Germania Magna und Villages of Valeria

Kickstarter – die meisten unter uns kennen dieses Werkzeug des Teufels. Unser Grosspapa des Blogs hat sich schon zur Plastifizierung des Brettspiels geäussert. Immer grössere, bizarrere und furchteinflössendere Figuren beherrschen die Felder der Kickstarterprojekte. Vor allem die horrenden Preise inklusive der Portosummen schrecken mich ab. Da auch ich den Deal mit dem Teufel eingegangen bin, habe ich im Jahre 2016 trotzdem einige Spiele vorfinanziert. Weil ich jedoch keine 120 Euro ausgeben wollte, backte ich vor allem Objekte in der Preisklasse 30-50 Euro. Und das sind natürlich in erster Linie Kartenspiele. Karten in den unterschiedlichsten Variationen: klein, bunt, comicartig, kriegerisch, weltraumtechnisch, solo-fähig, achterbahnerisch, schweigend, etc… (bitte, lasst mich nicht meine Historie bei Kickstarter nachschauen!). Das Spielgerät liegt bei mir rum, einzelne musste ich entsorgen, weil ich sie zu spät wegräumte und meine Nachkommen diese ideal zum Ausmalen fanden… Dieses Jahr wird alles besser! Keine Kartenspiele mehr! Rising Sun, Peak Oil und Academy Games, ich bin für euch da…

Zwei dieser Kartenspiele möchte ich euch nun kurz vorstellen: Germania Magna und Villages of Valeria. Beide letztes Jahr gekickt, eines mit Verspätung erhalten, das andere in Essen abgeholt (wenn man schon einmal dort ist).

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Die Germanen beim Angriff auf eine römische Festung.
Germania Magna – Römer verkloppen auf Germanisch (PHALANX Games)
2-4 Spieler verkörpern je einen germanischen Chieftain/Führer (jeder besitzt eine eigene Fähigkeit), der mit Hilfe eines Zaubertrankes die Römer vertreiben will. Im Spiel liegen einzelne Provinzen aus, welche von bösen Italienern beschützt und verteidigt werden. Mit den ehrenwerten (hallo, MUWINSER!) Mitstreitern versuchen wir, in Kooperation (!) die Römer zu besiegen. Bei einem Sieg erhalten wir Bonuspunkte, Trophäen und Gold. Bei einer Niederlage verlieren wir (fast) alles. Mit unseren Finanzen verbessern wir unsere eigene Armee, kaufen Ausrüstungen und schmieden Taktiken. Unsere Soldaten müssen laufend ersetzt, geheilt und zum Kampf ermutigt werden. Es gewinnt der erfolgreichste Punktesammler Germaniens.

So weit so gut… Nun schnell zurück zu einem Zitat vergangener Tage:

Mit euch würd‘ ich nicht spielen! (Essener Erklärbar)

Wir MUWINSER sind weder ehrenwert, noch kooperativ veranlagt und kommunikationstechnisch befinden wir uns auf einem ganz tiefen Level (nicht einmal die Plurals kennen wir). Germania Magna bietet unzählige Möglichkeiten, seinen Mitspielern in den Rücken zu fallen: Falsche Versprechungen, fiese Tricks, böse Strategien, usw. Es kommt also vor, dass wir uns gemeinsam einigen, das stark bewachte Fort anzugreifen, Matthias sich aber dann entscheidet, mit seiner gesamten Armee den Rhein hinab zu schiffen… Das Gemetzel ist vorprogrammiert. Keiner meiner Soldaten entkam dieser Schlacht. Diese Interaktivität ist gleichzeitig ein starkes Plus, jedoch auch ein negativer Aspekt des Spiels. Erlebst du einmal diese obige Situation, bist du gnadenlos im Hintertreffen. Hinzu kommt, dass sich die Chieftains dermassen blockieren und gegenseitig aus dem Rennen werfen, dass wir kaum mit dem Römer-Verkloppen weiterkommen. So haben Matthias und ich eine 2-stündige Schlacht durchlebt, mit allen Höhen und Tiefen. Und ehrlich, für diese Dauer ist das Spiel zu wenig spannend. Hinzu kommt noch ein grosser Glücksanteil. Bei einem Spiel über 30 Minuten macht mir dies nichts aus, bei dieser Dauer schon. Gerne teste ich Germania Magna ein weiteres Mal zu viert. Dann gibt es entweder einen Daumen nach oben oder einen Daumen nach unten… Aktuell bin ich mir jedoch unschlüssig.

