Cuba Libre

Am kalten und nebligen Morgen des 2. Dezembers 1956 landen 82 mutige und entschlossene Männer bei Playa Las Coloradas auf dem zauberhaften Kuba. Einem Kuba, das zu dieser Zeit vom unfähigen und korrupten Präsidenten Batista geführt wird. Einem Kuba, unterwandert von kapitalistischen und kriminellen Soziopathen aus Amerika. Einem Kuba mit Universitäten voller fauler, fragiler und handzahmer Studenten. Das kubanische Volk wartet auf seine Befreiung!

Die Muwinser haben diese Befreiung über mehrere Wochen mit Hilfe der VASSAL-Oberfläche nachgespielt (siehe auch COIN). Mit all den Allianzen, den Konflikten, den Guerillaattacken, den Studentenunruhen, der Unterdrückung des Volkes, mit Terrorangriffen, Sabotagen und Ausschweifungen in den Kasinos…

Der unfähige Batista wird gespielt von General Pedro (Regierung, blau), die Studenten werden angeführt von Matìas (Studentendirektorium, gelb), die Kasinos werden geleitet von Benjamìn (Syndikat, grün) und der heroische und kommunistische Befreiungskampf wird von Ives (26er Bewegung, rot) organisiert.

Als Quelle dient das Tagebuch eines unbekannten Helden der 26er Bewegung. Gefallen, aber in den Herzen der Kubaner für immer verewigt.

Ruhe vor dem Sturm

Die ersten vier Tage der Revolution blenden wir aus. Passiert ist in dieser Zeit nicht allzu viel. Die Helden der Revolution haben sich ein Rückzugsgebiet im Sierra Maestra Gebirge erstellt (rote Scheiben sind Basen, Zylinder sind Guerillas), das Syndikat einige Kasinos eröffnet (grüne Scheiben), die Studenten liegen auf der faulen Haut und Batista hat immer noch die Kontrolle über die Städte.

Nach der ersten Propagandaphase sieht die politische Situation in Kuba folgendermassen aus:

nach prop 1
Kuba als die Schweiz Mittelamerikas: Die Regierung lässt ein Mehrparteiensystem zu, kein Terror, ausgeglichene Kassen, zufriedenes Volk.

Batista’s Terrorregime

Die Regierung war mit dieser politischen Stabilität nicht zufrieden: Grundlos fängt Batista an, sein Volk zu schikanieren, Studenten einzusperren, Sympathisanten der 26er Bewegung ins Ausland abzuschieben und gar Kasinos seines Verbündeten zu schliessen. Warum er dies tat? Allen – insbesdondere seinen Verbündeten [Anm. der Verbündeten] – unverständlich. Man munkelt, dass seine Tante ihm die Reise nach Essen verboten hat…

Die Studenten und die 26er Bewegung liessen sich davon jedoch nicht beirren und rekrutierten neue Mitglieder. Gemeinsam beschlossen sie ein Abkommen, sich nicht zu bekämpfen und ein friedliches Zusammensein im Dschungel und in den Gebirgen Kubas zu zelebrieren. Das Syndikat seinerseits eröffnete Kasino um Kasino, butterte Unmengen an Geld in den Aufbau des Tourismus des Landes. Alles schien wunderbar, bis eben Herr Batista beschloss, Kuba Richtung Abgrund zu treiben. Sogar die Vereinten Nationen versuchten Frieden zu vermitteln. Leider ohne Erfolg.

Damit sahen sich die Vertreter des Volkes, die 26er, verpflichtet, sich für Kuba einzusetzen. Dies unternahmen sie mittels punktuell eingesetzten Terroraktionen und Sabotageakten gegen die Regierung. Dieses Vorgehen trug bald erste Früchte: Im Sierra Maestra Manifest vereinbarten die Parteien eine kurze Feuerpause. Das Volk Kubas atmete auf! Ausserdem erwähnenswert: Das Syndikat hat sich selber von Steuern befreit und wird zukünftig die Einkünfte aus den Kasinos alleine einstreichen.

nach prop 2
Die Regierung sah sich 1 Punkt vom Sieg entfernt… Seine Diktatur ging fast auf. Kuba darf sich bei Commandante Ives el Grande bedanken. Die Freiheitsträume leben weiter!

Sturm und Drang

Abgeschreckt durch die kriminellen Machenschaften Batistas beschloss das Parlament der Vereinigten Staaten, die bereits reduzierten finanziellen Zuwendungen nun vollends zu stoppen. Die Tresore der kubanischen Regierung waren gähnend leer!

