MUWINS-Spielesamstag: Kein Zutritt unter 10 Jahren!

Vor dem ganzen Essen-Neuheitentrubel hatten wir für den vergangenen Samstag lediglich eine Vorgabe: Es kommt uns kein Spiel ins Haus, das jünger als 10 Jahre alt ist! Wir haben schon bei der Auswahl gestaunt, welche vergessenen Perlen zum Vorschein kamen! Das Durchstöbern mit Erscheinungsjahrfilter hat sich als nicht weniger aufregend erwiesen, als das Durchforsten so mancher Neuheitenliste. Und so kam es einmal mehr zu einem gelungenen Nachmittag bis kurz vor Mitternacht…

 

König von Siam

Foto 14.10.17, 13 24 17Oldiebenji: Was für ein Auftakt! König von Siam in der Partnervariante (zu viert), und das Gute hat für einmal gesiegt! Das blinde Zusammenspiel unseres Teams war – ehrlich und gelinde gesagt – geradezu beeindruckend! Ich habe im Untergrund die Drecksarbeit erledigt und die gegnerischen Fraktionen geschwächt, während mein Partner die Rolle des strahlenden Siegers für die Öffentlichkeit übernahm. Wir haben voll auf die Anhänger des Königs gesetzt: Gelb war folglich unsere Lieblingsfarbe, gelb hat triumphiert – und zwar uneinholbar noch vor Ende der acht Runden. Prima, mein Sieg (dochdoch, Teamsiege zählen auch, wo käme ich sonst hin!) für heute war im Trockenen, der Tag gerettet, der Rest nur noch Zugabe. Ich hätte auch gleich nach Hause gehen können… Fast.

Lukebigbosss: In einer anderen Gruppe habe ich mich Auch in Siam versucht und gewonnen. Keine Ahnung wieso, das Spiel ist ziemlich an mir vorbeigegangen und ich habe die taktische Tiefe nicht verstanden.

 

Blokus

blokus

mratn: Nach Samurai (siehe unten – wer hat denn hier die Reihenfolge bestimmt?) war Blokus genau das Richtige. Kein müssiges Thema, keine Ablenkung durch Ritter, Drachen oder Schiffe, die sowieso keine Rolle spielen, einfach pures Hirnen. Nicht erstaunlich, dass wir gleich drei Partien zockten. Klar wird’s am Schluss hie und da mühsam, wenn ein Spieler (ich nennen keine Namen, weil es mich wohl am meisten betrifft) noch 10 Minuten lang versucht, seinen letzten Stein unterzubringen und alle wissen, DASS ES NICHT MEHR GEHT!!!!! Und schaut euch mal an, wie schön sich blau (wer immer das ist) über das ganze Feld verteilt – so wurde ich auch in jeder Partie mindestens Zweiter.

Shotgun Pete: Rundenbasiertes Tetris auf einem quadratischen Spielbrett? Das klingt erstmal nicht so prickelnd, spielt sich jedoch erstaunlich zackig und kurzweilig. Und weil ich von Natur aus zu ausuferndem Breittreten relativ belangloser Inhalte neige, ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass ich in zwei von drei Partien mindestens Erster wurde (so protzt man richtig, mratn – Zweiter, pfff!).

Oldiebenji: Für mich erst kurz vor Ladenschluss als Rausschmeisser noch zwei Runden Blokus. Dieses schöne Spiel lag viel zu lange in einer düsteren Ecke – dank der selbst auferlegten Altersbeschränkung durfte es endlich wieder einmal an die frische Luft. Und tatsächlich: Die alten Moves funktionierten noch. In meiner persönlichen Bilanz durfte ich den Tag mit Siegen beginnen und beenden. Über den Mittelteil legen wir zumindest resultatmässig den Mantel des Vergessens…

Wiedumir: Wie konnte ich diesen Renner vor mehr als 10 Jahren übersehen? Das Spiel muss damals an meinem Radar vorbeigeflitzt sein. In 30 Sekunden sind die Regeln erklärt und gleich vom ersten Zug an wollen wir nur eines: Das Brett mit fiesen Moves erobern und die anderen blocken blocken blocken! Muwins-Herz, was willst Du mehr?

 

History of the World

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Oldiebenji: Der Klassiker aus dem Jahr 2001 (Hasbro-Ausgabe) hat uns zu sechst über 4 Stunden beschäftigt. Durchaus unterhaltsame 4 Stunden! Durch die Verteilung der Reiche ist man auch dann nicht wirklich abgeschlagen, wenn man mal eben so wirkt – so konnte sich etwa unser zwischenzeitliche deutliches Schlusslicht dank mongolischer Entwicklungshilfe wieder in Reichweite des Feldes katapultieren. Am Ende wurde es knapp: Das Spiel endete mit einem Gleichstand zwischen zwei Spielern an der Spitze, den wir einfach so stehen liessen. Ich war nicht dabei – aber immerhin auch nicht letzter. Nur fast.

