200:1 – Breite oder Tiefe?

*** DIE ABSTIMMUNG IST BEENDET ***

Unentschieden zwischen SHOTGUNPETE, LUKEBIGBOSSS und OLDIEBENJI! Leider konnte niemand so richtig überzeugen und daher wird kein Punkt vergeben. Die nächste Möglichkeit Punkte zu sammeln lässt aber sicher nicht lange auf sich warten…


Maximal 200 Worte, 1 Thema – das ist die Vorgabe! Die MUWINS duellieren sich für einmal nicht am Spieltisch, sondern über ihre Tastaturen. Unabhängig voneinander verfassen wir eine Stellungnahme zum vorgegebenen Thema, und IHR entscheidet in dieser höchst demokratischen Beitragsreihe, wer euch mehr oder weniger überzeugt hat.

„Breite oder Tiefe“ lautet das diesmal von Euch gewählte Thema! Es geht also um die Frage, ob es sinnvoller sei, ein Spiel zu meistern, oder stattdessen zehn neue zu erlernen. „Jeder wie er will!“ könntet ihr nun lautstark einwerfen. „Aber dann gäbe es ja diese Rubrik nicht!“ würden wir in diesem Fall zurück rufen. Also lasst uns den Spass und diskutiert mit!


Shotgun Pete: Die Realität hier bei Muwins sieht doch so aus, dass wir nur ganz wenige Spiele zehn mal oder öfter spielen. Die stete Flut an Neuveröffentlichungen und das Brimborium, welches diese auf sozialen Netzwerken, Blogs, Podcasts und Brettspielforen auslösen, können einen Hobbyspieler – und viel mehr noch einen Hobbyrezensenten – ganz schön unter Druck setzen: Schliesslich will man einen potentiellen Hit nicht verpassen und möglichst von Anfang an dabei sein. Und – seien wir ehrlich – es ist halt schon sehr spannend und aufregend, ein neues oder neu entdecktes, vielversprechendes Spiel erstmals aufzutischen. So gibt es Muwins-intern kaum mal einen Spieleabend ohne Premiere. Mit einer immer grösser werdenden Spielesammlung wachsen aber auch die Ansprüche an neue Titel, und so erstaunt es nicht, dass es so einige von ihnen nie über das eine Mal hinaus schaffen. Dann kann man sich schon fragen, ob es sich nicht mehr gelohnt hätte, mal wieder das allseits beliebte X oder Y auszupacken. Womöglich, ja, aber dann wüsste man nun nicht, was der neue Titel (nicht) kann. Ich finde, ein Mittelweg ist hier die Lösung: Man sollte sich durchaus eine gesunde Neugierde bewahren, aber auch immer wieder mal den Komfort gönnen, einen bewährten, gut eingelaufenen Schuh überzustülpen.


mratn: «Wir haben doch keine Zeit!» Zwischen Familie, Beruf und TV-Serien findet das Brettspielen leider einen meist zu kleinen Platz. Umso wichtiger sind richtig gesetzte Prioritäten, und zwar nicht nur zwischen den eben genannten «Aktivitäten», sondern auch innerhalb des Brettspielens selbst. Es sind zwei Aspekte der Brettspielwelt, die mich faszinieren. Erstens natürlich das Spielen, das gemütliche Beisammensitzen, Geschichtenerleben und auch das Gewinnen oder Verlieren. Kurz: Das BrettSPIEL. Zweitens sind es die zahlreichen Ideen, die mich immer wieder von neuem packen. Die Welten, die wir alle von Büchern oder Filmen kennen, aber genauso auch in Spielen zu finden sind. Die Fragen, wohin ein Autor mich mitnimmt, welche Geschichte er mir da erzählt und wie genau er dies macht – oder zumindest zu machen versucht. Das BRETTspiel quasi.

Der Konflikt ist unausweichlich, denn wer ein Spiel bis ins letzte Detail meistern will, der – ausser er streicht Familie, Beruf und TV-Serien von seiner Liste – verpasst es zwingendermassen, auch unzählige andere Ideen und Welten kennenzulernen. Und dazu bin ich schier zu neugierig, natürlich mit dem Wissen, dass so mein Erlebnis nicht jedem Spiel, jeder Welt und jeder Idee gerecht wird. Daher lese ich weiterhin Regelhefte vieler Spiele, die ich LEIDER wahrscheinlich niemals spielen werde.


oldiebenji: Es gibt kaum Zweifel, wie die sozial erwünschte, in jeder Hinsicht verantwortungsvollere Antwort hier lauten müsste: Man kauft sich ein Spiel, spielt es, bis man es nicht mehr sehen kann, spaziert zum Händler des Vertrauens, um sorgfältig (nur ja keinen Fehlkauf tätigen!) das nächste auszuwählen. Daneben wären höchstens noch kleinere Spielchen akzeptabel (Uno und so) – man braucht schliesslich auch ein Angebot für Muggelrunden mit Tante Eusebia.

