Bla5t: Killerbiber aus dem All

Kennt hier noch jemand Biberbande? Ein kleines Spielchen, bei dem jede Spielerin gerade mal vier 4 Karten vor sich auslegt, zu Beginn einer Partie zwei davon ansieht, und danach durch diverse Tauschaktionen vom gemeinsamen Stapel eine möglichst geringe Summe der Gesamtwerte der vor ihr ausliegenden Karten zu erreichen versucht. Wer der Meinung ist, die eigenen Zahlen seien tief genug, klopft schüchtern auf den Tisch, was die letzte Runde einläutet. Bla5t (David Grand-Guillaume & Jérôme Armengol) übernimmt dieses Prinzip, dreht aber in den Details die Biberbande regelrecht durch den Fleischwolf – oder zappt sie vielmehr aus der Galaxie! Da wird nicht schüchtern geklopft – die das Endspiel einläutende Ansage lautet nicht zufällig: BLAST!

Die Vorteile des Wohnorts unmittelbar an der Sprachgrenze haben wir kürzlich in unserer Rezension zu Les Poilus bereits zur Sprache gebracht. Bla5t ist auch so ein Fall: Ein Liebhaberprojekt einiger Spieler aus dem Raum Lausanne als Kleinauflage, darüber hinaus momentan nur in französischer Sprache erhältllich (nicht wegrennen – die Symbole auf den Karten reichen fürs Verständnis völlig aus)  – und dennoch hat es den Weg zu uns MUWINS gefunden, so dass wir Euch von dieser kleinen Perle berichten dürfen.

Wie gesagt, das Grundprinzip entspricht der Biberbande: Die drei bis fünf Konkurrenten erhalten jeweils vier Karten, zwei davon darf man sich (meistens) ansehen. Anstatt das doch eher schwammige Ziel „möglichst wenige Punkte“  vorzugeben, begründet sich die „5“ im Namen von Bla5t durch ebendieses Spielziel: Höchstens 5, lieber noch weniger Punkte müssen es nämlich insgesamt sein, ansonsten wird nicht geblastet! Zumindest ist das eines der möglichen Spielziele. Alternativ dazu kann man versuchen, einen der beiden Bosse in die eigene Truppe zu kriegen, dann aber zwingend zusammen mit genau den Kartenwerten 2, 3, und 4. In diesem Fall schliesst man eine Runde mit perfekten Null Strafpunkten ab, ausserdem würgt man der Konkurrenz für die nächste Runde einen üblen Negativeffekt rein. Natürlich ist die Beherbergung derart hoher Persönlichkeiten mit einem gewissen Risiko behaftet: Schafft man die perfekte Auslage nämlich nicht, schlagen die Robifrau- (Futura) und Hirnschaften (Brainie) gleich mit 15 Miesen zu Buche.

futura
Futura ist eine der beiden ObermackerInnen: Die Symbole oben links übersetzen den französischen Text unten: Futura führt zusammen mit 2, 3 und 4 dazu, dass alle Gegner die nächste Runde mit 5 Karten beginnen. Andernfalls zählt das Mädel allerdings 15 Punkte. Autsch!

Etwas weniger gefährlich ist die erste Variante, in der man möglichst tiefe Karten vor sich versammelt. Oder es zumindest versucht. Denn gegenüber den Nagetieren zeichnet sich Bla5t dadurch aus, dass die Karten Werte bis 12 (plus die beiden 15er Bosse) tragen, und dass alle Karten mit hohen Werten alternativ einsetzbare Spezialfunktionen aufweisen.

sprout
Der karnivore Rosenkohl mit dem Wert 10 erlaubt, eine gegnerische Karte sowie die oberste Karte des Nachziehstapels anzusehen. Informationen sind wichtig!

Denn der Spielablauf verläuft sonst ähnlich wie bei s’Bibers zuhause! Wer am Zug ist, hat die Wahl: Die oberste Karte vom Ablagestapel nehmen und damit eine eigene ausliegende Karte ersetzen, oder man deckt die nächste Karte auf. Im zweiten Fall nimmt man entweder die Karte in die eigene Auslage (und wirft dafür eine ab), oder man führt ihre Spezialfunktion aus, oder man schmeisst sie einfach auf die Ablage. Was die Catoridae-Banden hingegen nicht kannten: Liegt zuoberst auf dem Ablagestapel ein Kartenwert, der sich auch in meiner Auslage befindet, darf ich als weitere Option meine entsprechende Karte endgültig darauf abwerfen und muss mich von nun an mit nur noch drei (oder eventuell sogar weniger) eigenen Ausserirdischen herumschlagen – was mich dem Ziel natürlich besonders dann deutlich näher bringt, wenn ich mich so einer 10, 11 oder gar 12 auf Nimmerwiedersehen entledigen kann.

