich nun doch so einiges wieder aus meiner zwischenzeitlichen Liste verabschiedet hat, darf ich vielleicht zusammenfassen: Social Deduction steht bei mir weiterhin hoch im Kurs – allerdings nun wirklich nicht um jeden Preis. Zuviel des Guten ist meist… nun ja… zuviel des Guten. KISS, Leute! Eine zündende Idee ist besser als fünf lasche. Ausserdem bin ich weder an Hunderten von Aktionskärtchen mit Schriftgrösse 6.5 (man wird nun mal nicht jünger) interessiert, noch an einer möglichst ausschweifenden Anzahl von Punktequellen oder Ressourcentypen, die sich alle irgendwann irgendwie umrechnen lassen. Aber das ist ja nun wirklich nichts Neues – kommt mir also in Essen nicht mit „ihr hättet’s nicht gewusst“, liebe Verlage!


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Etienne: Ich finde, der Begriff Sandbox gehört in die Welt der Videospiele und hat leider in der analogen Unterhaltung nichts verloren – das hat mich bereits Firefly gelehrt. Natürlich, Western Legends hat durchaus seinen Reiz, sieht gut aus und bringt mich sicherlich auch für eine Testpartie an den Tisch. Dass ein Brettspiel aber tatsächlich das Gefühl von „do whatever you want“ vermitteln kann, bezweifle ich weiterhin. Ich erwarte stattdessen: Hier hast du zwei oder drei Strategien, wähle eine aus. Daher wird es wohl auch für Western Legends unmöglich sein, die wahren Sandkasten-Erwartungen zu erfüllen. Meine Meinung…

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