Und was sagt der Spielefanatiker dazu? Um es mit Scrooge auszudrücken: „HUMBUG!“. Denn der Fan ist immer auf der Suche nach dem Kick (nein, die Anlehnung an Suchtproblematiken ist nicht zufällig) in Form (vermeintlich?) neuer, ungewöhnlicher Mechanismen und sonstiger Innovationen.

Neben dem eigentlichen Spiel wird so auch bereits die Entdeckens- und Erwerbsphase zum Erlebnis. Keine noch so geringe Variation bekannter Mechanismen ist zu klein, keine Sonderausstattung zu unscheinbar um nicht als unvermeidliches Kauf-Argument herangezogen zu werden. Zugegeben: Der Geek schärft nach und nach seine Detektoren hinsichtlich interessanter Objekte – was aber nicht bedeuten muss, dass deren Zahl signifikant abnimmt. Und da neben dem intensiveren Ausloten einiger weniger Titel, die immer wieder auf den Tisch kommen (Tragedy Looper grüsst!), die Entdeckung potentieller Perlen fast ebensolchen Lustgewinn verschafft wie das eigentliche Spielen, gebe ich unumwunden zu: Masse.


lukebigbosss: Während meiner HipHop Zeit kaufte ich immer die neusten Alben, lud all die Underground Mixtapes mehrmals täglich herunter: „Mehr ist mehr! Neu ist besser! Alt ist zu alt!“ die damaligen Devisen. Hat sich diese Herangehensweise in der Zwischenzeit verändert? Je älter, desto weiser? Grundsätzlich muss ich darauf hinweisen, dass der „Konsum“ wie der Kauf von Brettspielen im Gegensatz zu Wu-Tang Alben eine Gruppenaktivität ist. Bei Muwins kommen also mindestens 6 Käufer zusammen, die durchschnittlich 3 neue Spiele im Monat kaufen. Diese müssen getestet werden. Zudem wollen wir euch, liebe Leserin und lieber Leser, mit neuen Reviews versorgen. Es liegt also in der Natur der Sache, dass wir innerhalb der Muwinsgruppe eher auf neue Spiele setzen.
Dies erfüllt mich jedoch mit Traurigkeit. Tief bestürzt schleiche ich dann in meinen Keller und spreche meinen Klassikern Mut zu: „Nur Geduld, deine Zeit wird zurückkehren! Ich gehe zum letzten Mal nach Essen. Gleich sperre ich meine Kreditkarte fürs Crowdfunding!“ Und so kommt es, vielleicht aus Mitleid, dass beim nächsten Mal der neuste Kickstarterscheiss (HipHop-Sprache) in Benji’s Tasche bleiben muss und Funkenschlag, Brass, Food Chain Magnate oder Monopoly (Scherz) gezockt wird. Jedoch nicht, weil wir unsere Strategie verbessern wollen, sondern weil es tolle Spiele sind!


Mattthecrow: Lieber 10 verschiedene Spiele spielen oder 10-mal das gleiche? Klarer Fall! Hier sind 10 gute Gründe, in die Tiefe zu gehen, statt sich zu verzetteln:

  1. Du gibst weniger Geld aus: Ein einziges Spiel anzuschaffen kostet nun mal weniger als zehn. So bleibt mehr Geld für Bier.
  2. Da du weniger Spiele kaufst, sind im Büchergestell auch Bücher – nicht nur Spiele.
  3. Du kriegst weniger Ärger mit deinem Partner oder deiner Partnerin, weil der Postbote nicht so oft ein Spiel bringt.
  4. Du musst weniger Regeln lesen. Stattdessen kannst du spielen.
  5. Du wirst auf diese Weise hoffentlich eine Partie ohne Regelfehler durchspielen.
  6. Du kannst deinen weniger begabten Kollegen bei 10 Partien auch mal gewinnen lassen. Einmal.
  7. Wenn dein Kollege von 10 Partien mehr gewinnt als du, ist er wirklich besser – oder er schummelt. In beiden Fällen wird es Zeit, dich von ihm zu verabschieden.
  8. Die Anschaffung von Kartenhüllen ist gerechtfertigt.
  9. Deine Bewertung auf Boardgamegeek ist etwas wert. (Was leider ausser dir niemand weiss.)
  10. Du kannst mit gutem Gewissen ein Spiel für immer in den Schrank stellen und ein neues kaufen.

Wer hat euch am meisten überzeugt? Gebt ihm eure Stimme bis und mit Sonntag, 23.7.2017, danach informieren wir hier über das Ergebnis!

Und wie siehst du das Ganze? Diskutiere mit und hinterlasse doch direkt einen Kommentar!

 

13 Kommentare

  1. Für mich hatte das gewählte Thema leider nie den Reiz aus genau dem Grund der jetzt zu Tage getreten ist: Es ist praktisch einstimmig. Das ändert auch das Aufzählen von Matts Punkten als Quasi-Gegenargumentation (im Herzen weisst du doch dass das nur Idealvorstellungen sind, wie es Beni so schön formuliert hat)) nicht.

