Presseschau: Monopoly – Cheaters Edition

In der Presseschau berichten wir Euch in Kurzbeiträgen über News, die uns dermassen aufgeregt haben, dass wir dazu die Klappe nicht halten können… ohne Rücksicht auf Verluste oder Political Correctness!

Es gibt eigentlich keinen wirklichen Grund, jemals Monopoly zu spielen. Nehmen wir an, wir sind Gastgeber und sitzen gemütlich mit Nichtspielern zusammen (ja, das gibt’s ausnahmsweise auch), haben vielleicht gerade etwas gegessen, sind in ein Gespräch verwickelt, das irgendwann ins Stocken gerät, weil alles gesagt ist. Wer nun nicht gerade die „so, ich geh‘ dann mal schlafen, damit die Gäste gehen können“-Masche einsetzen will, wird vielleicht auf die Idee kommen, man könnte ja mal etwas spielen. Eventuell wissen die Gäste ja auch von der Krankheit des Gastgebers und sind sogar willens, sich in die Sache zu ergeben. Und tatsächlich: Das kann nachweislich sogar gut gehen! Wenn der die richtige Auswahl trifft. Da nehmen wir eventuell sogar Städtenamen in Kauf, aber keine, wirklich gar keine davon beginnt mit „Mono“.

Obwohl dieses prototypische Brettspiel unermüdlich und in immer „neuen“ Variationen am Ruf unseres Hobbys nagt, haben die MUWINS und viele weitere echte Spielefans bis heute den Kampf gegen den Koloss nicht aufgegeben. Doch jetzt ist etwas geschehen, das uns nur noch resignierend den Kopf aufs Schaffot legen lässt! Das Ereignis ist zu vergleichen mit der Kapitulation der Österreicher vor Napoleon bei Ulm, der Zündung der Atombombe, die Japan im Zweiten Weltkrieg kapitulieren liess, oder dem Erscheinen der Borg. Hasbro veröffentlicht die Monopoly Cheaters Edition!

Lasst es uns klar stellen: Wenn aus irgend einem Grund, entgegen aller Vernunft und allen guten Vorsätzen, aus familiären und/oder erzieherischen Gründen (fremder (!) Bälger) doch einmal Monopoly gespielt werden muss, dann gibt es nur einen halbwegs akzeptablen Weg: Nach den Regeln! Ja, Strassen werden sofort versteigert, wenn jemand darauf landet und sie nicht selber kauft! Nein, es wird kein Geld auf „Frei Parken“ gelegt! Nein, es gibt keine Gegengeschäfte – wer nicht zahlen kann, ist raus! Jede Abweichung davon verlängert nur die Qual für alle Beteiligten. Und jetzt das!

Dank der Cheaters Edition darf man mogeln. Mal ganz abgesehen davon, dass das genau NULL Sinn macht (wenn man etwas darf, ist’s eben nicht gemogelt) – welche Sorte von „Spielern“ versucht man hier anzusprechen? Ja klar, primär jene Sorte, die sich das Spiel von Oma oder Tante schenken lässt und es dann eh irgendwo im Regal verstauben lässt. Oder eventuell solche, die nur in alkoholisiertem Zustand zu Brett, Würfeln und Karten greifen, weil das alles besoffen erst so richtig Spass macht!

Dass man nun auf einmal Geld falsch zählen darf, klingt für diese Zielgruppe ganz, ganz lustig. Aber Achtung: Eigentlich darf man das auch in der Cheaters Edition nicht, denn falls man dabei erwischt wird, gibts eine Strafe: Dazu liegen dem „Spiel“ Handschellen bei (zum Thema siehe auch Pixie Queen). Ausserdem Hinweise, wie man wohl sonst noch betrügen könnte. Das neue Monopoly richtet sich also nicht nur an Leute, die eigentlich nicht gern spielen (da erstaunt es auch nicht, dass laut Aussage von Hasbro 80% bei Monopoly betrügen), sondern auch noch an solche, die zu doof sind, eigene Ideen zum Bescheissen zu finden.