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Die Nowifis from Outer Space – eine der unbeliebtesten Karten: Ihr Wert ist zu hoch um sie zu behalten, aber zu gering, um mit einer Spezialaktion ausgestattet zu sein. Immerhin: wenn sich damit im letzten Zug noch eine 10 (oder schlimmer) ersetzen lässt, haben sie ihre Aufgabe erfüllt…

Aber eben – dazu muss man erst mal wissen, was sich in der eigenen Auslage überhaupt befindet. Und hier bringt Bla5t eine deutlich aufregendere Portion Chaos, aber eben paradoxerweise auch Einflussmöglichkeiten ins Spiel, als das noch bei der Säugetiervariante der Fall war. Während die Spezialaktionen dort gerade mal aus „Spähen“, „Tauschen“ und „zwei mal ziehen“ bestanden, fährt Bla5t ein deutlich grösseres und vor allem differenzierteres Arsenal auf. Mal darf man eigene Karten ansehen, mal gegnerische, mal beliebige zweier Gegner vertauschen… Einer der stärksten Effekte erlaubt es, eine gegnerische Karte anzusehen und diese dann (falls man möchte) mit einer eigenen zu tauschen.

fruitfly
Etwas beliebter als die Nowifis sind die Killerfruchtfliegen of Doom. Besonders, wenn man’s mit der Boss-Kombo versucht…

So liefert Bla5t diverse Möglichkeiten, Informationen zur aktuellen Situation auf dem Tisch direkt oder indirekt einzuholen – und natürlich auch, diese wieder zu vertuschen! Irgendwann verliert jeder mal die Übersicht – wenn’s gut geht nur über fremde Karten, aber so richtig unangenehm wird’s, wenn man nicht mehr weiss, was wo vor einem selbst liegt. Denn die Anderen scheinen immer deutlich besser im Bild zu sein… Oder bluffen die nur…?

Schallt „Blast“ über den Tisch, sind alle, ausser dem Schallenden, noch einmal am Zug. Allerdings ist die Kartenauslage des Blasters tabu – sich dort zu bedienen is‘ nich‘! Immerhin: Das wäre die Gelegenheit, die eigene Boss-Kombo auf den letzten Drücker doch noch zu schaffen, oder wenigstens den eigenen Schaden zu begrenzen und die 15 Miesen stattdessen durch einen glücklichen Kartentausch einem anderen Konkurrenten unterzujubeln.

Mögliche Alternative: Man verzichtet ganz auf das Superduperbossgedöns und versucht stattdessen, die eigene Auslage einfach noch zu optimieren. Denn falls der Blaster am Ende von jemandem Unterboten wird, gibts Haue Strafpunkte. Überschaubare zwar, aber jemandem unverhofft so fünf zusätzliche Pünktchen reinzuwürgen, lässt immer wieder Stimmung aufkommen. Dazu helfen bevorzugt die wirklich kleinen Karten…

ezmo
Jööööööööö – E-Zmo ist sooo süüüüss – vor allem aber liefert er bloss einen Punkt!

Wie sagten schon die Altbabylonier: Da geht doch noch was! Ja, genau – denn unter der Eins liegt die Null! Vier besonders beliebte Helden liefern überhaupt keine Miesen – alternativ sind sie mit sehr starken Sonderaktionen ausgestattet. Meist scheint es aber lohnender, sie statt jener doch als Nullen in die eigenen Reihen aufzunehmen… und ihren Standort hoffentlich einigermassen geheim zu halten…

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Die vier extremst beliebten Helden liefern jeweils null Punkte.

Eine Partie Bla5t dauert, bis jemand 100 Punkte angesammelt hat, dann gewinnt, wer den mickrigsten Kontostand aufweist. Dazu benötigt der gemeine Ausserirdische um die 20 bis 30 Minuten, wobei das Spiel über diese Dauer rundum zu unterhalten vermag. Der Glücksanteil ist nicht wegzudiskutieren, stört aber nicht und gleicht sich bis zum Erreichen des Spielendes auch immer wieder aus. Bessere Blaster gewinnen öfters! Ich kann das beurteilen, mein bestes Ergebnis bisher war Zweiter!

Wie viele Kartenspiele ist Bla5t im Grund abstrakt und hat ebenso wenig mit Weltraum-Monstern, Helden und Superbossen zu tun wie mit tierischen Holzfällern. Dennoch: Neben dem spielerischen Unterhaltungswert mit Memory-, Bluff- und einer Vielzahl von Gegnerindiepfannehauelementen überzeugt es auch durch seine Aufmachung. Der spezielle Grafikstil wird ergänzt durch witzige Bezeichnungen und passt hervorragend zum übertrashigen Gesamtpaket, so dass am Ende eine klare Kaufempfehlung resultiert.

Bonne chance!

Hier gibt’s Bla5t direkt zu beziehen.

3 comments

      1. Ja, kann ich nur empfehlen. Auch wenn’s beim ersten Mal vielleicht nach einem Glücksspiel mit ein wenig Memory ausschaut, Bla5t hat’s in sich. Besonders, wenn man in der letzten Runde noch schnell wem einen Brainie gegen ein E-Zmo reintauschen kann, der Beschenkte wird sich sicher ganz besonders freuen 😉
        Oder auch sehr beliebt: Karten, die man nicht kennt, austauschen/abwerfen. Eigentlich eine gute Sache, weil dann kennt man eine Karte mehr. Nur schade, wenn’s ein 0 (Held) war. Gut, wenn’s nicht gerade Helmut ist, achten sich alle, wo er hinkommt, um ihn bei der nächsten Gelegenheit mitgehen zu lassen. Wir hatten schon Helden, die in einem Spiel abgeworfen, aufgenommen, getauscht, zurückgetauscht, gemischt, vergessen, nochmals abgeworfen, dabei mit Erschrecken wiedergefunden und schliesslich mit einem süffisanten ‚BLAST‘ erneut aufgenommen wurden.

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