 

Age of Empires

aoe.jpgLukebigbosss: Das dritte Spiel an diesem Nachmittag/Abend für mich, zum dritten Mal die Farbe Grün gewählt. Und siehe da, es hat sich gelohnt. Ich konnte am meisten Ruhmespunkte in der Entdeckungsgeschichte erzielen. Ich setzte vor allem auf viel Geld, so richtig in Massen. Ich musste sogar Gummibänder kaufen, damit ich diese richtig lagern konnte. Und Ratten haben mir einen Teil sogar noch weggefressen. Ehrlich wahr! Meine Finanzen habe ich in Zuckerrohrplantagen gesteckt. Dadurch verdiente ich noch mehr. Der Reiche wird reicher, die Armen ärmer. Am Schluss hatte ich sogar eine eigene Miliz. Diese hat Matt davon abgehalten, mich anzugreifen. So musste er natürlich unseren jammernden Gegenspieler, trotz Friedensvertrag, von der Landkarte ausradieren. Fand ich übrigens sehr amüsant…

 

Samurai

samurai.jpgmratn: Nach einem Rennen im Weltall (siehe unten), ging’s an das Abstrakte – ok, nicht ganz so abstrakt wie Blokus, aber doch ziemlich abstrakt. Samurai prügeln sich um deformierte Helme, Reisfelder oder Buddhastatuen in diesem Area-Control / Hand-Management / Tile-Placement-Spiel. Die Partie war kurz genug, um die Mängel des Spiels zu entschuldigen, diese aber zu präsent, um für eine zweite Partie in Frage zu kommen. Ich hatte das Gefühl, niemand war wirklich bei der Sache, das Spiel plätscherte vor sich hin, und am Ende gewann Shotgun Pete – keine grossen Diskussionen, keine grossen Erzählungen, weiter geht’s. Daher mein Credo: Wenn schon abstrakt, dann richtig abstrakt…

Wiedumir: Vielleicht bin ich etwas voreingenommen, weil ich Samurai aus der Mottenkiste geholt hatte, aber mir hat’s recht gut gefallen. Trotz  oder wegen seiner einfachen Regeln hat das Spiel eine für mich reizvolle taktische Tiefe. Die Spieldauer ist angenehm kurz. Ein gut gealtertes Werk aus der Blütezeit von Reiner Knizia. Also ich würd’s jederzeit gerne wieder spielen.

Shotgun Pete: Ein geschmeidiges, unkompliziertes Plättchenlegespiel, das seinen Charme auch dem simplen aber stimmigen Design (auch wenn mir die Form der Helm-Figur immer noch Rätsel aufgibt) und dem Umstand verdankt, dass man meist nicht umhin kommt, gemeinsam an der Eroberung der Figuren zu arbeiten, die dann trotzdem nur einer kriegt. Da gilt es nämlich, den entscheidenden Moment abzuwarten – oder zu provozieren – um die umworbene Figur auch selbst einsacken zu können. Letztlich eine ziemlich abstrakte Übung, bei der das Thema sehr schnell in den Hintergrund gerät. Die kompakte Spieldauer und der einfache Zugang machen diesen Kritikpunkt aber vernachlässigbar. Hätte mratn nicht so abgelost, wäre sein Urteil bestimmt gnädiger ausgefallen.

 

Galaxy Trucker

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mratn: Ein Klassiker! Raumschiffe zu bauen macht Spass wie eh und je (oder wie seit 2007 um genau zu sein; obwohl, die benutzte Jubiläumsausgabe nur fünf Jahre alt ist – Shotgun Pete, du Mogler!). Nach ein paar Startschwierigkeiten kam dann auch mein Schiff ziemlich in Fahrt und fuhr den lockeren Sieg nach Hause. Einmal mehr wurde mir klar, wie wichtig schnelles Bauen und die damit verbundene Startposition in diesem Spiel ist. Fresst meinen Sternstaub, ihr Langweiler!

Wiedumir: Ich hatte zwar bei Galaxy Trucker noch nie den Hauch einer Chance, eine Partie zu gewinnen. Für mich als meditativ langsamer Tüftler und Bastler ist dieses Hetzspiel so was von unfair. Trotzdem versuche ich mich immer wieder gerne daran, mich in meiner ramponierten Schrottkiste ins All zu beamen, um völlig losgelöst durch die Meteoritenschwärme zu trudeln. Düdingen, ich habe ein Problem!

