MUWINS-Spielesamstag: Nieder mit der Pile of Shame!

Natürlich ist man als mental mehr oder weniger angeschlagener Spielefan immer auf der Suche nach dem neusten Superknaller mit noch ausgefeilterer Mechanik… muss dann aber doch oft feststellen, dass ältere Titel zu unrecht kaum noch beachtet werden, weil sie die Sache mit dem Spielspass eigentlich mindestens ebenso gut oder gar besser hingekriegt haben. Und dann gibt es da noch die Kategorie jener Spiele, die gar nicht erst die Gelegenheit erhalten, ihre Qualitäten zu beweisen und stattdessen kurz nach ihrer Adoption in der Spielelagerhalle im Spielregal vergessen gehen. Doch damit sollte endlich Schluss sein! Das Motto dieses Spielesamstags war: Nieder mit der Pile of Shame! Die meisten haben sich dran gehalten…

Lovecraft Letter

Foto 05.08.18, 13 46 42Benjamin: Gleich ein Regelbruch zum Auftakt? Ja, denn Lovecraft Letter hatte bereits früher einen ersten Auftritt bei uns. Der Grund war, dass wir ansonsten keine „warteschlaufetauglichen“ Spiele aus unseren Schandstapeln dabei hatten. Und die Wartezeit bis zum Erscheinen des restlichen Personals zu verkürzen, ist genau die Funktion, die dieses Spielchen hervorragend erfüllt.

Peter: Die Wahnsinnsmechanik ist eine spassige und willkommene Neuerung im Vergleich zum originalen Love Letter. Sie macht diesen kurzweiligen Filler noch unterhaltsamer, ohne ihn dabei unnötig aufzublähen. Und das sage ich als bekennender Mythos-Fan gänzlich, oder zumindest so gut wie gänzlich ohne aufgesetzte, cthulhugrüne Brille.


Inis

Matthias: Beim Reduzieren des Pile of Shame meiner Mitmenschen helfe ich doch gerne, auch wenn das bedeutet, dass ich schon bekannte Spiele nochmals spielen „muss“. Yves hat einen frühen Sieg angestrebt, wurde aber mit der letzten Karte von Martina gestoppt. Der aufopferungsvollen Mitstreiterin hätte ich eigentlich ein Bier bezahlen müssen, hat sie mir doch den Weg zu meinem glorreichen Triumph geebnet. Der „Pace“ in Inis gefällt mir jedes mal. Die Züge gehen flott voran.

Yves: Inis lag auf dem Stapel von Marco. Matt und ich bezeichnen uns jedoch eher als Veteranen des Spiels. Deshalb machten wir den Sieg auch unter uns aus. Die beiden Anfänger haben gesehen, dass die Barden relativ wichtig in Irland sind. Meine tollen Siege müssen ja von jemandem besungen werden!


Princes of the Renaissance

Foto 05.08.18, 13 46 30Peter: Vom für heutige Standards klein und nicht sonderlich üppig anmutenden Spielbrett sollte man sich nicht abschrecken lassen – wir haben es hier mit einem ganz feinen, clever verzahnten Strategiespiel zu tun. Meine war eigentlich ganz einfach: Ich setzte auf eine offensiv ausgerichtete Söldnertruppe und war damit fast immer zur Stelle, wenn irgendjemand irgendwo zum Angriff blies. Dass sich die gegnerischen Fürsten kaum einmal einigen konnten, wenn es um die Verteidigung der für sie wichtigen Städte ging, spielte mir noch zusätzlich in die Karten. Gerne wieder mal.

Benjamin: Von sechs Familien investierten ganze drei in Rom – allerdings war nicht eine von ihnen dazu zu motivieren, sich für die ewige Stadt so richtig ins Zeug zu legen. Wo Kriegsgurgel Peters Armee auftauchte, liess sie hingegen keinen Stein auf dem anderen! Von Sieg zu Sieg eilend, und dabei immer die richtigen Städte unterstützend, pushte er Mailand an die Spitze Italiens, und da er nicht nur massiv dort investiert hatte, sondern dank seiner regelmässigen militärischen Engagements über unermessliche Reichtümer verfügte, liess er uns alle (mit Ausnahme von Andreas, der ebenfalls milanös ausgerichtet war) in der Kloake zurück. Ein typischer Wallace mit schönen Mechanismen und allenfalls nur um einen Tick zu langer Spieldauer. Princes of the Renaissance wurde zu Recht aus der Pile of Shame gefischt.


Cry Havoc

Foto 05.08.18, 23 46 39Yves: Für Cry Havoc mussten wir unsere Pile of Shame Regeln ein wenig dehnen. Es war tatsächlich das erste Mal, dass die DEUTSCHE Fassung auf dem Tisch landete. Die Troggs starteten wie die Feuerwehr, die Pilgrims wollten den Planeten York bereits wieder früh verlassen, die Menschen hatten keine so wirklich gute Strategie und die Maschinen bombten am Ende alles weg und haben die Herrschaft des gastfreundlichen Ortes gewonnen. Natürlich verdienterweise!