Wahre Spieler hassen mogeln! Wenn sich ein paar Besoffene das Spiel kaufen – so what, macht, was ihr wollt. Aber wenn damit Kindern unbedarfter Muggeleltern („das haben wir früher auch immer gespielt, das war schon damals so lustig“) das Brettspiel näher gebracht werden soll und man damit potentiell zukünftigen Spielern das Motto „Beschiss ist lustig“ beibringen will, finden wir das einfach nur erbärmlich und unendlich dumm.

Ja, Hasbro, wir meinen euch.

11 Kommentare

  1. da kann man sich nur an den Kopf greifen! Hilfe! Das darf nicht wahr sein! Es schreit in mir. So was von überflüssig. Mein Bruder konnte cheaten auch ohne diese Version. Mich bringen keine zehn Pferde Monopoly ( in welcher Version auch immer) zu spielen.

  2. Ich verklage Hasbro! Die haben die Idee von meinem Cousin und mir geklaut. Und die ist aus der Mitte der 80ger!
    Ich habe Monopoly glaube ich noch nie nach den original Regeln gespielt. Bei uns ging es damals hauptsächlich darum möglichst lange an einem vereregneten Nachmittag ein Spiel zu spielen. Und es gab Monopoy und Risiko, wir hatten ja nichts!
    Also brauchten wir mehr Startgeld, Schuldscheine, mehr Häuser, mehr Würfel, alles mehr. Und durch zähe Verhandlungen und Kreditvergabegespräche konnte ein Monopolyspiel wirklich lange gehen. Nicht so lange wie unsere Risiko Chaeter Edition, aber doch lang.
    Leider ist mein Cousin zwei Jahre älter und ich glaube so im Nachhinein, dass er immer etwas besser beschissen hat. Jedenfalls hab ich nie gewonnen. Und deswegen eine tiefliegende Aversion gegen Monopoly. Danke Björn!

  3. Immer diese Anfänger. Viel noch lernen ihr müsst, junge Padawane.

    Diese Ausgabe ist doch ein *Geschenk* an die Monopoly-Hasser. Denn mogeln geht in beide Richtungen. Da nimmt man sich „aus Versehen“ zu wenig Kohle aus der Kasse. Da „würfelt“ man „zufällig“ ganz unglücklich und kommt auf die frisch bebaute Schlossallee. „Oh, Mist! Hab gar nicht mehr genug Geld! Mönsch, jetzt bin ich pleite und kann nich mehr mitspielen. Schaaade!“

    Niedergeschlagen wendet man sich ab, zückt das Patiencedeck, köpft ein Bier… und macht sich einen schönen Restabend.

  4. Zum glück besitzt bei uns in der familie niemand mehr ein monopoly… wäre bestimmt ein kopf an kopf rennen mit UNO! *duck-renn-versteck*
    Regelkonform mogeln… was für ein witz! Das ist wie extra verschlafen oder so 😂😂

  5. Ist auch keine neue Idee: Schon bei Illuminati gab es eine Schummel-Variante. Wichtigste Regel: Nichts was man nicht rückgängig machen kann und nichts was das Spiel unnötig verlängert.
    Wir hatten einmal eine Partei, wo einer überzeugt gesagt hatte: „So und mit diesem Zug habe ich gewonnen!“. Da wir alle nicht so richtig mehr lust hatten, haben wir es dann geglaubt… und hinterher diskutiert ob die Lüge regelkonform war oder nicht (Das Spiel war eingepackt…)

  6. Von mir aus können sich Erwachsene bescheißen,aber Kinder?Das war mir bei Mogelmotte schon ein Dorn im Auge.Ich will kein Moralpostel sein,das liegt mir fern,aber muß das sein?
    Es gibt so viele schöne Ideen in puncto Brettspiele,mußte diese Monopolyvariante sein,aber was tut man nicht,wenn Einem nichts Anderes einfällt,um den Umsatz zu steigern,obwohl ich glaube,dass es nur bei den Personen-wie Du schon schriebst-landet,deren Verwandte keine Ahnung von Brettspielen haben 😉
    Was mich aber so erschreckt hat,als ich diesen Artikel in einem anderen Forum verlinkt hatte,dass kaum Einer Bedenken hatte,sondern man eher schrieb,ist doch wurscht,soll Hasbro doch oder wieso muss man einen derartigen hysterischen Artikel schreiben?
    Mich hätte es auch gewundert,wenn Irgendeiner diese Bedenken hätte nachvollziehen können,weil unsere Gesellschaft von Tag zu Tag egoistischer wird,deshalb hat es mich gefreut,dass Du diesen Artikel verfasst hast 🙂