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Ein Dorf in Valeria – inklusive Dorfkneipe…
Villages of Valeria – Unbürokratischer Aufbau eines Dorfes (Daily Magic Games)

2-5 Dorfvorsteher spielen in 30-60 Minuten um den Titel „punkteträchtigstes Dorf von Valeriahausen“. Dafür beauftragen wir unseren Leiter des Bauamtes mit der Konstruktion von phänomenalen Gebäuden und unseren HR-Experten mit dem Anheuern von Abenteuern. Im Gegensatz zu Germania Magna finden wir MUWINSER in diesem Spiel kaum Möglichkeiten, unsere Mitstreiter in die Pfanne zu hauen. Nur ausnahmsweise darf ich dem Bürgermeister des Nachbardorfes eine Karte oder Gold aus seiner Schatzkiste stibitzen. Reicht mir dieser Level an Interaktion?

In unserem Zug wählen wir eine der folgenden Aktionen aus: neue Karten ziehen, Gebäude bauen, Ressourcen „entwickeln“, Abenteurer anwerben oder Steuern einziehen. Das Interessante daran ist, dass meine Gegenspieler die Aktion in einer abgeschwächten Variante auch ausführen dürfen (sog. Following). Diesen Mechanismus benutzten weitere Spiele wie Ruhm für Rom und er führt dazu, dass die Downtime zwischen den Zügen erheblich kürzer wird. Ich kann also auch während den Zügen meines Gegners mitspielen. Die verschiedenen Gebäude und auch die Abenteurer verbessern mein Dorf um Wesentliches: so erleichtert mir beispielsweise die Taverne das Anwerben von Helden, der Barde gibt Bonuspunkte pro verdiente Münze, die Farm verpflegt mich mit Grundnahrungsmitteln…  Der geübte Brettspieler (also ihr alle) versteht dieses Prinzip. Ich baue eine sogenannte Engine mit allem Drum und Dran. Ist diese fertig aufgebaut, endet die Partie (d.h. bei  einer gewissen Anzahl an ausliegenden Karten – zu abrupt)… Leider konnten wir unsere Superkombo nie ausprobieren, dafür reichte die Spieldauer dann nicht.

Villages of Valeria bedient sich bei bereits bekannten Mechanismen und verwebt diese geschickt in ein elegantes und schnelles Spiel. Die Karten finde ich ausserordentlich gut gelungen und sehr schön gezeichnet. Die Symbolik auf den Karten ist verständlich und sehr übersichtlich, die Regeln und deren Übersicht sind einwandfrei. Die Thematik ist leider Einheitsbrei (Fantasy-Städte-Aufbau) und wirkt häufig ein wenig beliebig. Ausserdem stelle ich mir die Frage, wie nachhaltig das Spiel ist: Die verschiedenen Vorgehensweisen, die unterschiedlichen Synergien sind schnell entdeckt, allzu viele Variationen gibt es nicht. Direkte Interaktion entsteht kaum (erreicht das minimale MUWINS-Level nicht). Der erklärte Following-Mechanismus verhindert, dass ich das Gefühl habe, an einer Mehrspieler-Solopartie zu sitzen . Heute bin ich gerne mit dabei, beim Aufbau von Valeria zu helfen. Morgen geht das Spiel vermutlich in der grossen Masse an Neuerscheinungen verloren und verstaubt in meinem Keller.

5 Kommentare

  1. Hundert Punkte für den nicht ‚lazy‘ Chef… Schick deine Adresse per Kontaktformualr und wir schicken dir … and then we held hands. Gratuliere dir

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