Matthias: Wieder einmal hatte ich einen recht guten Start erwischt. In Runde zwei waren schon alle meine Soldaten auf dem Feld. Irgendwie konnte ich im Endspiel aber nicht durchstarten. Die Trogs konnten punktemässig noch aufgeholt werden, leider hatten sich die Maschinen unter der Leitung der KI „Yves 1.0“ schon alle wertvollen Territorien gesichert, so dass vor allem die letzte Wertungsrunde und damit die ganze Partie an letztere gingen. Bravo, ein Sieg mit den Maschinen kam bisher noch nicht allzu oft vor. Die Pilgrims warten weiterhin auf einen Pokal…


CO2

Foto 04.08.18, 18 11 31Matthias: Die vielen Symbole und Zusammenhänge erschliessen sich etwa nach einer Runde. Da war es in unserer Partie aber schon fast zu spät – die CO2-Konzentration in der Atmosphäre war auf gefährlich hohem Niveau und führte in der letzten Runde dann auch zu einer Niederlage aller Beteiligten. Zu fünft hat man immer nur zwei Aktionen, was mir etwas zu wenig scheint. Bei einer Partie zu viert wäre ich sicher nochmals dabei und ein Urteil würde ich mir erst dann bilden.

Benjamin: CO2 durchlief  bei mir als Vorbereitung einige „Solo-Dreierpartien“. Wie Matt schreibt: Die Aktionen und Symbole erschliessen sich einem recht schnell und sind kein Problem. Schwieriger waren die vielen Kohlekraftwerke, die uns von Anfang an das Leben schwer machten. Da in der ersten Runde kein einziges sauberes Kraftwerk gebaut wurde, war das Spiel für die Erde praktisch schon gelaufen (obwohl wir zwischenzeitlich dann doch noch ein Hoch verbuchen durften). Zu fünft wird aus dem eigentlich semi-kooperativen ein so-gut-wie vollkooperatives Spiel, ansonsten sieht man sich rasch auf dem Mars wieder. Mit kleineren Spielerzahlen geniesst man etwas mehr Bewegungsfreiheit – und das ist deutlich besser. Gern wieder. Zu dritt. Oder zu viert.


Cutthroat Kingdoms

Foto 04.08.18, 21 42 08Matthias: Sich gegenseitig auf die Mütze geben, verhandeln und verraten klingt gut und ein solches Spiel liegt normalerweise in meiner Wohlfühlzone. Leider erscheint mir das Spiel nach dieser Partie aber nicht gut ausbalanciert. Die Events sind krass unausgeglichen und können einen Spieler reich machen oder ihn gänzlich vom Spielplan entfernen. Das hat mit Strategie nichts zu tun. Geld ist klar besser als Edelsteine und die Hirelings lassen die Söldner um Längen hinter sich. Dazu kommt, dass ich in einer Partie zu fünft, die notabene zwei Stunden gedauert hat, genau vier mal am Zug war! Selbst zu verteidigen gab es während der Züge meiner Gegenspieler nichts! Meine Niederlagen kamen vor allem durch „Hirelings“ zu Stande, die meine Gebiete kurzerhand leer räumten. Auch vom Verhandlungsaspekt war ich enttäuscht. In der Praxis gab es fast keine Absprachen. Schade.

Benjamin: Cutthroat Kingdoms wartet mit schönen Ideen auf – und macht diese dann leider gleich wieder mit unausgewogenen Effekten und zweifelhaftem Design zunichte. Warum sollte irgend jemand Edelsteine sammeln, wenn schnöder Mammon doch in jeder Situation die bessere (sprich sowohl sicherere wie auch punktebringendere) Wahl ist? Warum sollte jemand in die Verteidigung eines Landstrichs investieren, wenn die deutlich zu starken Effekte anderer Karten anwesende Soldaten einfach pulverisieren? Und wer in gleich drei von vier (!) Runden direkt nach einem Eroberungsfeldzug von Fortuna in Form von Ereigniskarten derart mit Naturalien überhäuft wird, wie Kriegsgurgel Peter, der schafft es sogar, Mailand zur Hauptstadt Italiens zu krönen.

Peter: Man könnte ja jetzt meinen, da hätte gerade Benis gekränkte Seele ob seiner beiden nicht gerade optimal verlaufenen Samstagskampagnen gesprochen. Aber ich muss ihm und Matt auch recht geben: Die Heuerlinge und auch die Ereignisse sorgen hier für eine äusserst chaotische und unberechenbare Angelegenheit, nebst einigen weiteren Unausgewogenheiten. Mag sein, dass die Idee des Autors war, diesem Umstand mit den zu jedem Zeitpunkt möglichen Verhandlungen entgegen zu wirken. Aber dafür ist Cutthroat Kingdoms dann bei den Muwins in den falschen Händen: Wer uns kennt, weiss, dass wir uns nur ungern auf Deals einlassen, wenn wir ohnehin am stärkeren Hebel sitzen. Und für ein lustig-albernes Take-that-Spiel dauert es wirklich zu lange, zumindest mit fünf Spielern.


5 Kommentare

  1. Hiho, kommen die Muwins auch zu einem nach Hause? Eine Pile of Shame Tournee? Hätte da einige angestaubte, ungespielte Schätzchen rumliegen – Maka Bana, Struggle of Empires, Dogs of War…

    1. Maka Bana könnte ich sogar erklären… das habe ich vor vielen Jahren zwei/dreimal gespielt. Da muss man den Zug des Gegners erahnen um ihm beim Hüttenbauen zu stören.

  2. Sehr gerne… In Kleinbösingen gibt es noch günstiges Bauland. Können das also gerne in 2 Jahren bei dir zu Hause machen! Dogs of War interessiert mich.

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