Dies wollte die 26er Bewegung ausnutzen: Ein ungeschütztes Kasino wurde ausgeraubt und mit den neu erworbenen Devisen wurden „Propaganda-Aktionen“ im ganzen Land durchgeführt (gratis Exemplare „Das kommunistische Manifest“ wurden in Tonnen verteilt). Das Blatt hatte sich gewendet – Kuba wollte die kommunistische Revolution! In diesem Moment zeigte sich die Teufelsfratze der Verräter an den Universitäten. Die Brüder des Kommunismus, das Studentendirektorium, vernichteten diese heroischen Anstrengungen, zerstörten die Freiheit, die Brüderlichkeit, die Gleichheit… Die Helden Kubas liessen dies nicht auf sich sitzen und nahmen kurzum den Bruderkampf auf. Danach wogte dieser mit massiven Verlusten auf beiden Seiten hin und her.

Der noch herrschende Machtapparat drang unterdessen mit massiven Kräften in die von den 26ern besetzte Gebirgsregion Sierra Maestra ein und brachte rücksichtslos deren Personal zur Strecke. Glücklicherweise zogen die Soldaten danach in die angrenzenden, von Studenten verseuchten Dschungelgebiete weiter.

Lansky übernimmt die Kontrolle

lansky

Die Situation in Kuba war chaotisch. Alle Parteien führten unüberlegte Aktionen durch, waren emotional geladen, machten Fehler auf Kosten des Volkes. Alle? Nein, das Syndikat behielt den Überblick und lud den Oberboss, Mister Meyer Lansky zwecks Betriebsbesichtigungen nach Kuba ein…

Lansky hat kurzerhand alle Kasinos des Landes reorganisiert und führte seine Organisation an die Spitze der Nahrungskette.

Auch die 26er-Bewegung hat auf die von der Regierung ausgehende, akute Bedrohung reagiert: Ihre Guerillas versteckten sich nun im Wald von Oriente.

Währenddessen unterschrieb Batista Dutzende von Dekreten, mit dem Ziel, den kubanischen Tourismus anzukurbeln. Ausländern wurde der Landkauf erlaubt, Umweltschutzbedingungen auf ein Minimum heruntergeschraubt, die Devisenmärkte so beeinflusst, dass Ferien in Kuba auch für die Mittelklasse des dümmlichen Amerikas finanzierbar wurden… Dies führte dazu, dass vor allem das Syndikat durch die Reorganisation und die Förderung des Tourismus finanziell und machtpolitisch Kuba übernehmen konnte. Die Regierung hat damit für den amerikanischen Kapitalismus den Boden gesät. Die Früchte warteten nur noch auf ihre Ernte.

Glücklicherweise gelang es Batista im letzten Moment, mit einer grossangelegten Razzia Kasinos zu schliessen: Das Angebot konnte die wachsende Nachfrage nicht mehr sättigen. Dadurch bestand immer noch ein Funke der Hoffnung: Die Hoffnung nach einer Zukunft ohne Unterdrückung, ohne Furcht. Eine Zukunft der Chancengleichheit und der Brüderlichkeit!

Jetzt übertreibt er’s aber [Anm. des Syndikats].

nach Prop3
Nach der dritten Propagandarunde befanden sich mehrere Fraktionen in aussichtsreicher Ausgangslage: Die Studenten hatten sich wunschgemäss ausbreiten können, das Syndikat besass offene Kasinos in allen Städten und im Norden des Landes, 26 July hatte sich für massive Operationen formiert, die Regierung hatte zwar mit finanziellen Problemen zu kämpfen, aber war auch noch nicht ganz weg vom Fenster.

José Antonio Echeverría und Ché Guevara

EcheverriaAm Abend des 13. März um 20 Uhr, die Nacht war klar, die Strassen ruhig… Alle hockten um diese Uhrzeit vor dem Radio, um die geliebte Baseballmannschaft Kubas anzufeuern. Im 8. Inning, Kuba lag 4:0 gegen Venezuela vorne, als plötzlich der Studentenführer José Antonio Echeverría das Wort ergriff. Das Studentendirektorium hat die Sendestation übernommen. In seiner 181 Sekunden langen Rede erreichte José die Herzen der Kubaner und zeigte in klaren und einfachen Worten die scheussliche Seite der Regierung: Terror und Korruption, Vetternwirtschaft und Unterdrückung der einfachen Klasse. Er rüttelte mit seinen Sätzen die Bevölkerung Kubas auf… Der Support für die Regierung in Havanna verschwand in diesen 3 Minuten. Erst später wurde mitgeteilt, dass der Märtyrer sein Leben im anschliessende Feuergefecht verloren hat. Mit Fug und Recht lässt sich hier behaupten, dass José der einzig wahre und echte Held der Studentenbewegung war. Alle anderen glaubten nicht an die Sache und verfolgten ihre eigenen Ziele.

