10 Phrasen, die uns auf den Geist gehen!

Brettspiele sind nicht nur die Lösung aller Probleme, sie machen auch einfach Spass. Meistens. Es gibt dabei aber auch Dinge, die nerven. Hier deshalb eine (halbwegs) ernst gemeinte Liste von Aussagen, die wir so nicht mehr hören/lesen möchten!

1. „Ach, sowas wie Monopoly?“

hindenburg.jpgFangen wir mit etwas Einfachem an. Eine mögliche Antwort an die vorwitzigen Muggel wäre etwa: Ach, du fliegst noch mit der Hindenburg nach Mallorca?

Wenn wir ehrlich sind: Ja, die Frage nervt zwar, weist dabei aber gleichzeitig auf ein möglicherweise noch formbares Hirn und potentielles weiteres Opfer im Zug der bevorstehenden Errichtung einer heilbringenden, brettspielerischen Weltherrschaft hin. Je nach Laune verzeihen wir diese Frage deshalb ausnahmsweise mal.

2. „Das ist soooo kompliziert“

skullEcht jetzt? Du legst Karten ab und deckst Karten auf, wenn du die Bietrunde gewinnst! Wenn dir das zu kompliziert ist, dann würfel‘ dich halt weiter im Kreis herum!

An alle Muggel, die bereits nach dem ersten Satz abwinken und herumnölen, wie kompliziert das alles sei – also nicht willens sind, auch nur ein Minimum an kognitivem Aufwand zu leisten, um sich der künftigen Weltherrschaft zu unterwerfen: Ihr nervt!

3. „Legt das Spielbrett mittig auf den Tisch“

tisch.jpgLiebe Regelschreiber/Spielverlage, sogar Spielemuggel haben das Konzept, dass sich Brettspiele nun einmal mehrheitlich auf einem Tisch abspielen, verinnerlicht.

Aber ok, man kann ja mal auf ganz sicher gehen. Nur: dann auch noch genau „mittig“?? Was, wenn Parcival und Mordred eine Runde Monopoly (Cheaters Edition) spielen möchten? Die kommen dann gar nicht ans Spielbrett, ohne die ganze Tafelrunde andauernd zu behelligen! Traut doch den Leuten zu, dass die schon wissen, wie man ein Stück Karton so hinlegt, dass es alle angucken können.

4. „Der Spieler mit dem längsten Bart beginnt“

codenamesLiebe Verlage, wenn ihr euch nun schon bessern wollt, wie ihr es gerade versprochen habt: Lasst doch bitte die Kindereien auch in den Anleitungen bleiben.

Wer wirklich (!) lustige Regeln lesen will, darf sich gern jene von Space Alert oder Galaxy Trucker herunterladen. Ich möchte gar nicht wissen, wie gewisse Regelschreiber bei Codenames: Deep Undercover den Startspieler bestimmen würden (und ja, auch Teeniehumor ist hier fehl am Platz)!

5. „Geld ist in diesem Spiel sehr knapp“

moneyHäufiger in der englischsprachigen Version als herausragende Eigenschaft eines Spiels anzutreffen: „Money is very tight in this game“.

Sorry, guys, aber das gilt für 95% aller Spiele – und ja, dadurch werden sie erst zu guten Spielen (im Gegensatz zu den restlichen 5% – wie beispielsweise Monopoly).

6. „Wer die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel“

punkteIch weiss, ein frommer Wunsch, aber dennoch: Gebt uns doch auch mal wieder richtige Spielziele. Sogar Brettspieler sind nämlich im Allgemeinen emotional stabil genug, um ein nicht erreichtes Ziel psychisch zu verkraften. Mit der „Ihr-wart-alle-irgendwie-gut-weil-ihr-mehr-Punkte-habt-als-vor-dem-Spiel“-Mentalität können wir uns nicht so richtig anfreunden. Wir sagen nicht, dass jeder Punktezähler schlecht sein muss – alles was wir uns wünschen ist öfter mal was Anderes!

7. „Komm, wir fangen doch einfach mal an…“

päägg dochNEIN! Denn DU, ja genau DU wirst es sein, der bei erster Gelegenheit „das hat mir aber niemand erklärt“ päägget. Wenn sich schon jemand die Mühe macht, euch lesefaulem Spielergesindel eine Regel zu erklären, dazu das Regelheft studiert, in einschlägigen Foren nach Regelfragen gesucht, Erklärvideos angeschaut und sich intensive Gedanken zu einer möglichst sinnvollen Erklärstruktur gemacht hat, dann HALTET EINFACH DIE KLAPPE und HÖRT ZU!

