MUWINS-Spielesamstag: Aprilschmerz

Ja, es darf ruhig ein wenig schmerzen, wenn sich die MUWINS am Tisch duellieren. Denn wir sind nicht die Vor-uns-hin-Optimierer, sondern mögen es, wenn’s intrigiert, interagiert und kracht. Und das tat es einmal mehr, an diesem letzten Samstag…


Salem 1692

Shotgun Pete: Als ehrbarer Bauer und alleiniger zukünftiger Erbe sämtlicher Dorfbewohner sah ich mich einer goldenen Zukunft entgegen schreiten. Wer hätte da auch gedacht, dass ich das erste Opfer der Hexen werden sollte? Ich jedenfalls nicht. Das Spiel startete stimmungsvoll, endete für mich aber zu früh, um irgendein Fazit zu ziehen.

Oldiebenji: „Witch“ stand auf der Karte. Natürlich, denn ich bin auf die Rolle fast so abonniert, wie ein gewisser Mitspieler auf den Adolf in einem anderen Titel, der später noch folgen sollte (merkt’s euch schon mal). Aber ja, wir haben dank guter PR und steigenden Mitgliederzahlen das Dorf gemeuchelt!

Matthecrow: Schönes Material, gute Atmosphäre. Die Hexenjagd in unserer beschaulichen Runde war eröffnet. Auch mit fortschreitender Rundenzahl fühlte ich mich aber als Nicht-Hexe eher hilflos und hatte keine Anhaltspunkte, wer am Tisch böse Absichten hegen könnte. Etwas Bauchgefühl ist ja ok, aber da auch die Kollegen eher zufällig Anklagen unter den Spielern verteilen, erwischt man die Hexen nur, wenn zufällig die entsprechende Karte aufgedeckt wird. Leider waren wir alle schon lange tot, bevor das auch nur geschehen konnte.


Ratland

Foto 14.04.18, 14 52 08Oldiebenji: Wer hat am Ende den grössten Rattenclan? Und wie zum Henker soll ich all das Viehzeug dann ernähren? Na, mit haufenweise Käse natürlich. Den holen wir uns auf der Müllhalde, in der Stadt oder auf dem Feld (…?). Oder auch bei den Nachbarn. Ratland ist ein unkompliziertes, konfrontatives Spielchen, das bei unserer Erstpartie über die volle Distanz von 9 Runden ging – und damit vielleicht einen Tick zu lange ausfiel. Dennoch: Käsesammeln macht Spass, und den Umgang mit den lieben Nachbarn für spätere Spiele darf man dabei ebenfalls schon einmal proben.


Wikinger 878 A.D.: Angriff auf England

20180414_22Matthecrow: Gleich zwei mal am gleichen Tag versuchten die Barbaren aus dem kalten Norden auf unserer schönen Insel einzumarschieren. Mein Fazit: Mit zunehmendem Know-how wird das Spiel besser. Die Ereigniskarten selber zusammenzustellen macht viel Spass und erlaubt es, zu bluffen oder Kombinationen mit dem Partner zusammenzustellen („Wie viele Verräterkarten haben die wohl…?“). Beide Male war es vor allem der sächsischen Navy zu verdanken, dass die bösen Nordmänner unter Schande in ihre Fjorde zurückkehren mussten. Ist die Karte zu stark? Vielleicht. In der richtigen Situation sicher sehr unangenehm für die Invasoren und um gutes Timing geht es in diesem Spiel nun mal. Eine Partnerin zu haben, die konsequent Treffer würfelt, hilft auch…

Shotgun Pete: Diese vermaledeiten Engländer! Ich war Mitplaner beider Wikingerinvasionen und musste zweimal miterleben, wie die Inselbewohner ihre bereits Odin gewidmeten Köpfe im letzten Moment noch aus der von Berserkerhand geknüpften Schlinge zogen: Erst wurde uns unsere Gier und feindliches Würfelglück zum Verhängnis, dann blockierte die englische Flotte gleich während zwei Zügen hintereinander den Zugang zu Schlüsselregionen. Der Spassfaktor war trotzdem ungemein hoch und ich freue mich bereits auf den nächsten Versuch!

Lukebigbosss: Die Wikinger haben es tatsächlich gewagt. Völlig unvorbereitet segelten sie an unsere Küsten und versuchten, unser traumhaftes Land auszubeuten. Dummerweise wussten sie nicht, dass das Ausländerkontingent in der Zwischenzeit reduziert wurde und alle wichtigen Häfen geschlossen waren. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich mit einigen kaum bewohnten Gegenden zufriedenzugeben.


