Dreams – göttliche Sternenbilder

Folgende Situation: In einer netten Runde mit deinen Freunden sprechen diese über ein Thema, von dem du selber keine Ahnung hast. Da dir dieses Unwissen etwas peinlich ist, versuchst du möglichst unauffällig bei der Gruppe zu stehen und hoffst, nichts gefragt zu werden. Stell dir dieses Gefühl vor. Hast du’s? Gut. Es gibt ein Spiel, da wird es immer jemandem in der Spielerunde jeweils so ergehen. Einer ist quasi der Depp im Umzug. Derjenige, der keine Ahnung hat, was los ist und versucht auszusehen, als wäre das Gegenteil der Fall.

Version 2
Die Götter spielen am Nachthimmel und der Sterbliche fragt sich, was das soll.

Aber nun der Reihe nach:

In Dreams (Zoch Verlag) von Olivier Grégoire, schlüpfen die 3 – 6 Spieler in die Rolle von Göttern, welche am Nachthimmel schöne Sternbilder erscheinen lassen. Konkret bedeutet dies, dass jeder der Reihe nach einen Stein (aka Stern) auf eine Gummimatte (aka Nachthimmel) auslegt. Man hat 3 verschiedene „Sterne“ zur Verfügung und wenn alle Spieler alle drei Sterne auf die Matte gelegt haben, ist das Sternbildbauen zu Ende. Da wird aber nicht einfach zufällig am Himmel rumgefummelt, nein – die göttliche Gemeinschaft hat natürlich im Voraus ein Bild gekriegt, welches nachzubilden sei. Alle wissen also, welches Bild gebaut werden soll? Nicht ganz. Eine Person am Tisch ist der „Sterbliche“, dieser hat leider keine Ahnung, welches der 4 ausliegenden Bilder die Götter als Sternbild zu erschaffen gedenken. Da er aber als einziger Sterblicher unter den Göttern nicht auffliegen will, macht er einfach mit und platziert seine Sterne möglichst so am Nachthimmel, dass sie einigermassen zu den verfügbaren Bildern passen könnten. Während der Züge seiner Mitspieler versucht er rauszukriegen, welches Bild wohl das richtige sein könnte.

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Verdeckt erhält jeder Spieler zu Beginn einer Runde eine dieser Scheiben. Fast alle wissen nun, dass wir das Bild Nummer 4 bauen. Ausser einer – der Sterbliche.

Die Götter wissen nun, dass einer unter ihnen ist, der keine Ahnung vom Sternbildbauen hat, und versuchen ihrerseits zu erraten, wer das sein könnte.

Ist das Sternbild in seiner Schönheit am Firmament vollendet (zugegeben, manchmal sieht es nach gar nichts aus – aber egal) folgt die Raterunde. Jeder Gott tippt im Geheimen, welcher Spieler wohl der Mensch sein könnte. Der Sterbliche wiederum tippt, welches Bild die Götter an den Sternenhimmel gezaubert haben. Wer richtig tippt kriegt Punkte. Zudem gibt es sowohl für die Götter wie auch für den Menschen noch zusätzliche Punkte, wenn man nicht verdächtigt wurde, Sterblicher zu sein. Für den Menschen ist das natürlich schwierig, die Götter werden aber durch diesen Umstand gezwungen, einigermassen beim Thema zu bleiben und nicht irgendeinen Blödsinn am Himmel zu veranstalten. Gespielt wird über mehrere Runden, die Bilder und die Rollen werden dabei immer getauscht, bis ein Spieler die geforderte Anzahl Punkte hat und gewinnt.

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Mit diesen Wählscheiben stimmen wir ab. Als Gott stellen wir eine Spielerfarbe ein und als Mensch eine (Bild)Nummer.