Shotgun Pete: Für eine Partie Galaxy Trucker bin ich eigentlich immer zu haben, sorgt es doch stets für Gelächter am Spieltisch – zumindest, wenn sich an diesem auch Leute befinden, die kein Problem damit haben, ihrem sorgfältig zusammengebauten Raumschiff beim kaum vermeidbaren Zerbröseln zuzusehen. Spätestens, wenn in der entscheidenden Phase des Spiels (in der Regel der dritte Flug durchs All) das eigene Gefährt in zwei praktisch gleich grosse Teile zerbricht und mit der wertvollen Ladung auch die letzte Hoffnung auf den Sieg flöten geht, hat man zwei Optionen: Entweder man schmeisst den Tisch um, oder man lacht über das eigene Unglück und gratuliert mratn zum Sieg. Da wir Muwinser zwar fiese Züge mögen, nichtsdestotrotz aber gute Verlierer sind, entschied ich mich natürlich für Letzteres. Vielleicht war mir ja auch deshalb das Glück hold, als das Spiel am späteren Abend noch mal auf den Tisch kam und ich da am Ende die meisten Credits im Handschuhfach meines Galaxy Trucks hatte.

 

Container

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Oldiebenji: Nach dem kürzlichen, äusserst erfolgreichen Ersteinsatz von Ponzi Scheme stand uns der Sinn nach pervertierten Wirtschaftssystemen. Glücklicherweise erfüllt Container die Altersvorgabe – ausserdem darf man jeweils laut TUUUUT sagen, wann immer ein Schiff in einen Hafen einfährt oder ihn verlässt. Die Neulinge am Tisch hatten die speziellen Abläufe rasch verinnerlicht, danach wurde bis an der Rand der Kreditwürdigkeit gehandelt und gedumpt. Ich hatte am Ende zwar den grössten Containerhaufen, aber lediglich vier der fünf Farben gesammelt – was mir erneut den zweitletzten Platz einbrachte. André (einer dieser aufmüpfigen Neulinge bei uns, siehe Bild) containerte sich stattdessen in dieser 5er Partie zu einem souveränen Sieg.

Wiedumir: Dem von oldiebenij erwähnten Ponzi Scheme vermag Container für mich nicht das Salzwasser zu reichen. Ponzis Betrügereien sind einfach unübertroffen elegant und die Spieldauer angenehm kürzer. Container hat mich aber durchaus gut unterhalten. Es ist äusserst spannend, wie mit relativ einfachen Mechanismen ein Wirtschaftsgeflecht entsteht, bei dem ich mich herrlich über die schamlosen Dumpingpreise meiner Konkurrenz aufregen kann, während ich bei nächster Gelegenheit selbst zum ultimativen Sonderverkauf aushole. Wie Du mir, so ich dir und noch eins drauf.

 

Im Jahr des Drachen

jahrdesdrachen.jpgLukebigbosss: Draussen in der Oktoberhitze haben wir uns ins Land der untergehenden Sonne getraut. Wir wurden von Mongolen überrannt, von Pandemien heimgesucht, es herrschte Nahrungsmittelknappheit, der Kaiser veranstaltete Feuerwerkwettbewerbe und kassierte dafür Steuererträge. Das Leben in China ist hart, vor allem dann, wenn deine geschätzten Genossen die beliebten Aktionsfelder versperren und dann noch hinterhältig lachen. Ein tolles fieses Spiel, das von mir, ohne jegliche unfaire Aktionen natürlich, gewonnen wurde.

 

Hazienda

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Lukebigbosss: Von draussen nach drinnen, von China nach Argentinien. Hazienda ist ein schnell erklärtes Farmerspiel. Mit Herden bewegen wir uns in Richtung der lokalen Märkte. Dort verkaufen wir unser Biofleisch, kassieren Geld sowie finanzieren und verbessern damit unsere Landgüter. Der Zugang zu den Verkaufsstellen kann böse gesperrt, Wasserentnahme verboten und die verbliebene letzte Sau kann weggekauft werden. Ein schönes, übersichtliches und einfaches Spiel für die Muwinser-Spielegemeinschaft. Am Schluss stand der grüne Pöppel auf der kramerischen Punkteliste am weitesten vorne. Wie es der Zufall wollte, gehörte dieser schon  wieder mir.

Shotgun Pete: Letztlich brachte mir meine Strategie – meine Rinder, Schweine und Pferde an möglichst viele Märkte zu führen, damit sie sich dort hemmungslos, spontan und unkontrolliert vermehren und danach die menschlichen Käufer und Verkäufer mittels furchteinflössender Stampeden in die Pampa jagen, um in Zukunft frei und ohne Schlachtgefahr ihr Leben zu fristen – zwar nicht den Sieg, aber es ist doch immer nett, sich themenbeliebige Euros mit einer kleinen Geschichte persönlicher zu gestalten. Hier kommt positiverweise noch hinzu, dass man sich auch auf dem Spielbrett ziemlich fies verhalten kann, indem man etwa Gegnern Zugang zu Märkten und Wasserstellen verweigert. Insgesamt spielt es sich flott und ist zudem muggelfreundlich, da spiele ich in 5 Jahren eventuell auch wieder mit.

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