8. „Und was passiert, wenn…“

nerd.pngDa du zum faulen Spielergesindel gehörst, darfst du die Entscheidung, welche Sonderregel du kennen musst und welche gerade nicht sooo relevant ist, weil sie nur alle 132’435’213 Partien einmal vorkommt, getrost dem Erklärbären überlassen.

… und bitte unbedingt die detaillierte Handlungsanweisung unter Punkt 7 befolgen!

9. „Ich hab die Regel schon mal gelesen…“

erklbaer.jpgUnd deswegen fühlst du dich zum Erklärbären berufen? Wer schon einmal die Tortur über sich ergehen lassen musste, eine Spielregel praktisch 1:1 aus dem Regelheft vorgelesen zu erhalten, weiss, wovon ich spreche. Das ist der Moment, bei dem euch ein vergessener, dringender Termin, alternativ auch ein gut gespielter medizinischer Notfall gerade noch so vor dem Schlimmsten bewahren kann.

10. „Für 1 bis 16 Spieler“

unendlich.pngLiebe Verlage, wir wissen, dass man gemeinsam eine Figur steuern oder ganz einfach Entscheidungen zusammen mit mehreren Leute treffen kann. Aber nur, weil mir meine gebündelte Verwandtschaft in Erinnerung ruft, wie bescheuert mein letzter Zug mal wieder war, wird aus eurem Zweiertitel noch lange kein Grossgruppenspiel. Ich meine beispielsweise dich, Rebellion. Andererseits braucht auch nicht jeder Titel NOCH eine Erweiterung, mit noch höheren Spielerzahlen und dadurch noch längeren Wartezeiten. Ja, ich weiss, dass das manchmal auf das Konto einer Fangemeinde geht, die lautstark und unwissend nach mehr verlangt. Aber letztlich seid ihr verantwortlich und solltet Vernunft walten lassen. Also lasst das doch einfach bleiben, danke.


Und als Bonus:

11. Kindische / Immer gleiche Schachtelcover

automania.jpgKeine Phrase, aber nicht weniger nervig! Wer sich nur allzu gern Kulturgut schimpft, sollte auch etwas dafür tun. Ware ab Stange hinterlässt da einen fahlen Nachgeschmack. Die zündende Idee mit dem einen Herrn, der uns vor städtischem Hintergrund entgegen blickt, wäre bitte jetzt dann auch mal definitiv von gestern.  Und da man auch das in gewissen Kreisen immer noch präsente Vorurteil „Spielen ist nur etwas für Kinder“ gern – und zu Recht – von sich weist, sind auch allzu niedliche, bunte, an Süsswarenpackungen erinnernde Cover in den allermeisten Fällen unpassend, vor allem, wenn sich darin ein recht knackiges Spiel verbirgt (wir schauen dich an, Automania!). Was gar nicht geht, sind übrigens amateurhaft gestaltete Coverbilder. „Kunst“ kommt von „können“ – würde „wollen“ genügen, würde sie „Wunst“ heissen! Man kann von Time Stories als Spiel halten, was man will, so oder ähnlich sollten Spielecover im 21. Jahrhundert aussehen. Aber nicht, dass mir nun alle in weiss daherkommen!


Welche Aussagen treiben euch die Zornesröte ins Gesicht, beziehungsweise lassen euch resignierend den Sinn des Brettspielerlebens hinterfragen? Schreibt sie uns in die Kommentare!

14 Kommentare

  1. hab die Muwins erst einmal kennengelernt und da waren es keine zornige Menschen. Wie bei allen Dingen die man häufiger macht bilden sich Situationen heraus, die einen einfach nur noch nerven. Ist halt etwas überspitzt.

    Hab aber auch noch Ausdrücke, bei denen ich gerne die Augen verdrehe:

    1. „Wer ist dran?“ – wird meist bei grübellastigen Spielen von demjenigen gefragt, der immer am längsten überlegt. Und immer ist die Antwort: DU!