Vom Schwierigkeitsgrad und vom Spielgefühl her wird Dreams oft mit Dixit verglichen. Da gibt es durchaus Parallelen. In beiden Spielen sind fantasievolle Bilder die Ausgangslage und in beiden Spielen müssen wir am Ende jeweils unsere Mitspieler einschätzen und einen Tipp abgeben, um Punkte zu kriegen. Dreams ist aber weniger sprachlastig – eigentlich könnte man es stumm spielen – und auch die Legephase gibt es in Dixit so nicht. Der Moment des Sternbildbauens ist in meinen Runden immer sehr witzig. Trashtalk, fragende Blicke oder freche Herausforderungen werden ausgetauscht, wenn die Spieler ihre Sterne platzieren. Manchmal sind auch alle nur still und beobachten scharf, wer genau was macht. Und genaues Beobachten ist nötig, sonst verpasst man vielleicht den Stein, welcher den Menschen unter uns verraten könnte. Gerade bei 5 oder 6 Spielern ist also sehr viel los in kurzer Zeit. Wer da pennt, wird’s auf keinen grünen Zweig bringen. Aber auch als Sterblicher ist man in der Legephase extrem unter Druck. Man muss möglichst schnell einschätzen welches Bild bei der aktuellen Sternenkonstellation  in Frage kommt. Denn am eigenen Zug sollte möglichst schnell reagiert werden. Zu langes Zögern zieht den Verdacht aller Götter auf sich. Wenn man Glück hat, kommt man in der ersten Runde nach den Göttern an die Reihe und hat da schon etwas Informationen zur Hand. Zwischendurch muss aber der arme Mensch auch das Sternbildbauen starten, hat einen leeren Sternenhimmel vor sich und muss irgendwo einen Stein ablegen. Augen zu und durch. Je nach verfügbaren Bildern passt da schon irgendwie irgendwas. Schliesslich ist das Erschaffen eines schönen Sternbildes keine exakte Wissenschaft und nur all zu oft sind sich auch die Götter unter sich nicht einig, was dann beim Auflösen der Rollen zu lustigen Reaktionen führen kann.

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Alles klar?  Was die Götter uns mit diesem Sternbild wohl sagen wollten?

Ich habe Dreams mittlerweile in verschiedenen Gruppen mit den unterschiedlichsten Mitspielern gespielt und die Rückmeldungen waren immer positiv. Selbst den Muwins-Test hat das Spiel bestanden. Persönlich finde ich das gemeinsame Bauen und das anschliessende Raten sehr erfrischend und unterhaltsam. Natürlich kann man das Spiel in die Kategorie der „Dixit ähnlichen Spiele“ einordnen. Es ist also letzten Endes ein Deduktionsspiel und wer solche Spiele nicht mag, kann getrost einen Bogen um Dreams machen. Wer aber ein Spiel für mehr als vier Personen sucht (es funktioniert auch zu viert sehr gut), nicht harte Kost will sondern eher den Spass im Vordergrund haben möchte,  wird wohl, wie ich,  viel Freude an Dreams haben.

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Dixit lässt grüssen. Schön sind die Karten aber allemal.

Ein letztes Lob gilt es für die grafische Umsetzung auszusprechen. Die Bilder auf den Karten sind für meinen Geschmack sehr schön und lassen genug Spielraum für Interpretationen und unterschiedliche Herangehensweisen bei der Übersetzung in ein Sternbild. Die Sterne auf der „himmlischen“ Gummimatte runden das göttliche Spielerlebnis ab und passen sehr gut zur Stimmung. Einzig die Rädchen zum Einstellen des eigenen Tipps am Ende der Runde können bei etwas unvorsichtiger Behandlung kaputt gehen und neigen dazu, sich selbst zu verstellen, wenn man sie auf den Tisch legt. Hier ist etwas Vorsicht gefragt. Auch nach über 10 Partien würde ich nicht nein sagen zu einem weiteren Durchgang Dreams.

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Wegräumen geht schnell. Eine Plastikeinlage sucht man vergebens. Dafür ist der Spielplan nicht aus Karton und lässt sich einfach aufrollen.

 

 

3 Kommentare

  1. Die Parallele zu Dixit stimmt natürlich: Punkte werden sehr ähnlich vergeben und die optischen Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Noch näher als an Dixit liegt das Spielgefühl aber für mich persönlich an Spyfall (Agent Undercover). Es übernimmt die Mechanik des „einen Unwissenden“, der versucht, sich möglichst rasch schlau zu machen, ohne aufzufallen. Bei Spyfall haben mich die ersten Partien begeistert – nach wenigen Durchgängen tauchen jedoch mehr und mehr die immer gleichen Standardfragen auf (wie warm ist es hier, wie bist du hierher gekommen…), so dass es für mich persönlich mittlerweile jeglichen Reiz verloren hat. Dreams pfeift auf verbale Informationen und spielt mit abstrakten Darstellungen, die auch noch interpretiert werden wollen. Bei allen zugegebenen Problemen, die dabei auftreten können (etwa in Abhängigkeit der zur Auswahl stehenden Bilder, die zu ähnlich oder allzu verschieden sein können), ist Dreams für mich das bessere Spyfall.

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  2. Ich kann da noch Fake artist goes to New York empfehlen. Ist das bessere Dream (und auch vorher erschienen), ist Dreams mit Zeichnen. Braucht eigentlich keine Schachtel-mit der Regel kanns auch so gespielt werden.

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