Clank!

Eine Gruppe von Abenteuern steigt in einen finsteren Dungeon, um einen Drachen… He, bleibt hier! Nicht weglesen! In Clank! spielen wir kein popeliges Grüppchen von edlen Rittern, die untermalt von sanftem Lautengezupfe öd-kooperativ die Welt mit einem kleinen bisschen Frieden beglücken wollen. Nein! In Clank! spielen wir jede gegen jeden egoistische und gemeine Glücksritter, die nur raffgierig den Dungeon leer plündern wollen. Das tönt doch gleich viel besser!

Clank! ist ein Deckbau-Spiel für zwei bis vier Spieler. Also kriegen wir zu Beginn ein paar lausige Karten. Clank! ist aber auch ein richtiges Brettspiel. So können wir unsere Glücksritterfiguren auf einem toll illustrierten Spielplan bewegen. Dieser ist doppelseitig mit je einem unterschiedlich schwierig zu erforschenden Dungeon bedruckt. Schauen wir genau hin, entdecken wir Zeichnungen auf dem Plan, die dem Schweizer Wappen sehr ähnlich sehen. Das ist kein Zufall. Clank! hat etwas höchst Schweizerisches an sich. Das beginnt damit, dass wir nicht einfach in den Dungeon stürmen können, wie es uns grad so passt. Es herrscht vielmehr eine strikte Verkehrsordnung mit Einbahnstrassen und Kammern, in denen wir nach dem „Warte, luege, lose, loufe“-Prinzip anhalten müssen.

Clank Brett
Wer lärmt denn da herunten? Dabei sind die Radaubrüder noch nicht einmal in die Tiefen des Dungeons vorgedrungen.

Die Wertgegenstände, die wir im Dungeon ergattern wollen, sind nicht rein zufällig verteilt. Da man in der Schweiz tiefschürfende harte Arbeit mag, finden wir die wertvollsten Schätze erst ganz unten im Dungeon.

Mit unseren mickrigen Startkarten können wir uns Erfolg in der Unterwelt abschminken. Deshalb kaufen wir aus einer ständig wechselnden Kartenauslage allerlei tolle magische Gegenstände, heuern Gefährten an und erwerben nützliche Ausrüstung wie Waffen und Stiefel. Stiefel? Ja, in Clank! können wir ohne passendes Schuhwerk einzig „ein Ritterlein steht im Dungeon ganz still und dumm“ singen. Nur mit Stiefelsymbolen auf unseren Karten kommen wir vorwärts.

Clank Mister Whiskers
Unser Gefährte Mr. Whiskers futtert kein Whiskas, sondern Clank zum Fruhstück. Oder wir setzen ihn als fiese Katze ein, um einen Drachenangriff auszulösen.

 

Wo Waffen sind, dürfen Monster nicht fehlen. Diese tauchen gelegentlich in der Kartenauslage aus. Haben wir genügend Schwerter in unserer Kartenhand, können wir sie abmurksen und ihre Wertgegenstände rauben.

All das Herumrennen und Plündern macht natürlich ziemlich viel Krach. Spielen wir gewisse Karten aus, verursacht dies ein Geräusch, das titelgebende „Clank“. Über unser Herumlärmen wird sorgfältig Buch geführt, indem wir für jedes „Clank“ ein Steinchen auf ein Sammelfeld legen müssen. Dem Drachen, der im Dungeon haust, geht unser Radau gehörig auf die Nerven. Legen wir eine Karte mit einem Drachensymbol in die Auslage, kommt er persönlich vorbei und sorgt für Ruhe. Das mag man als pedantisch und schweizerisch spiessig empfinden.

An dieser Stelle möchte ich aber nicht eine Lanze in den Drachen stecken, sondern eine für ihn brechen. Stellen wir uns vor, wir haben an einem gesetzlichen Feiertag um die Zeit der Mittagsruhe gerade unser zahnendes Kleinkind in den Schlaf gesungen. Genau in diesem Moment startet unser Nachbar seinen Turbo-Rasenmäher. Da hätten wir doch auch gerne einen Feueratem und einen Drachenschwanz, um den Krachmacher zum Schweigen zu bringen. Oder? Na, dann verstehen wir unseren Drachen doch gleich viel besser.