    2. „Tolles Spiel, wenn man direkt nach dem ersten Zug weiß wer gewinnt.“ Hier wird spielerisches Unvermögen auf die Spielmechanik abgeschoben. Klare Opferrolle mit Ansage.

    und gleiche Kategorie: „Alle spielen gegen mich.“

    1. Zu 1.: Ich benutze diese Phrase um dem Spieler aufzuzeigen, dass ich am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder im Büro sein sollte…

      Zu 2.: Finde ich nur eine logische Aussage von mir. Ich gewinne immer!

        1. Das war immer meine Absicht, dass er anfangs häufig gewinnt. Langfristig gesehen ist dies das Beste. Alle spielen jetzt nur gegen ihn, Niemand entscheidet sich für ihn bei einer „King-Maker“-Situation… Siehst du…

  2. Wenn ich in der Ludo (nicht unbedingt in der ich bin, gibt es aber leider doch immer wieder) die Phrasen 2,7,8 und 9 höre stellen sich meine Nackenhaare. „Was um Himmelswillen macht ihr hier???“ „Grrrrhummpfff“ vor sich hin brummelnd, Kopfschüttelnd versuche ich mich zu Ruhe zu zwingen und versuche der Person zu erklären wie wichtig es ist die Spiele die man verleiht auch ein wenig zu kennen, um sie der Kundschaft schmackhaft zu machen. Anscheinend fruchtet mein Frust, denn die Kundschaft wächst und die Regale leeren sich.

  3. Wenn man bei Freunden zum Spieleabend eingeladen ist, sie ein neues Spiel vorschlagen, man zustimmt und sie die noch originalverpackte Schachtel hervorholen, von den Regeln auch keine Ahnung…aaah

    1. Oder behauptet,er hat es gelesen und man spielt es falsch.Diese Person hat dann die Regeln überflogen und die wichtigsten Passagen ausgelassen.
      Man sollte sich nicht aufregen,weil es Wichtigeres im Leben gibt,aber es ist schwierig,weil ich unter Vorbereitung was Anderes verstehe 😉 .Mittlerweile frage ich ihn,was er spielen will und ich bereite mich auch vor.Nur das ich beim letzten Mal die Einzige war,die sich vorbereitet hat,obwohl er das eigentlich machen sollte.Tja,was tut man nicht Alles,um regelmäßig spielen zu können 😉 🙂 .

  4. „Ich habe natürlich mal wieder Pech gehabt“, „Ich hab schon wieder nur *** gekriegt“, oder auch die gemurmelten Varianten „Unglaublich“, „Oh nein“, …
    Über Glücksfaktoren in Spielen kann man ja treffend streiten. Aber die meisten Spiele haben so was in der einen oder anderen Form. Dass man dann gerade im entscheidenden Moment Pech hat kann ja mal passieren und ist regelmässig für die einen (meist die Mehrheit) lustig und für den anderen ärgerlich. Also voll demokratisch legitimiert und so. Wenn’s dann zur Gewohnheit wird, ständig über vermeintliches Pech zu klagen, wird’s Zeit, einen Talisman zu überreichen: eine „Päägg doch“-Karte 😉

    Auch Axels „Alle spielen gegen mich“ kann ich so unterstreichen. Gerne auch in der Variante „nicht schon wieder gegen mich, du musst was gegen den M. machen“. Agitation und Propaganda vom Feinsten. Wer darauf reinfällt, macht dann natürlich die Drecksarbeit und rate mal, wer hinterher davon profitiert. Ein schönes Metaspiel – Diplomacy mal anders.

    Und dann natürlich den Klassiker, den gewisse Spieler jedesmal bringen, wenn es um versteckte Identitäten geht: „Ich gehöre zu den Guten!“ (für die passende Definition von „Gut“). Also zum Beispiel der gute Hitler, der in bester Absicht verhindern will, dass irgendwelche Liberalen in der Geschichte rumbasteln.

    1. Aber, aber …. dabei musst du dir deinen „Klassiker“ ja gar nie selber ANHÖREN! 😉

      Ich vertrete übrigens neuerdings vehement die Hypothese, dass das Rumbastel-Verhinderertum stark mit der Rolle des Masterminds in einem anderen Spiel zusammenhängt…

  5. „Alle spielen gegen mich, du solltest gegen XY“ hat lange funktioniert. Der geht leider nicht mehr, seit wir die „päägg doch“- Karten haben…

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