    @Beni: Ein Bonuspunkt gibts übrigens für Tante Eusebia. 😀

  2. nun ja, ich fand/ finde das Thema schon sehr gut. Hauptsächlich um mich wohler zu fühlen. So wie in einer Selbsthilfegruppe. Man fragt sich ja schon ab und an: Bin ich ein Nerd?
    Jedes Jahr kommen tausende Neuerscheinungen auf den Markt. Ist das wirklich alles so innovativ und neu, brauch ich das Spiel wirklich? Meine schlimmste Spielekaufzeit habe ich erfolgreich hinter mir gelassen: die Schnäppchenjägerzeit. Gab es irgendwo ein Angebot, eine günstige Gelegenheit bei ebay, zack gekauft. Der Schrank füllte sich mit mittelklassischen Spielen, die nie auf den Tisch kamen. Ich kaufe immer noch viel zu viele Spiele, aber doch sehr ausgewählt und eher auf der Suche nach neuen Mechanismen.Spieldauer, Regeln, Interaktion und Entscheidungstiefe sind wichtig, nicht der Preis.
    Und momentan bekommen wir in unserer Spielerunde (immer Sonntags) eine ganz gute Mischung aus Klassikern, noch nicht ausgereizten Spielen und Neuheiten hin. Begrenzender Faktor der Kaufsucht ist wohl das Eingeständnis, dass wir sowieso nicht genug Zeit haben, alles zu spielen. Noch 30 Jahre, dann ruft das Altenheim. Wenn die Augen und der Kopf noch mitmachen gründen wir das erste Spiele-Altenheim und bringen die Rente auf Kick-Starter durch, yeah!

    1. Kann man alles unterschreiben! Allerdings: Sobald Du Dir die Frage „bin ich ein Nerd?“ ernsthaft stellst, weisst Du eigentlich bereits, dass Du verloren hast… 😉

      1. na toll, dann wäre das ja auch geklärt.
        Wegen euch habe ich mir übrigens schon vier neue Spiele gekauft. Ihr seit also Mitschuld an meinem Nerdtum!

    1. Sons of Anarchy: Bisher dreimal den Bandenkrieg verloren. Scheiß Spiel… Ne, doch ganz lustig!
      Magic Maze: da kommt Bewegung in die grauen Zellen, sehr gut!
      Clank!: Mein Klong! kommt erst im August.
      For Sale: Schönes Zwischendurch für Hintendran und Vorneweg.

  3. Damals, nach meinem ersten Treffen mit Benji und Pete habe ich wirklich gedacht: Super, die beiden haben all die coolen Spiele, die es braucht. Mein Geld kann ich für andere Dinge ausgeben. Was für ein Trugschluss, das Gegenteil war der Fall. Vielleicht wäre diese Frage viel interessanter: Benötigt eine Spielgruppe 5!!!!!! Exemplare von 878: Vikings?

  4. Ich bin wohl irgendwo zwischendrin.

    Einerseits gibt es ein paar Spiele, die ich jederzeit gerne immer wieder spielen werde. Tragedy Looper, aber auch RoboRally, Linie 1, Room 25, Snow Tails oder Kartenspiele wie Tichu, Cosmic Eidex, und auch Bla5t. Ein paar davon sind schon uralt und abgespielt (RoboRally und Linie 1 sind die Erstausgaben, die wohl irgendwann als Testexemplare für Fata Morgana oder Drachenäscht in die Familie gelangt sind), man merkt, dass die sicher schon 100 und mehr Partien hinter sich haben. An der Stelle erlaube ich mir aber auch die süffisante Anmerkung, dass die ganzen Siegpunktoptimierer-Euro-Mittelalter-„Klassiker“ nicht dabei sind, kein Siedler, kein Agricola, etc. Die sind nicht gemein genug 😉

    Andererseits mag ich immer wieder gerne neue Spiele entdecken. An zwei Spielgruppen beteiligt zu sein hilft da ganz gut – zum CERN Games Club bringen immer wieder Leute neue Spiele zum ausprobieren und man kriegt auch mal eine Gruppe für etwas längeres zusammen. Und wenn ich mal wieder in der alten Heimat bin, dann gibt’s den spielerfindenden Vater, und dann noch diesen Typen aus dem Freiburgischen, der bei uns immer wieder ein gern gesehener Gast ist und jedes Mal neue Spiele aus einem scheinbar unerschöpflichen Fundus mitbringt 😉 Wohlgemerkt, die oben erwähnten Room 25 und Snow Tails hab ich so kennengelernt …

      1. Schon gut, mein lieber Sohn 1. Anzumerken ist aber auch, dass sich unsere uralten Spiele im Laufe der Zeit und der Spielrunden verändern, verbessern, ausbauen. Linie 1 mit 5 statt mit 2-3 Stationen, bei Cosmic Eidex haben wir einiges angepasst (und es gibt 7140 verschiedene Kombos) , Tichu mit Boosters, Robo Rallye mit inoffiziellen Plänen, bei Tragedy Looper gibt’s ohnehin nur neue Szenarien, bei Hanabi haben wir unsinnige Regeln angepast, bei anderen Spielen testen wir immer wieder neue Karten aus.
        Ich meine einfach: Wir spielen unsere Lieblinge nicht hundertfach gleich. Sie verändern sich.

Kommentar verfassen