Der Drache startet eine erbarmungslose Durchsetzungsinitiative zu Gunsten der Lärmschutzvorschriften, indem er all unsere gesammelten Clank-Steinchen zusammen mit ein paar neutralen Exemplaren in einen Beutel wirft und daraus eine gewisse Anzahl zieht. Er betreibt dabei keine Kuscheljustiz: Für jedes unserer Steinchen, das er zutage fördert, kriegen wir einen Gesundheitspunkt abgezogen. Leider sind Kreaturen, die im Dunkeln hausen, naturgemäss nicht die Hellsten. So kann es vorkommen, dass die unterbelichtete Schuppenechse ausgerechnet meine wenigen Steinchen aus dem Beutel zieht, die ich für ein diskretes Hüsteln in den kühlen Höhlengängen eingefahren habe. Die übelsten Radaubrüder und Lärmbolzen kommen dagegen ungeschoren davon. (Ähnlichkeiten mit gewissen Erklärungsmustern in der Schweizer Politik sind rein zufällig.)

Clank Grün
Warte, Grün, bald ruhest auch Du…

Der Drache setzt die Dungeon-Ordnung so konsequent um, dass meine Gesundheit bis zur Ohnmacht ramponiert werden kann. Geschieht dies in den Tiefen des Dungeons und / oder habe ich kein Artefakt erbeutet, erwache ich nicht mehr aus der Umnachtung und vermodere jämmerlich im Höhlensystem Es kann also passieren, dass ich bei Clank! aus dem Spiel eliminiert werde. Da die erste Ohnmacht gleichzeitig die Schlussphase des Spiels einläutet, ist die Wartezeit für ausgeschiedene Spieler jedoch nicht schlimm. In der Endphase werden während vier Runden immer heftigere Drachenangriffe auf die übrig gebliebenen Glücksritter verübt, so dass den Ausgeschiedenen zumindest die Schadenfreude bleibt.

Glimpflicher läuft die Ohnmacht ab, wenn ich in den oberen Gefilden des Dungeons aus den Ritterschuhen kippe und bereits ein Artefakt zusammengerafft habe. Da – typisch schweizerisch – für die halbwegs erfolgreichen Abzocker gesorgt wird, werde ich von den Dorfbewohnern samt Beute aus dem Höhlensystem geschleppt. Auf diese Weise kann mir eine Ohnmacht zur rechten Zeit sogar zum Spielsieg verhelfen. Am besten geht mein Raubzug natürlich aus, wenn ich auf eigenen Beinen mit meiner Beute an die frische Luft gelange. Dann greife ich mir satte 20 Siegpunkte als Bonus ab. Falls bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand ohnmächtig wurde, löse ich mit meiner Rückkehr aus dem Dungeon die Schlussphase aus. Gewinner ist natürlich, wer die wertvollste Diebesbeute präsentieren kann.

Clank Bananen
Das ganze Hetzen und Plündern für drei Bananen??? immerhin decken 100 Gramm Banane bereits 12 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C. Auch Vitamin A, Vitamin K und verschiedene Vitamine der B-Gruppe, vor allem Vitamin B6, sind in Bananen enthalten.

Indem Clank! den klassischen Deckbau-Mechanismus um die Rangelei auf dem Spielbrett erweitert, bringt es gehörig frischen Wind in das etwas angestaubte Genre. Die Kombination fühlt sich stimmig an und wirkt nicht künstlich zusammengemurkst. Clank! bietet erfreulicherweise auch deutlich mehr Interaktion als seine Urahnen wie Dominion. Wir schnappen uns gegenseitig auf dem Spielplan die Beute weg und müssen ständig argwöhnisch im Auge behalten, wer sich anschicken könnte, die Partie zu beenden. Clank! bleibt dabei als Ganzes angenehm schlank und wirkt nicht überfrachtet oder unnötig kompliziert. Die Mischung funktioniert, weil der Deckbau-Mechanismus relativ einfach gestrickt ist. Dies gefällt mir gut, da das Spiel dadurch flüssig abläuft. Wer allerdings auf Combos aus 15 Karten steht und Abende lang Decks finetunen will, wird in den Höhlen von Clank! nicht fündig.

Der Wiederspielreiz ist für mich mit zwei unterschiedlichen Spielbrettern, der zufälligen Kartenauslage und den teilweise nach Zufallsprinzip im Dungeon verteilten Bonusplättchen absolut genügend.

