Tal der Kaufleute – Dale of Merchants

In diesem Spiel übernehmen wir die Rolle von Kaufleuten verschiedener Tiervölker. In der Stadt Dale versuchen wir nun, in die Gilde der wichtigsten Händler aufgenommen zu werden. Dies schaffen wir durch den schnellsten und effizientesten Aufbau unseres Marktstandes.

Beginnen möchte ich diese Rezension mit einer Begegnung. Diese fand während der vergangenen Messe in Essen statt. „Dale of Merchants“ befand sich auf meiner Liste der zu prüfenden Spiele. Daher machte ich mich gemeinsam mit Matthias auf die Suche nach dem Stand des finnischen Herausgebers Snowdale Design. Gefunden haben wir die netten Schneetalbewohner gleich neben Ausrüstungsgegenständen für Rollenspieler. Zuerst war ich überrascht: nur ein einziges Spiel inklusive Erweiterung vertreiben die Nordländer! Nix mit Auswahlmöglichkeiten à la Queens oder Pegasus. Wir setzten uns gleich an den freien Tisch und liessen uns das Spiel von einem freundlichen, geduldigen und witzigen Erklärfinnen beschreiben. Leider haben wir uns gegenseitig nicht vorgestellt, ansonsten würde ich hier ein persönliches Kompliment an ihn aussprechen. Er ging sogar auf meine vorgeschlagene Wette ein, eine Partie um die Matte zu zocken… Leider verliess mich der Mut, da ich bei einer Niederlage das Spiel mitsamt Erweiterung und Unterlage hätte kaufen müssen. Weil ich eher skeptisch gegenüber Erweiterungen bin und Deckaufbauspiele nicht allzu berauschend finde (ausser Magic: The Gathering), habe ich nur das Basisspiel erworben. Der Grund des Kaufs war zu diesem Zeitpunkt eigentlich „nur“ die nette und sympathische Unterhaltung.

Zurück zum Spiel: „Dale of Merchants“ ist ein schnelles Deckaufbauspiel für 2-4 Spieler. Ich bevorzuge, wie bei anderen Deckaufbauspielen, das Wetteifern zu zweit. Zu dritt oder zu viert werden diese Spiele meiner Meinung nach zu unübersichtlich und dauern zu lange. Basisspiel und Erweiterung wurden jeweils mittels einer Kickstarterkampagne verkauft. Unglücklicherweise habe ich damals beide verpasst. Gewonnen wird das Spiel nicht durch Punkte, es gewinnt derjenige, welcher zuerst seinen Marktstand komplett fertiggestellt hat.

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Von links nach rechts: Ozelots, Biber, Pandabären, Aras und Chamäleons

Am Anfang werden so viele Tiervölker ausgewählt, dass sie der Anzahl Spieler plus 1 entsprechen. Jedes Volk hat einen eigenen Kartensatz. Im Basisspiel sind 6 verschiedene Tierarten, die Erweiterung liefert 6 zusätzliche. Jede Art handelt (nicht vergessen, wir sind Kaufleute!) auf eigene Weise. Es gibt die Verwalter, Diebe, Hortende, die Wandelbaren, etc.  Jede Karte besitzt einen Effekt und einen Wert. Erfreulicherweise passt der Effekt extrem gut zur Karte, bzw. der Zeichnung.

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Alle Beispiele sind nicht besonders realistisch – aber ein Dorf, welches mir 2 Aktionen gibt!?

Zu Beginn der Runde wählen wir eine der nachfolgenden vier Aktionen aus. Die ersten drei davon werden durch das Ausspielen der eigenen Handkarten aktiviert:

  • Marktbesuch – Eine Karte vom Markt kaufen: Von den 5 ausliegenden Karten (neue Produkte für meinen Marktstand) kann ich eine kaufen. Dies geschieht mittels Wert der gespielten Karte. Die Tierkarten bzw. die Produkte sind also auch Zahlungsmittel. Es findet quasi ein Tausch statt.
  • Technik-Aktion: Jede Tierkarte kann als Handelstechnik verwendet werden. Da einige Karten ein Bonussymbol aufweisen, können beliebig viele Techniken gespielt werden. Daraus entstehen wahrhaft schöne Kombos (als ehemaliger Magic-Spieler liebe ich vor allem Endloskombos!).
  • Marktstand ausbauen: Der Marktstand besteht aus verschiedenen Produkten, aufsteigend nach Qualität (Kartenwert). Um einen Stapel zu bilden, legen wir eine beliebige Anzahl eines Tiervolkkartensatzes ab. Wichtig: wer als erstes 8 Stapel gebildet hat, gewinnt!
  • Inventar-Aktion: Beliebig viele Karten ablegen.

Das Abwägen zwischen dem Kauf neuer Karten und dem Ausbau  meines Marktstandes ist das Herzstück des Spiels. Verbessere ich mein Deck auf Kosten der Schnelligkeit? Erweitere ich mein Angebot in meinem Stand, verpasse jedoch die Gelegenheit, das ideale Produkt zu kaufen? Im Grunde ist „Dale of Merchants“ ein Rennspiel (nicht wie Flamme Rouge, aber immerhin). Daher ist es auch nicht sinnvoll, das imposanteste Deck zu haben. Besser ist es, am Schluss des Spiels keine Karten mehr auf der Hand zu haben, weil ich alle für meinen Marktstand benutzt habe. Effizient und effektiv müssen wir handeln.

Es ist wichtiger, das Richtige zu tun, als etwas richtig zu tun. (Peter Drucker)

Meiner Meinung nach ist „Dale of Merchants“ thematischer, eleganter, übersichtlicher und in der Spiellänge kürzer als sein grosser Bruder „Dominion“. Deshalb hat das finnische Spiel bei mir seinen Vorgänger abgelöst. Als Filler ist es in unserer Gruppe immer gern gesehen. Bitte erwartet jedoch kein komplexes Schwergewicht. Diesen Anspruch hat es aber auch nicht. Als tierischer Händler habe ich mich eigentlich nie gefühlt. Das liegt jedoch vor allem am Genre des Deckaufbauspiels (auch in „Thunderstone“ empfinde ich mich nicht als Held). Mein Endprodukt, mein eigener Marktstand fühlt sich jedoch sehr realistisch an:

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Ich habe im Angebot: Brownie, Snacks, einen Papagei, Cookies, Obst…

Zurück zu Essen: Hätte ich doch nur die Wette angenommen, vermutlich verloren, die Erweiterung und die Mappe gekauft… Von mir gibt es eine Kaufempfehlung. Laut Auskunft des Verlags erscheint in Kürze eine weitere Erweiterung (vermutlich über Kickstarter). Dieses Mal unterstütze ich diese. Bei der nächsten Wette in Essen bin ich zu 100% dabei!

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