The Flow of History

Foto 14.04.18, 17 00 37Wiedumir: Eine Reise durch die Zeiten mit dem Ziel, die mächtigste Kultur aufzubauen. Das kennen wir meist aus gewichtigen Spielen in schweren Schachteln. The Flow of History schafft es, das Thema mit bloss einem Kartenstapel und Münzen umzusetzen. Der besondere Kniff: Karten, die wir aus der Auslage erwerben wollen, dürfen wir vorerst nur mit einem Geldgebot reservieren. Während einer Runde haben die Mitspieler die Gelegenheit, uns das Objekt der Begierde vor der Nase wegzuschnappen. Unser Frust hält sich aber möglicherweise in Grenzen, weil wir dafür tief in den Geldvorrat langen dürfen. Dieses vergnügliche Geschacher hebt das Spiel aus der Masse anderer Zivilisationsaufbauspiele. The Flow of History will kein endloser Strom sein, sondern erlaubt es, zu viert in einer guten Stunde von der Steinzeit in die Zukunft zu reisen.

Oldiebenji: Der (Geld)Fluss der Geschichte ist ein schöner „ich bau mir meine Zivilisation aus Karten“-Vertreter, der den Klassenprimus Im Wandel der Zeiten zwar nicht vom Thron stossen kann, dafür aber durch sein überschaubares Regelwerk und die verträgliche Spielzeit Extrapunkte einholt. Meine Kriegernation hat zuerst die beiden Nachbarn ein wenig zurechtgestutzt (der noch anhaltende Einfluss von Ratland war unübersehbar), sich anschliessend anderer Werte besonnen und schliesslich gar Ghandi zum Anführer ernannt. Gereicht hat’s am Ende einmal mehr zum zweiten Platz. Für das erste Spiel finde ich das ok – aber weitere Herausforderungen werden sehr gern angenommen!


Queendomino

20180414_17Mattthecrow: Endlich kam der Nachfolger des Spiel des Jahres ’17 auf den Tisch. Wie erwartet erhöhen die zusätzlichen Mechanismen die Möglichkeiten um einiges. Ein schönes Punkterennen. Irgendwie vermisse ich aber die kurze Spieldauer und die unglaublich simplen Regeln des Originals. Als Einsteigerspiel vielleicht fast schon zu kompliziert und für gestandene Optimierer mit einem Tick zu wenig Tiefgang?

Shotgun Pete: Den preisgekrönten Gatten kenne ich nur vom Hörensagen. Entsprechend war ich gespannt, die angeblich etwas weniger simpel gestrickte Queendomino kennenzulernen. Und siehe da, das Plattenlegepuzzle weiss durchaus zu gefallen. Letztlich muss ich mich aber Matts Fazit anschliessen – das Spiel fällt irgendwie zwischen Thron und Bank: Einerseits ist es für einen Filler zu lang bzw. als Muggelköderer wohl zu verspielt, andererseits dürfte es gestandenen Spielern zu wenig für die Dauer bieten, für die es den Tisch beansprucht.


Secret Hitler

Lukebigbosss: Die Partie war irgendwie langweilig. Ich habe zwar gewonnen, habe aber keine Ahnung wieso… Aber Wiedumir konnte ich wie immer bestens lesen…

Wiedumir: Auch wenn wir nicht mehr Partie an Partie hängen wollen: Ein absoluter Klassiker, bei dem ich immer dabei bin. Ob mir Lukebigboss wirklich stets anmerkt, wenn ich einen Faschisten spiele?

Oldiebenji: Ich hatte doch oben erwähnt, dass ein gewisser Mitspieler auf die eine Rolle abonniert ist? Meine zu Beginn der Partie auspesprochene Warnung hat sich einmal mehr bewahrheitet, dementsprechend hart sind die Faschisten gelandet. Es ist nun einmal schwer, wenn der ach so geheime Hauptakteur allen Anwesenden von Anfang an klar ist – alleine aufgrund der Anwesenheit eines Mitspielers…

Shotgun Pete: Ich überlebte bis zum Schluss. Und gehörte zum Gewinnerteam. Obwohl ich praktisch nichts beitragen durfte. Zumindest resultatmässig also eine klare Steigerung gegenüber meinem Vorprogramm!

Mattthecrow: Anschuldigungen flogen wieder hin und her und am Ende triumphierte das Gute. Doof nur, wenn man nicht dazugehört. „Hidden role“ war heute nicht mein Ding.