Wer noch mehr Abwechslung sucht, findet sie in der Erweiterung Sunken Treasures. Diese bietet zwei neue Spielbretter, deren Hauptmerkmal überflutete Stellen sind. Wer ins Wasser platscht, verursacht gehörig Radau, wofür natürlich einige Clank-Steinchen fällig werden. Ohne Tauchausrüstung, die wir auf dem Markt kaufen oder via Karte für eine Runde ausleihen können, kommen wir zudem nur mühsam in den Fluten voran und müssen schauen, dass uns nicht gesundheitsschädigend die Luft ausgeht. Garniert ist das Ganze mit 35 neuen Karten. Clank!-Enthusiasten können bedenkenlos zugreifen. Die neuen Elemente bringen unterhaltsame Abwechslung ins Spiel, ohne das Prinzip unnötig zu verwässern (Wortspiel beabsichtigt). Ein gänzlich neues Spielgefühl darf man jedoch für rund CHF 30 nicht erwarten.

Clank Sunken Treasures
Der DJ empfiehlt zu Sunken Treasures: Splish Splash

Renegade Game Studios bieten für Clank! eine kostenlose App an, die einen Solomodus bereit stellt. Der funktioniert, ist aber für mich mangels Interaktion mit fiesen Gegnern reizlos. Für Mehrspielerpartien führt die App eine Assistentin des Drachen ein, die den Spielern in bestimmten Situationen ein Zufallsereignis überbrät. Eine geschenkte App ist immer eine nette Geste – dankeschön! – aber für mich bei Clank! überflüssig.

Zur DNA jedes Deckbauspiels gehört ein gewisser Zufallsfaktor. Mit dem Clank-Mechanismus und der zufälligen Kartenauslage wird hier noch eine Schippe draufgelegt. Natürlich nervt es, wenn ich bis auf die Zähne bewaffnet bin, aber ausschliesslich den zufällig anwesenden diensttuenden Hilfsgoblin für eine lausige Münze um die Ecke bringen kann. Der Glücksfaktor stört mich bei Clank! allerdings überhaupt nicht. Er fügt sich prima in das lockere Spiel ein, in dem wir ja Glücksritter und nicht Strategen verkörpern. Das soll nicht heissen, dass wir dem Spiel hilflos ausgeliefert sind. Bei Clank!  sind wir durchaus unseres Glückes Schmied.

Clank Goblin
Wenigstens der Goblin ist immer zu Diensten, um eins übergebraten zu kriegen.

Von Clank! bin ich sehr angetan und kann es empfehlen. Wer Stil hat, besorgt es sich natürlich themengerecht beim Drachenäscht in der Berner Altstadt. Aber bitte bezahlt die Spielebeute brav und stürmt nicht waffenschwingend in den Laden. Dass die Angestellten verkappte Goblins sind, die nach einem tüchtigen Schwerthieb Gold verteilen, ist nur ein haltloses Gerücht!

Der Schwerkraft Verlag wird Clank! auf Deutsch unter dem bestechenden Namen Klong herausbringen. Die Mehrzahl der Karten ist durch Symbole selbst erklärend und alle Kartentexte sind zumindest beim Kauf eine offene Information. So ist Clank! auch in einer Runde spielbar, in der nicht alle Mitspieler des Englischen mächtig sind. Allerdings erfordern einige Karten schon, dass ein zwei Sätze in Englisch problemlos verstanden werden. Ist einem dies nicht geheuer, lohnt sich der Griff zur deutschen Version.

8 Kommentare

  1. Wer hätte gedacht, dass so viel Schweiz in Clank steckt 😀 Freue mich schon auf die deutsche Version – schön, dass Schwerkraft das Spiel lokalisiert.

    1. 100% einverstanden – ein tolles und witziges Spiel. Nur ein Highlight: Die Karte aus der Erweiterung mit Wasserfall, über den man praktisch mit einem Schritt direkt in die Tiefe der Höhle saust. Allerdings kassiert man dafür gleich drei Clankwürfel, oder, etwas weniger trocken formuliert: „UAAAAAAAAAAHHH!!!“

      1. … und wenn man dann nicht beachtet hat, dass man auf der Seite vom Dungeon ohne Schlüssel nur noch sehr, sehr schwer wieder nach oben kommt, ist das gleich nochmals ein AAAAHHH!! wert 😉

    2. Dankie, Alexander, für Deinen Hinweis auf die deutsche Version. Bei meinen Recherchen hatte ich nach Klonk gesucht und da kamen halt nur Hinweise auf Terry Pratchett…
      Im Bericht habe ich den Hinweis auf Klong inzwischen ergänzt.

      1. Der Schwerkraft-Verlag hatte in einer News Clonk! angekündigt (was ein dämlicher Name…. ach ja Übersetzungen halt..). Ein Clonk mit Zwergen gibt es bereits schon im Handel und birgt vom Namen her Verwechslungsgefahr! Also bitte immer gucken ob das „!“ dabei ist oder was mit Zwergen ist.

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