  7. Also, öhm, tja. Jetzt mal Flachs beiseite.

    Thema A: Monopoly
    Ok, wir sind uns einig, dass Monopoly jetzt nicht das Burner-Spiel ist und Hasbro nicht gerade die Innovationsmaschine. Soweit so gut. Aber gleichzeitig muss man zugeben, dass viele Spieler älteren Semestern (hier!) mit Monopoly angefangen haben. Von daher ist es ein wenig verlogen, darüber die Nase zu rümpfen (und an ebendiese muss ich mich selbst fassen, weil mir das auch regelmäßig passiert).

    Thema B: Ein Spiel, das Mogeln erlaubt
    Klar, im normalen Spiel hat Schummeln nix verloren. Auch da sind wir uns einig. Aber warum ist es jetzt verwerflich, wenn ein Spiel das ausnahmsweise explizit erlaubt? Fast alle Spielerinnen und Spieler sind eher kluge Menschen und die These, dass Beschiss damit salonfähig wird, halte ich für sehr gewagt. Jedes Spiel stellt seine eigene Regelwelt her und wenn diese enthält, dass gemogelt werden darf, ist das im Kontext dieses einen Spiels vollkommen ok.

    Denn mit der gleichen Begründung könnte man aus ähnlichen Gründen auch viele andere Spiele verdammen, ganz vorneweg, Intrige, Diplomacy und Illuminati, weil ebendiese auf’s Mieseste den Verrat, die Willkür und den Hinterhalt propagieren.

    Meine Meinung: Der Kunde entscheidet. Wenn jemand gerne Mogel-Monopoly spielt: bitte sehr! Mein Cousin verkauft Möbel und sagt immer „Wenn der Kunde n Sofa mit Plüschbommeln haben will, dann kriegt er auch eins“. Und recht hat er.

    1. Nochmal: Mogeln kann man nicht „erlauben“. Dann isses kein Mogeln mehr. Auch die Mogelmotte mogelt, denn eigentlich gehts bei dem Spiel nicht darum zu mogeln, sondern regelgerecht (nämlich einzeln) Karten verschwinden zu lassen. Gemogelt wär‘s wenn jemand dagegen verstossen würde. Aber egal.

      Das Argument „wir sind damit gross geworden, deswegen ist das gut“ zieht nicht. Du zwingst die Kinderchen von heute ja auch nicht, die ganzen schwarz-weiss Serien und Schinken von früher zu gucken. Und die sind noch deutlich besser als „M“.

      Dass in Diplomacy geschummelt wird, ist nicht korrekt. Da wird verraten, sich nicht an Abmachungen gehalten. Ja, von mir aus „unmoralisch“. Diese Spiele sprechen aber auch ein anderes Zielpublikum an – eines, das das Ausloten von Spielregeln verinnerlicht hat. Mit anderen Gruppen möchtest du nie Diplomacy spielen, glaub’s mir.

      Und natürlich entscheidet der Kunde. Leider ist der total uninformiert, aber ja, er tut es. Da ändert auch unser Miniblog nichts daran. Trotzdem dürfen wir unbedeutenden Würstchen doch dem Grosskonzern (zugegebenermassen ein wenig zugespitzt) ans Bein pinkeln (der merkt das nämlich nicht mal), wenn wir eine solche „Idee“ bescheuert finden. Und ja, ich persönlich finde die Cheaters Edition noch deutlich schlechter als die x-the Monopoly: Hintertupfingen-Ausgabe.

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