Wir sind das Volk

Foto 14.04.18, 20 43 57.jpgOldiebenji: Jeder Tag, an dem man mal einfach so nebenher eine Partie Wir sind das Volk dazwischenschalten kann, ist ein guter Tag. Im Zweiersetting durfte ich dem erwähnten, berüchtigten Mitspieler aus Secret Hitler dieses Juwel in Form einer Lernpartie näher bringen. Wie zu erwarten war, gingen in der DDR nach dem Abbau sämtlicher Infrastruktur (bis auf ein paar formschöne, marode Fabriken) in der vierten Dekade die Lichter aus. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sie das Schlimmste abwenden, indem sie auf Pump den grossen Macker gab.
Wir peilen möglichst bald eine erste Viererpartie mit der Erweiterung 2+2 an.


Wettstreit der Diebe

dieb2.jpgWiedumir: Vier Diebe in einer Stadt, in der es nur so von Wachen wimmelt. Diese versuchen, das Juwel des Kaisers zu bewachen – aber diese Hilfspolizisten haben keinen Stich gegen uns Meisterdiebe! Zum Glück sind Diebe so selbstsüchtig, dass es in unserer Bande nur einen geben kann, der mit dem Objekt der Begierde aus der Stadt türmt. Ertönt der Diebstahlalarm, hört jede Kooperation auf und wir jagen gemeinsam mit der Obrigkeit den Schurken, legen Hinterhalte, werfen Feuerbolas und greifen gerne zu jeder möglichen Gemeinheit. Das tönt nach reinem Muwins-Stoff. In der Realität spielte sich die erste Partie dann betulicher und braver als erwartet. Das liegt (hoffentlich) daran, dass die taktischen Möglichkeiten noch nicht gänzlich ausgeschöpft wurden. Ich bin gespannt auf den nächsten Beutezug.


Star Cartel

star cartelLukebigbosss: Jeder wahre Weltraumschmuggler weiss, dass Waffen und Kristalle am meisten Geld generieren. Anscheinend wissen dies trotzdem nur die besten der Besten. Daher habe ich doppelt so viel Geld erwirtschaftet wie alle anderen Pfeifen zusammen.

Oldiebenji: Die Weltraumschmuggelei wirkte als Rausschmeisser im wahrsten Sinn (das Lokal wollte schliessen) leider etwas gehetzt. Ich weiss jedoch nicht, ob bei einer Partie zu sechst noch ausreichend Kontrollmöglichkeiten gegeben sind, um gezielt eine Strategie zu verfolgen. Lukebigbosss würde dies aber sicher bejahen.

Mattthecrow: Jaja, der Lukebigbosss hat uns wunderbar abgezockt (allerdings hat er noch Mühe mit dem Begriff „doppelt so viel“). Zu sechst ist das Ganze etwas zu chaotisch, auch wenn ich bei dieser Partie zumindest gesehen habe, wie ich die Marktpreise etwas zu meinen Gunsten beeinflussen könnte. Immerhin flutscht das Spiel auch in dieser Spielerzahl.

Shotgun Pete: Auch hier hiess es für mich heute: Wacker gekämpft, gut mitgehalten, nicht gewonnen. Es liegt aber nicht daran, dass mich Star Cartel mehrheitlich kalt lässt – ich hatte schlicht nicht das Gefühl, nennenswerten Einfluss aufs Geschehen nehmen zu können. Zumindest spielt es sich zackig. Weil mich die Raumschiffe vom Zeichenstil her etwas an die gute alte Comet erinnern, gibt es nun als Trost für mich und einfach so für alle, die in den 80ern Kind sein durften, etwas Nostalgie.


 

4 Kommentare

  1. Kein Fazit zu Wikinger von Beni Benisson? Ich bin entäuscht. 😉

    Schade hat es diesen SA nicht geklappt mit dem Vorbeischauen. Hoffentlich dann nächstes Mal wieder.

    1. Ich durfte diesmal nicht mit den anderen Wikingern spielen – ich nehme an, die hatten zu sehr Angst vor mir. Aber das Spiel ist eh‘ der Hammer, wie die ganze Reihe.

  2. Ach das ist meine Altersenilität. Ich dachte SGP hätte erwähnt dass du mitgespielt hast (hat er aber nicht :D).

    Ich hoffe demnächst mal mein Exemplar des Spiels entjungfern zu können. (und dass ich die grosse Karte bald mal kriege :()

Kommentar verfassen