Dieses Ereignis führte jedoch nicht zu einer Wandlung des Regimes hin zum Guten, im Gegenteil. Überzeugt davon, diese Krise nur mit absoluter Härte und Brutalität zu überstehen, wandte sich Batista gegen all seine Gegner. Blutig wurde ein Grossteil der Kasinos geschlossen, die Jagd nach den Studenten wurde erbarmungslos geführt. Mit der Direktive „Seek and Destroy“ wurde in Matanzas aufgeräumt: Das regionale Büro der DR dem Erdboden gleichgemacht, Anhänger vertrieben und jede Erinnerung an sie ausgelöscht. Gleichzeitig gingen Regierungstruppen gegen die in Camagüey City ansässigen Mafiosi vor. Auch hier mit dem selben Resultat: Verbrannte Erde! Die Erde der Kubanerinnen, der Kubaner.

Alle rechneten mit einer heftigen Reaktion der Studenten. Diese blieb aus. Deren schwache und naive Führung suchte stattdessen die direkte Konfrontation mit den Genossen der 26er. Das zweite Mal bewiesen damit diese Schwächlinge, dass sie den wirklichen Feind nicht erkennen. Sie missachteten bestehende Friedensverträge, verrieten damit das kubanische Volk.

ElCheDie 26er sahen jedoch ihre Chance: Nach der Feier für die gefallenen Helden beschloss die Führung, dass die Zeit für einen Wandel auch im kubanischen Hauptort reif war. Unter grösster Vorsicht schickten sie ihren besten Mann nach Havanna. Sein Ziel war das Überzeugen der Stadtbevölkerung: Nicht durch Waffen oder Terror, nicht durch Unterdrückung oder Folter, nicht durch Missachten der zivilen Rechte und auch nicht durch Drangsalierung der Ärmsten! Anwesend in Havanna war niemand geringerer als Che Guevara. Durch das Feuer seiner Worte, durch die begeisternden Sätze, sein Charisma, seine Empathie für die Sorgen der einfachen Leute gewann er die Sympathien im Sturm. Von diesem Zeitpunkt an war die Revolution nicht mehr aufzuhalten. Die ganze Bevölkerung stellte sich auf die Seite der 26er Bewegung. In allen Städten, in allen Regionen wurden die Helden begeistert gefeiert! Kuba hatte wieder eine Zukunft!

Abschliessen möchte ich meine Erzählung dieser geschichtsträchtigen Ereignisse mit einem Zitat:

Gegen einen Feind gibt es kein besseres Mittel als einen zweiten Feind. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

12 comments

  1. Wie gut unterstützt denn das Vassal-Modul die Spielregeln? Ist das für Einsteiger geeignet oder müssen die Spieler total regelfest sein?

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    1. Kurz: Überhaupt nicht. Vassalmodule enthalten einfach alles, was man auch aus der Kiste schütteln würde – abzüglich der Regeln. Es beinhaltet nur rudimentäre Automatismen (z.B. Punktezählung), aber sonst muss man selber wissen, was man tut 😏

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  2. Klar. Ich hatte halt die leise Hoffnung, ich könnte mich anhand des Vassal Moduls leichter in die Regeln (von Falling Sky) einarbeiten.

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  3. Die Frage stellt sich, ob besser online oder unplugged gespielt werden soll. Eigentlich ziehe ich ein Spiel am Tisch dem Pendant am Computer/Handy vor. Aber die vorgestellte Cuba Libre Partie zeigte den Reiz der online Ausgabe: Geheime Absprachen mit allen Gegen-, resp. Mitspielern waren immer möglich. Zudem musste ich mich als Gewinner nicht persönlich um die Tränen der Besiegten kümmern. Ich glaube bei Muwins findest du jederzeit Mitspieler die mit dir ein Spiel auf Vassal zocken.

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